
Meteorologen erwarten Wetterumschwung, während extreme Trockenheit zu Wassernotstand und Waldbränden führt.
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Anhaltende Hitze und Trockenheit führen in Deutschland und Europa zu Waldbränden, sinkenden Pegelständen und Nutzungseinschränkungen beim Trinkwasser.
Meteorologen erwarten Wetterumschwung +++ Angler retten Fische aus fast vertrocknetem Kanal +++ Hitzetote: DIVI-Geschäftsführer hält RKI-Schätzung für zu niedrig +++ alle Entwicklungen im Liveblog
In unserem Liveblog informieren wir Sie über alle Entwicklungen rund um das Extremwetter in Deutschland und der Welt und die Folgen.
Wetterumschwung zum Wochenbeginn
Nach dem Wetterumschwung startet die neue Woche mit Wolken, Schauern und Gewittern. Am Montag werden insbesondere im Süden und Südosten kräftige Schauer und Gewitter erwartet, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt. Im Laufe des Tages ziehen diese allmählich in die Alpen oder nach Tschechien und Polen ab.
„Die Hitze ist dann auch dort Geschichte“, sagt DWD-Meteorologe Marcel Schmid. Im Norden und Osten seien ebenfalls Schauer möglich, im Westen, Südwesten und Teilen der Mitte sorge hingegen ein schwacher Hochdruckeinfluss für einen trockenen Sonne-Wolken-Mix. Die Höchstwerte erreichen demnach 20 bis 26 Grad.
Auch am Dienstag werde in der Südwesthälfte gebietsweise schauerartig verstärkter Regen erwartet, im Tagesverlauf seien vereinzelt Gewitter möglich. In der Nordosthälfte und vom Breisgau bis zum Hochrhein zeige sich zeitweise die Sonne und es bleibe meist trocken. Im äußersten Südwesten klettere das Thermometer auf bis zu 28 Grad, sonst liege die Höchsttemperatur zwischen 19 und 25 Grad.
Am Mittwoch werde bei ähnlichen Temperaturen vor allem quer über der Mitte und im Nordosten schauerartiger Regen erwartet. Bis Donnerstagabend werden insgesamt flächendeckend 10 bis 30 Liter je Quadratmeter Niederschlag erwartet, so Schmid. Im äußersten Süden seien 30 bis 50 Liter möglich, lokal sogar über 80 Liter je Quadratmeter.
Angler retten Fische aus fast ausgetrocknetem Kanal
Mit Keschern im Schlamm: Mitglieder des Angelsportvereins Freiburg versuchen, die letzten überlebenden Fische aus dem fast ausgetrockneten Gewerbekanal zu retten. Nur noch fünf bis sechs Zentimeter Wasser stehen stellenweise in dem Kanal, der normalerweise durchgängig Wasser führt. „Alles ist tot an den Stellen, die ausgetrocknet sind“, sagte der erste Vorsitzende des Vereins, Franz Bühler. Tausende Fische in und um Freiburg seien bereits gestorben.
Die verbliebenen Fische werden mit Keschern gefangen und in den Dietenbach umgesetzt, der noch einigermaßen Wasser führt. Dort habe der Verein schon zuvor Fische aus dem Gewerbekanal eingesetzt. Keine einfache Aufgabe: „Die Fische sind noch sehr wendig und schnell – mit dem Kescher ist es gar nicht so einfach, sie zu kriegen“, sagte Bühler. Einen Teil werde man retten, ein Teil werde zurückbleiben.
Dass ausgerechnet die aktuelle Stelle im Kanal noch Fische beherbergt, hat einen Grund: Sie liegt im Schatten und kühlt nachts etwas ab. Das habe den Tieren bislang das Überleben ermöglicht. Der Teil des Kanals, auf den die Sonne scheint, ist völlig ausgetrocknet. Ist der Kanal wieder geflutet, kämen erfahrungsgemäß neue Fische hinein.
„Die Lage ist wirklich dramatisch“, sagte Bühler. Der Verein hoffe nun auf Regen und sinkende Temperaturen in der kommenden Woche, dann hätten auch die verbliebenen Fische im Kanal womöglich noch eine Chance.
DWD: Heute kein Regen für Monschau und Hürtgenwald
Brandbekämpfer in den nordrhein-westfälischen Stadt Monschau und Hürtgenwald können heute laut Deutschem Wetterdienst nicht mit Regen als Unterstützung rechnen. Es werde keinen Niederschlag geben, der Wind dort aber schwach bis mäßig, also recht günstig, ausfallen, sagte eine Meteorologin des Wetterdienstes.
Die Feuerfront im belgischen Hohen Venn nähert sich der deutschen Grenze, die Stadt Monschau hat rund 5000 Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich vorsorglich gebeten, sich auf eine Evakuierung einzustellen. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt.
Im rund 20 Kilometer entfernten Hürtgenwald in der Eifel entspannt sich die Lage zwar, der Einsatz gegen das Feuer dauert aber an, auch hier würde Niederschlag helfen. Laut Deutschem Wetterdienst könnte es in der Nacht zu Montag oder am Vormittag in der Eifel leichten Regen geben, die Modelle seien hier aber noch nicht eindeutig.
