
Niedrige Gasspeicherstände, geopolitische Spannungen in der Straße von Hormus und steigende Preise belasten die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter.
AI-generated summary
Die Gasversorgung in Europa steht unter Druck durch geopolitische Spannungen und niedrige Speicherstände, ähnlich wie vor der Krise 2021.
Europa und insbesondere Deutschland könnte laut der Preisberichtsagentur Argus Media die schwierigste Wintersaison seit dem Krisenjahr 2022 bevorstehen. Vor dem Hintergrund ungewöhnlich niedriger Gasvorräte schüren die jüngsten geopolitischen Signale bei der leitenden Expertin für LNG- und Gasmärkte, Natasha Fielding, die Befürchtung einer erneuten Belastungsprobe. Für die Expertin ist klar: Die Preise werden in den kommenden Monaten weiter stark schwanken.
Maßgeblicher Treiber dieser Entwicklung ist die Sorge vor geopolitischen Lieferengpässen: Marktteilnehmer stellen sich ihrer Einschätzung zufolge zunehmend darauf ein, dass die wichtige Straße von Hormus bis in den Winter hinein weitgehend gesperrt bleiben könnte. Grund für diese Annahme war laut Fielding zuletzt unter anderem die Aussage von US-Präsident Donald Trump, wonach derzeit keine diplomatischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran stattfänden.
Inzwischen ist der Frust bei Trump über die mangelnde Fortschritte bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus so groß, dass er den Iran sogar mit einem "wirtschaftlichem D-Day" überziehen will. Auf seiner Platform Truth Social drohte er mit einem "Wirtschaftskrieg und einer Isolierung in noch nie dagewesenem Ausmaß". Dies richte sich an Länder, die dem Iran "in irgendeiner Weise eine Rettungsleine" zuwerfen. Dann müssten sie selbst mit "enormen wirtschaftlichen Konsequenzen" rechnen.
Diese geopolitische Anspannung schlägt nun voll auf die europäische Versorgungslage durch. Laut jüngsten Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lag der Füllstand am 17. August bei 61,37 Prozent. Vor einem Jahr waren es knapp 74 Prozent. "Das einzige andere Mal in den vergangenen 15 Jahren, als die Vorräte annähernd so niedrig waren, war im Jahr 2021, kurz vor der letzten großen Gaskrise", sagt Fielding.
Die deutschen Gasreserven sind im Vergleich deutlich geringer: Hier meldete die GIE für den 17. August einen Füllstand der Speicher von 50,06 Prozent, nachdem sie vor einem Jahr zu knapp 67 Prozent gefüllt waren. "Um das nationale Ziel bis November noch zu erreichen, müsste sich das Tempo bei der Einlagerung beschleunigen", sagt die Gasmarktexpertin. Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen.
Angesichts dieser Rückstände nehmen das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur die Wirtschaft in die Pflicht. Die Füllung der deutschen Speicher sei aktuell "sehr gering", räumte eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin ein. "Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf einzuspeichern."
Doch die Aufforderung zum Einspeichern stößt auf eine ökonomische Hürde. Der durch die Blockade erschwerte internationale Transport von Gas und Öl treibt die Preise in die Höhe. Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Mittwoch zuletzt auf das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Kriegs. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 64,60 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Stand seit Mitte März. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf deshalb derzeit wenig attraktiv. In der Hoffnung, der Krieg würde nicht allzu lange dauern, hatten sie zunächst nicht das teurere Erdgas eingelagert.
Europa wird laut Fielding nicht darum herumkommen, im Winter stärker auf LNG-Importe zurückzugreifen und könnte außerdem in einen harten Wettbewerb mit asiatischen Abnehmern um verfügbare Ladungen geraten. "Deutschland wird für sein Gas im Vergleich zu anderen westeuropäischen Märkten wie Frankreich und den Niederlanden einen Aufschlag zahlen müssen, da die LNG-Importkapazitäten im Verhältnis zur Nachfrage begrenzt sind", sagt die Gasmarktexpertin.
Das werden am Ende auch die Verbraucher zu spüren bekommen. Laut dem Vergleichsportal Verivox haben sich die Preise für Neukunden seit Beginn des Iran-Kriegs bereits verteuert. Bei den meisten Haushalten seien die Preissteigerungen aus dem Gas-Großhandel aber noch nicht angekommen, weil viele Gasversorger Preisanstiege erst mit Verzögerungen weitergäben. "Sollte das aktuelle Preisniveau der Großhandelspreise jedoch noch länger bestehen bleiben, sind früher oder später auch für Bestandskunden Preiserhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zu erwarten", so Verivox.
AI outlook — possibilities, not facts
Preiserhöhungen für Bestandskunden um 10 bis 20 Prozent.
Likely · Within months

Angesichts der iranischen Bedrohung der Straße von Hormus suchen Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die VAE nach alternativen Exportrouten. Milliardeninvestitionen in Pipelines und Häfen sollen die Abhängigkeit von der Meerenge langfristig mindern.

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt, was das gesetzliche Ziel von 80 Prozent bis zum 1. November gefährdet. Experten warnen vor wirtschaftlichen Hürden bei der Einspeicherung und betonen die Systemkritikalität der Speicher für kalte Wintertage.

Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit zu 50 Prozent gefüllt. Die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae warnt, dass das Ziel von 70 bis 80 Prozent bis November aufgrund gestörter Marktmechanismen und hoher Preise immer schwieriger zu erreichen sei.

Die deutschen Gasspeicher verzeichnen Mitte August 2026 mit 49 Prozent den niedrigsten Füllstand seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Hohe Gaspreise infolge der Blockade der Straße von Hormus hemmen die Einspeicherung für den kommenden Winter.
Die deutschen Gasspeicher erreichen Mitte August mit 49 Prozent einen historischen Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Grund sind hohe Gaspreise infolge der Blockade der Straße von Hormus, die wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung mindern.

Die deutschen Gasspeicher füllen sich zu langsam, um die gesetzlichen Ziele für die Heizsaison zu erreichen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hält dennoch an ihrem marktwirtschaftlichen Kurs fest, was auf Kritik von Experten und Opposition stößt.