Geopolitische Spannungen am Persischen Golf belasten deutsche Aktienmärkte
Quick Look
- Der DAX fiel zu Wochenstart um 1,17 Prozent auf 26.258 Punkte aufgrund neuer militärischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran am Persischen Golf.
- Gleichzeitig stiegen die Ölpreise deutlich an, während US-Notenbankchef Kevin Warsh eine bevorstehende Zinserhöhung signalisierte, was zinssensible Aktien wie Immobilien- und Technologiewerte unter Druck setzte.
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Why It Matters
Der DAX hatte zuletzt ein Rekordhoch erreicht, während der Ölpreis aufgrund des Iran-Kriegs volatil blieb. Die US-Notenbank signalisiert eine straffere Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung.
Der neue Schlagabtausch am Persischen Golf hat den deutschen Aktienmarkt zu Wochenstart unter Druck gesetzt. Der DAX fiel um 1,17 Prozent auf 26.258 Punkte zurück.
Am vergangenen Freitag hatte der deutsche Leitindex bei 26.618 Punkten noch ein Rekordhoch erreicht. Im August kommt der DAX nun auf ein Plus von 2,45 Prozent.
Das US-Militär hat erstmals seit Ende Juli wieder Ziele im Iran angegriffen. Die Revolutionsgarden reagierten mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte. Am Ölmarkt, der nun schon seit sechs Monaten vom wechselhaften Geschehen im Iran-Krieg abhängig ist, zogen die Notierungen wieder deutlich an. Nordseeöl der Sorte Brent kostete am späten Nachmittag 90,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Für die Verbraucher bedeutet das, dass weiterhin mit hohen Benzin- und Energiepreisen zu rechnen ist.
Anfang Juli war der Preis mit der Aussicht auf ein Ende des Krieges bis auf 70 Dollar gefallen. Im Mai hatte der Brent-Preis aber auch schon bei 120 Dollar gelegen.
Auch die New Yorker Börsen eröffneten angesichts der neuen Kampfhandlungen mit Iran schwächer. Während die Standardwerte des Dow Jones zunächst 0,7 Prozent einbüßten, verloren die Technologietitel des Nasdaq 100 rund 0,2 Prozent.
Die Aussagen von US-Notenbankchef Kevin Warsh am Freitag haben die Glaubwürdigkeit der neuen Führung der Fed bei der Inflationsbekämpfung erhöht, was die Aktienmärkte zunächst positiv interpretierten. Die Kehrseite der Medaille aber ist, dass die nächste Zinserhöhung unweigerlich bevorsteht. Warsh hatte am Freitag durchblicken lassen, dass für ihn die Bekämpfung der US-Inflation im Vordergrund steht. Die Inflationsrate liegt in den USA bei 3,4 Prozent.
Am Aktienmarkt sind steigende Zinsen unbeliebt, da Zinsanlagen dann im Vergleich zu Aktien attraktiver werden. Damit könnten zunehmend Gelder vom Aktien- in den Anleihemarkt fließen. Am Terminmarkt gehen die Marktteilnehmer mittlerweile mehrheitlich von einer Zinserhöhung der Fed im September aus.
"Gleich zu Wochenbeginn haben es Anleger mit genau den Themen zu tun, die sie seit Wochen umtreiben: den Sorgen vor steigender Inflation und ungelösten geopolitischen Fragen sowie der Angst, dass die amerikanische Notenbank bald die Zinsen anheben könnte", schrieb Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank. Mit dem beginnenden September als historisch schwächstem Börsenmonat des Jahres werde sich noch zeigen müssen, ob sich der DAX auch dann "gegen den typischen saisonalen Trend stemmen und einfach weiter steigen kann".
Die Verbraucherpreisdaten aus Deutschland belegten für den August einen Anstieg auf 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - wie bereits von den Experten der Landesbank Helaba prognostiziert. Da der Wert deutlich über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent liegt, gehen sie davon aus, dass die Währungshüter in ihrem Vorhaben bestärkt werden dürften, kommende Woche den Leitzins anzuheben. Am Markt sei dies allerdings schon "fast vollständig eingepreist".
Am deutschen Aktienmarkt standen zinssensible Werte aus der Immobilien- und Technologiebranche unter Druck. So büßten die Immobilienaktien Aroundtown, TAG Immobilien und Vonovia bis zu 3,6 Prozent ein. Für erstere senkte zudem die US-Investmentbank Goldman Sachs ihr Kursziel deutlich.
Noch größer waren die Gewinnmitnahmen beim KI-Profiteur Siemens Energy. Die Aktie fiel mit fünf Prozent Minus ans DAX-Ende.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Europäische Zentralbank wird kommende Woche den Leitzins anheben.
Very likely · Within days
Der DAX wird im September unter Druck bleiben, wenn die historische Saisonalität zutrifft.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie lange wird der Konflikt am Persischen Golf andauern?
- Wann genau wird die Fed die Zinsen anheben?
- Wie werden die europäischen Zentralbanken auf die US-Zinspolitik reagieren?







