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Seit der Finanzkrise 2008 nutzte die US-Notenbank Forward Guidance, um Märkte über zukünftige Zinsentscheidungen zu informieren und Unsicherheit zu verringern. Kevin Warsh wurde im Mai 2026 von Donald Trump zum Fed-Chef ernannt und steht unter Druck, die Inflation zu senken, während die Wirtschaft robust bleibt.
Bei seiner ersten Rede als Fed-Chef in Jackson Hole hat Kevin Warsh keine konkreten Hinweise auf die Zinsentscheidung im September gegeben. Stattdessen machte er deutlich, dass die Fed künftig zurückhaltender sein wird mit Hinweisen auf den weiteren Zinskurs.
Besonders deutlich wurde Warsh bei der sogenannten "Forward Guidance". Seit der Finanzkrise 2008 hatten die jeweiligen Chefs der US-Notenbank die Märkte immer wieder mit Hinweisen auf den künftigen Zinskurs versorgt. Das sollte Unsicherheit verringern und die Wirkung geldpolitischer Entscheidungen verstärken.
"Zu viel Transparenz kann in die Irre führen"
Warsh sieht darin inzwischen mehr Risiken als Nutzen. "Zu viel Transparenz über interne Beratungen und zu starke Festlegungen auf künftige Entscheidungen können Märkte, Unternehmen und Haushalte in die Irre führen", sagte er. Statt sich an Äußerungen von Notenbankern zu orientieren, sollten Investoren wieder stärker auf Wirtschaftsdaten und die Marktentwicklung schauen.
Die Begründung von Warsh: Die Fed schränke ihren eigenen Handlungsspielraum ein, wenn sie sich zu früh auf einen bestimmten Kurs festlege. Zudem reagierten die Märkte direkt auf die Hinweise. Reaktionen, die wiederum von der Fed beobachtet würden. Das könne Fehlentscheidungen begünstigen.
Inflationsbekämpfung hat Priorität
US-Präsident Donald Trump hatte Warsh im Mai an die Spitze der Notenbank berufen und die Fed zugleich zu niedrigeren Zinsen gedrängt. Kritiker bemängeln seither, dass der neue Fed-Chef zwar sinkende Inflation verspreche, aber kaum Hinweise auf seine Strategie gebe.
In Jackson Hole stellte Warsh nun klar: "Das Inflationsziel von zwei Prozent ist ein fester, unverrückbarer Wert." Preisstabilität sei "kein Selbstläufer". Die Fed müsse sie aktiv durchsetzen. "Das ist die Aufgabe der Fed. Ohne Ausreden."
Das Problem: Die aktuelle Inflationsrate von 3,7 Prozent liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert. Zwar seien die jüngsten Daten etwas besser ausgefallen als erwartet, betonte Warsh. Einen überzeugenden Trend zurück Richtung zwei Prozent könne er jedoch noch nicht erkennen. Deshalb gelte: Wenn die Inflation nicht klar und schnell genug sinke, habe die Fed "noch Arbeit zu tun".
Keine Vorentscheidung für September
Bemerkenswert dabei ist, dass Warsh die Verantwortung für die hohe Inflation der vergangenen Jahre in seiner Rede ausdrücklich bei der Zentralbank verortet. Die anhaltend erhöhte Teuerung der vergangenen 65 Monate gehe letztlich auf das Konto der Fed, erklärte er. Aus seiner Sicht hätte die Notenbank früher und entschlossener mit höheren Zinsen gegen den Preisanstieg vorgehen müssen.
Trotz der klaren Inflationsbotschaft vermied Warsh jedoch jede Aussage zur nächsten Zinssitzung. Darauf hatten viele Anleger gehofft. Vor seiner Rede sahen die Finanzmärkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bei etwa einem Drittel. Eine neue Orientierung erhielten sie in Jackson Hole nicht.
Stattdessen betonte der Fed-Chef wiederholt, er sei "einer Disziplin verpflichtet, nicht einer Entscheidung". Die Notenbank müsse auf neue Daten, geopolitische Entwicklungen und Veränderungen in den Lieferketten reagieren können. Das spricht dafür, dass die Fed künftig nicht nur seltener, sondern auch kurzfristigere Signale aussenden und stärker von Sitzung zu Sitzung entscheiden wird.
KI als Chance und Risiko
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede war die Künstliche Intelligenz. Warsh bezeichnete den technologischen Umbruch als möglichen Wendepunkt für die Wirtschaft. Die rasanten Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur könnten Produktivität und Wachstum nachhaltig erhöhen.
Kurzfristig sieht Warsh allerdings auch inflationäre Effekte. Der Boom treibt Investitionen an und erhöht die Nachfrage nach knappen Ressourcen wie Computerchips. Langfristig könnten Produktivitätsgewinne jedoch helfen, den Preisdruck zu senken. Damit griff Warsh die Frage auf, ob Künstliche Intelligenz ähnlich tiefgreifende wirtschaftliche Veränderungen auslösen kann wie einst die Elektrifizierung oder das Internet.
Neues Selbstverständnis
Die wichtigste Botschaft von Jackson Hole war keine neue Zinsprognose, sondern ein neues Selbstverständnis der Fed. Warsh will die Notenbank wegführen von einer Politik permanenter Signale und Prognosen. Für Investoren bedeutet das zunächst mehr Unsicherheit. Für Warsh ist genau das der Preis für bessere Entscheidungen.
Ob dieser Ansatz funktioniert, wird sich schon in den kommenden Monaten zeigen. Die Inflation bleibt hartnäckig hoch, gleichzeitig erweist sich die US-Wirtschaft als bemerkenswert robust. Damit wächst der Druck auf die Fed, die Zinsen zu erhöhen. Bei der letzten Sitzung der Währungshüter sprachen sich drei der zwölf zuständigen Fed-Mitglieder dafür aus. Die nächste Zinsentscheidung ist Mitte September.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Fed wird bei der September-Sitzung die Zinsen unverändert lassen, um weitere Inflationsdaten abzuwarten.
Likely · Within weeks
Die Fed wird künftig nach jeder Sitzung nur minimale Ausgaben zur Politik machen, statt klare Forward Guidance zu geben.
Very likely · Within months

Der DAX stieg heute um 0,8 Prozent auf 26.569 Punkte und erreichte ein neues Rekordhoch nach einer Rede des ehemaligen Fed-Gouverneurs Kevin Warsh, der eine mögliche Zinserhöhung signalisierte, während die Chemieindustrie aufgrund von Lieferausfällen in Asien eine Trendwende meldete.

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