Gefahr von Fels- und Gletscherstürzen in den europäischen Alpen
Nach verheerenden Naturkatastrophen wie im Himalaja oder in der Schweiz warnen Experten auch in den Alpen vor ähnlichen Ereignissen.
Quick Look
Nach verheerenden Fels- und Gletscherstürzen im Himalaja und in Blatten in der Schweiz analysieren Experten die Wahrscheinlichkeit solcher Naturkatastrophen in den europäischen Alpen.
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Why It Matters
Lösendes Eis und Felsmassen können in Gebirgen verheerende Sturzfluten und Bergstürze auslösen, wie Beispiele in der Schweiz und im Himalaja zeigen.
Löst sich ein Fels oder Gletscher vom Berghang, kann das für gewaltige Zerstörung sorgen. Ein Beispiel ist der Bergsturz von Blatten im Schweizer Kanton Wallis im Mai 2025. Damals stürzten große Mengen Fels und Eis vom Birch-Gletscher ins Tal und verschütteten 90 Prozent des Ortes.
Ein aktuelles Beispiel ist die Sturzflut im Himalaja. Die riesige Flut rollte aus 5000 Metern Höhe zwischen Nepal und China ins Tal hinab. Auf dem Weg forderte sie rund 900 Opfer. Mehr als 3000 Menschen werden vermisst.
Hinter derartigen Sturzfluten steckt ein Mechanismus: Löst sich ein Stück vom Fels oder Gletscher, stürzt dieser hinab ins Tal und kann darüber liegende Gletscher mit sich reißen. Wird so ein Fluss durch das Geröll und Gestein blockiert, bildet sich ein See. Das Wasser staut sich, die Gefahr einer Sturzflut aus Stein, Wasser und Erde wächst.
Doch wie wahrscheinlich ist ein solcher Vorfall in den europäischen Alpen? „Ähnliche Ereignisse können auch in den Alpen vorkommen“, sagt Jan Beutel gegenüber dem „Science Media Center“. Er ist Professor für Hochalpine Kryosphäre an der Universität Innsbruck.
Wissenschaftler untersuchen seit Jahren, wie sich die Gletscher in den Alpen verändern. „Die Kombination von großen Fels- und Gletscherabbrüchen ist auch aus den Alpen bekannt“, bestätigt auch Michael Bründl. Er forscht aktiv zu der Thematik am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in der Schweiz.
Die Höhenunterschiede in den Alpen seien allerdings deutlich geringer als in höheren Gebirgen wie dem Himalaja. Deshalb sei das Ausmaß der potenziellen Zerstörung deutlich kleiner.
Felsstürze gibt es seit jeher. Oft kündigen sie sich durch verdächtig geformte Felshänge oder Gletscherbewegung an. Experten beobachten solche Gebiete meist, um Stunden oder Tage vor einem möglichen Ereignis bereits Menschen zu evakuieren oder Gebiete zu sperren.
„In den Alpen treten große Kaskadenereignisse glücklicherweise bislang eher selten auf. Eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse ist äußerst schwierig bis nicht möglich“, fügt Bründl hinzu.
Doch wodurch werden solche Fels- und Gletscherstürze ausgelöst? Höhere Temperaturen lassen Permafrost und das Eis in Felsspalten schmelzen. Permafrost gilt als Kitt, der die Berge in ihrer Formation zusammenhält. Schmilzt der Permafrost, weil die Außentemperatur zu warm ist, droht, dass Teile der Felsen auseinanderbrechen.
„Die Temperatur in der Schweiz ist seit Messbeginn um rund 3,0 Grad Celsius über den vorindustriellen Durchschnitt angestiegen und erwärmt sich damit etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, was den Effekt in den Alpen beschleunigt“, sagt Bründl. Flüssiges Wasser spiele bei der Auslösung von Eis- und Felsstürzen meist eine bedeutende Rolle. Generell trügen mehrere Faktoren dazu bei.
Der Klimawandel sei nicht allein schuld. Zudem hat bislang noch niemand den Einfluss des Klimawandels auf solche Fels- und Gletscherstürze spezifisch erforscht. „Die Effekte des Klimawandels sind bei Extremereignissen mitbeteiligt und beschleunigend, zusammen mit tektonisch-geologischen Grundvoraussetzungen und Faktoren“, so Bründl.
Open Questions
- Wie genau lässt sich das Risiko in den Alpen quantifizieren?
- Welche konkreten Schutzmaßnahmen werden in den betroffenen Regionen verstärkt?


