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BackEinkommensungleichheit im Fokus: Armut bleibt hoch, Reiche werden noch reicher
Einkommensungleichheit im Fokus: Armut bleibt hoch, Reiche werden noch reicher
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n-tv Wirtschaft40 minutes agoBusiness2 min readGermanyView translation

Einkommensungleichheit im Fokus: Armut bleibt hoch, Reiche werden noch reicher

Eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) warnt vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und einer Destabilisierung des politischen Systems.

Quick Look

  • Der neue WSI-Verteilungsbericht zeigt, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland nahe an historischen Höchstständen liegt.
  • Die Armutsquote erreichte 2024 mit 17,3 Prozent fast einen Rekordwert, während sich Reichtum an der Spitze zunehmend konzentriert.

AI-generated summary

Why It Matters

Der Gini-Koeffizient misst die Einkommensungleichheit auf einer Skala von 0 bis 1. Das WSI nutzt für seine Analysen Daten des SOEP-Panels.

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Deutschland ist ein wohlhabendes Land - eigentlich. Denn das Vermögen ist besonders ungleich verteilt. Die Armutsquote erreicht fast einen neuen Rekord, während die Zahl der einkommensreichen Haushalte steigt. Eine Studie zeigt Gründe und spricht zugleich eine Warnung aus.

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist so groß wie seit Jahren nicht mehr. Die Einkommensungleichheit liegt auf dem zweithöchsten Niveau seit 1992, die Armutsquote ist seither um 45 Prozent gestiegen. Das zeigt der Verteilungsbericht des WSI, des Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Dabei war die Spreizung bei den Stundenlöhnen seit Mitte der 2010er Jahre durch die Einführung des Mindestlohns zurückgegangen.

Der Gini-Koeffizient, das Standardmaß für Einkommensungleichheit, stieg 2024 auf 0,307. 1992 lag er bei 0,252, höher war er seither nur 2021 mit 0,312. Der Wert reicht von null bis eins: Bei null hätten alle Menschen in Deutschland das gleiche verfügbare Einkommen, bei eins gehörte das gesamte Einkommen einer einzigen Person - es gäbe also eine extreme Ungleichverteilung.

Auch die Armutsquote liegt nahe am Höchststand. Der Anteil armer Haushalte stieg laut WSI von 11,9 Prozent im Jahr 1992 auf 17,3 Prozent im Jahr 2024. Nur 2021 war er mit 17,4 Prozent höher. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) zur Verfügung hat. Für Alleinlebende sind das weniger als 15.673 Euro netto im Jahr.

Am oberen Rand zeigt sich ein gemischtes Bild. Als einkommensreich gelten Haushalte mit mehr als 200 Prozent des Medianeinkommens, bei Alleinlebenden sind das mehr als 52.244 Euro im Jahr. Ihr Anteil schwankte: Er stieg von 5,7 Prozent im Jahr 1992 zwischenzeitlich auf rund 8 Prozent und lag 2024 bei 7 Prozent.

Spürbar zugelegt hat dagegen der Anteil der sehr einkommensreichen Haushalte mit mehr als 300 Prozent des Medians, bei Alleinlebenden ab 78.366 Euro im Jahr. Er wuchs von 1,1 Prozent 1992 auf 1,9 Prozent 2024.

Warum die Einkommen trotz angeglichener Stundenlöhne auseinanderdriften, erklärt die Studie vor allem mit zwei Entwicklungen. Steuern und Sozialtransfers gleichen im vergangenen Jahrzehnt tendenziell weniger aus. Außerdem arbeiten mehr Menschen in Teilzeit, oft wegen fehlender Kinderbetreuung.

Armut und Ungleichheit nähmen auch bei niedriger Arbeitslosigkeit zu, sagte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch: "Gleichzeitig haben wir auch in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit eine Zunahme und Vertiefung von Armut und ein Wachstum von Einkommensungleichheit beobachtet." Das zeige, dass bestimmte Gruppen nicht profitierten.

Das alte Versprechen, dass ein Arbeitsplatz für Teilhabe und Integration sorge, gelte nicht mehr, so die Soziologin. Davon habe die AfD bei ihren jüngsten Wahlerfolgen profitiert. Das betreffe nicht nur arme Menschen, sondern alle. "Das hat das Potenzial, diese Gesellschaft und dieses politische System zu destabilisieren." Sollten aktuelle Kürzungsdebatten zu mehr Sozialabbau führen, werde das die Ungleichheit weiter verschärfen, warnte Kohlrausch.

Die Studienautoren Dorothee Spannagel und Claus Schäfer empfehlen unter anderem, die Tarifbindung zu stärken und den Mindestlohn anzuheben. Zudem müsse die Kinderbetreuung ausgebaut und Leistungen wie die Grundsicherung erhöht werden. "Armut hat sich vertieft, die untere Mitte ist unter Druck geraten, Reichtum konzentriert sich zunehmend an der Spitze", lautet das Fazit der Studienverfasser Dorothee Spannagel und Claus Schäfer.

Das WSI nutzt für den Bericht unter anderem Einkommensdaten einer repräsentativen Befragung des sogenannten SOEP-Panels. Dafür wurden 23.000 Menschen aus 17.000 deutschen Haushalten befragt. Die Studie basiert auf den neuesten Daten für 2024.

Open Questions

  • Welche spezifischen politischen Maßnahmen werden zur Senkung der Armut priorisiert?
  • Wie reagiert die Bundesregierung auf die Warnungen des WSI?

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This article was originally published by n-tv Wirtschaft.

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