Grüne Sachsen-Anhalt erzielen Wahlsieg mit 8,9 Prozent – AfD als zentraler Wahlkampffaktor
Quick Look
- Die Grünen in Sachsen-Anhalt haben bei der Landtagswahl ihren Stimmenanteil von 5,9 auf 8,9 Prozent gesteigert, nachdem die Bundespartei massiv in den Wahlkampf investiert und die AfD als zentralen Gegner positioniert hat.
- Die Linke fiel auf ein historisches Tief von 8,6 Prozent, während die SPD leicht auf 9,3 Prozent zulegte.
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Why It Matters
Die Grünen in Sachsen-Anhalt hatten vor der Wahl bei etwa drei Prozent in Umfragen gelegen und wollten nach einer Serie von Verlusten bei Parlamentswahlen seit 2023 ihren Stimmanteil verbessern.
Dass sich Kampf und Originalität lohnen können, davon waren die Grünen in Sachsen-Anhalt schon lange überzeugt. Ihre Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, Krankenschwester, dreifache Mutter, evangelisch, hatte schon beim Bundesparteitag im vorigen Herbst mit einer schwungvollen Rede für Aufmerksamkeit und Interesse gesorgt. Bereits damals melden sich die ersten freiwilligen Helfer, die den strukturschwachen Landesverband mit seinen kaum 1700 Mitgliedern bei seinem Wahlkampf unterstützten wollten. Damals standen die Grünen in Umfragen stabil bei etwa drei Prozent.
Das Ergebnis: Zum ersten Mal seit einer schier endlosen Serie von Verlusten bei Parlamentswahlen seit 2023 ist es den Grünen nun in Sachsen-Anhalt gelungen, ihren Stimmanteil deutlich zu verbessern, von 5,9 auf 8,9 Prozent. Zu verdanken war das dem engagierten Wahlkampf der Spitzenfrau Sziborra-Seidlitz, aber auch mehr als eintausend Helfern, vom Studenten bis zum Rentner, von Brandenburg bis Bayern, die kamen, um Flyer zu verteilen oder an den Wahlständen mitzudiskutieren. Selbst die Bundestagsfraktion beendete am vorigen Freitag ihre Klausurtagung vorzeitig mit der Parole: auf zum Letzte-Stunden-Wahlkampf nach Sachsen-Anhalt!
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Die Bundespartei zögerte zunächst – und ging dann „all in“
Die Bundespartei, anfangs etwas zögerlich, investierte nach eigenen Angaben mehr als je zuvor in einen Landtagswahlkampf. Der Bundesvorsitzende Felix Banaszak wurde quasi Spitzenpate und reiste wochenlang kreuz und quer durch das Land, während seine Ko-Vorsitzende Franziska Brantner sich auf das nördliche Mecklenburg-Vorpommern konzentrierte, aber auch zahlreiche Termine in Sachsen-Anhalt wahrnahm. Banaszak brachte Aufmerksamkeit mit seiner Taxiaktion, bei der er jeweils interessierte Bürger durch die Gegend chauffierte und sich dabei vor laufender Sozial-Media-Kamera mit ihnen über Sachthemen, aber auch über Stimmungen und Hoffnungen unterhielt, etwa mit der jungen Lehramtsstudentin Pauline. Zu den Erfolgen der Grünen zählt aus Berliner Sicht, dass man im Wahlkampf überhaupt wieder diskutieren konnte, ohne verbal oder gar tätlich angegriffen zu werden. Auch das kam vor – etwa als Banaszak in Wernigerode bedrängt wurde –, blieb aber so sehr die Ausnahme, dass auf Polizei- und Personenschutz weitgehend verzichtet werden konnte.
Wohl eher genützt haben den Grünen konfrontative Versuche rechtsextremer Medien wie Compact-TV, sie vorzuführen. Banaszak, schlagfertig und angriffslustig, konnte hier szenische Punktsiege davontragen. So wie es den Grünen überhaupt einigermaßen gelang, eine Art Duellsituation zwischen ihnen und der AfD herzustellen. Die Grünen, so die Behauptung, wären die Kraft, der AfD die absolute Mehrheit zu verwehren. In keiner Wählergruppe verfing das so wie bei bisherigen Nichtwählern und früheren CDU-Wählern. Auch wenn zwei Drittel der Wähler finden, die Grünen übertrieben es mit dem Umwelt- und Klimaschutz, fanden wiederum 86 Prozent ihrer Wähler, man müsse sie wählen, weil „Demokratie und Rechtsstaat in Gefahr sind“. Mehr als zwei Drittel gaben laut Infratest dimap an, sie würden die Partei vor allem wählen, „um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern“.
Linke stürzt ab, SPD macht einen kleinen Schritt nach vorn
Die Linke hatte ebenfalls mit intensivem Haustürwahlkampf versucht, ihr Ergebnis aus dem Jahr 2021 zu verbessern. Das gelang der Partei und ihrer Spitzenkandidatin Eva von Angeren nicht. Sie stürzte am Sonntag auf ein historisches Tief von 8,6 Prozent, vor zehn Jahren waren es noch 24,1 gewesen, und 2021 immerhin 11 Prozent. Mustafa Groener gewann in Magdeburg II zwar mit 29,4 Prozent eines von drei Linken-Direktmandaten, fiel aber bei den Zweitstimmen (12,6 Prozent) weit hinter die Grünen zurück. In Halle III gewann die Linke ebenfalls ein Direktmandat, Jannik-Loris Balint mit fast 40 Prozent, die Zweitstimmen gingen aber zu 33 Prozent an die Grünen, eine erhebliche Steigerung. Die Linke stagnierte in der Universitätsstadt bei 13,8 Prozent. Besonders viele Stimmen verlor die Linke an das BSW, nämlich insgesamt 15.000.
Die SPD wiederum, dritte linke Partei, konnte ihr mageres Altergebnis leicht um 0,9 Prozentpunkte auf 9,3 verbessern, aber weder ein Direktmandat erringen noch irgendwo besonders stark punkten. In seinem eigenen Wahlkreis Wernigerode errang Spitzenkandidat Armin Willigmann immerhin 20,5 Prozent, blieb aber ohne Direktmandat, das auch dort an die AfD ging. Nicht einmal in der Landeshauptstadt Magdeburg kam die SPD auf mehr als 14 Prozent. Seit den Hochzeiten Ende der Neunzigerjahre mit Ministerpräsident Reinhard Höppner hat die Partei fast drei Viertel ihrer Wähler verloren.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Grünen werden versuchen, ihren Erfolg in Sachsen-Anhalt bei zukünftigen Wahlen zu wiederholen und auszubauen.
Likely · Within months
Die Linke wird ihre Wahlkampfstrategie überprüfen müssen, nachdem sie auf ein historisches Tief von 8,6 Prozent gefallen ist.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie stabil ist der Zuwachs der Grünen bei zukünftigen Wahlen?
- Welche langfristigen Auswirkungen hat der AfD-Wettbewerb auf die Wählerstruktur in Sachsen-Anhalt?
- Kann die Linke ihr historisches Tief wieder überwinden?