Weitere Vorsichtsmaßnahmen in Monschau
Die von einem Waldbrand bedrohte nordrhein-westfälische Stadt Monschau empfiehlt Bürgerinnen und Bürgern einiger Ortsteile, ihre Häuser und Wohnungen wegen möglicherweise gesundheitsgefährdender Rauchbelastung vorübergehend zu verlassen. Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, teilte die Stadt am frühen Morgen auf ihrer Webseite mit. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen.
Zuvor hatte die Stadt in der Nacht auf diesen Sonntag weitere Ortsteile dazu aufgerufen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt. Eine Stadtsprecherin sagte der dpa, es seien Vorsichtsmaßnahmen. Man gehe derzeit von keiner Evakuierung aus.
Die Feuerwehr beobachtet den Waldbrand in Belgien intensiv, geht aktuell aber nicht von einem baldigen Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet aus. „Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick“, sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau, der dpa. Einheiten würden jetzt erst einmal in die Pause geschickt. „Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen.“
Die Einsatzkräfte hätten zuvor Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze gewässert, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Das Technische Hilfswerk habe die Feuerwehr unterstützt.
Rhein-Pegelstand bei Kaub steigt leicht auf elf Zentimeter
Die Niedrigwasser-Lage im Rhein hat sich am Samstag nicht weiter verschärft. Der Pegelstand an der viel beachteten Messstelle im rheinland-pfälzischen Kaub stieg bis zum späten Vormittag leicht auf elf Zentimeter – nach sechs Zentimetern am Vortag, wie aus dem Monitoring der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins hervorging. Weil die meisten Schiffe diese flache Stelle nicht mehr passieren können, ist der Rhein faktisch zweigeteilt.
Ein weiteres Sinken der Pegel hätte die Lage noch verschärft. Zu Wochenbeginn waren für den Wochenverlauf erstmals einstellige Pegelstände prognostiziert worden. Der Binnenschifffahrtsverband teilte daraufhin mit, dass die wichtigste Wasserstraße Deutschlands dann nicht mehr durchgängig befahrbar sei.
Neuer Waldbrand im Südwesten Frankreichs
Nur wenige Wochen nach verheerenden Waldbränden hat sich im Südwesten Frankreichs ein neues Feuer bei Luglon im Département Landes ausgebreitet. Der Brand war am Donnerstag ausgebrochen und hat laut dortiger Präfektur inzwischen rund 1.600 Hektar Wald und Buschland erfasst. Etwa 650 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.
Die rund 100 Kilometer südöstlich von Arcachon gelegene Gemeinde liegt mitten in einem weitläufigen See-Kiefer-Waldgebiet. Nach Angaben der Behörden wurde bislang kein Wohnhaus von den Flammen erfasst.
Laut Angaben der Behörden sind rund 550 Feuerwehrleute im Einsatz. Unterstützt werden sie aus der Luft unter anderem von Canadair-Löschflugzeugen. Auch ein aus Australien ausgeliehener Schwerlasthubschrauber vom Typ Chinook CH-47D sei laut dem Fernsehsender BFMTV im Einsatz. Er kann bis zu 11.300 Liter Wasser aufnehmen und damit fast doppelt so viel wie ein Canadair-Löschflugzeug.
Der neue Brand trifft eine Region, die von den schweren Feuern des Sommers noch gezeichnet ist. Ende Juli waren bei Biscarrosse im Département Landes rund 3.700 Hektar und bei Saumos im benachbarten Département Gironde etwa 42.000 Hektar verbrannt.
Fast 850 Hektar in Belgien nahe deutscher Grenze zerstört
Durch einen Waldbrand in Naturschutzgebiet Hohes Venn im Osten Belgiens nahe der deutschen Grenze sind Behördenangaben zufolge bislang fast 850 Hektar Fläche zerstört worden. Die Löscharbeiten dauerten an, teilte der Gouverneur der Provinz Lüttich, Hervé Jamar, am Samstag auf Facebook mit. Das Feuer war am Freitagmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen und hatte sich in der Nacht rasch ausgebreitet.
Verstärkung aus ganz Belgien sowie aus Deutschland wurde mobilisiert. Der belgische Verteidigungsminister Theo Francken erklärte, drei Löschfahrzeuge seien auf dem Weg, um Unterstützung zu leisten. Die Behörden riefen zunächst nicht zu Evakuierungen auf.
Wie ein großer Teil Europas hatte auch Belgien in den vergangenen Tagen unter einer neuen Hitzewelle zu leiden. Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden.
Samstag noch einmal extreme Hitze vor dem Wetterumschwung
Deutschland steht am Samstag in weiten Teilen noch einmal ein sehr heißer Tag bevor, dann naht ein Wetterumschwung. Abgesehen vom kühleren Nordwesten erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) vielerorts Höchstwerte von 30 bis 38 Grad. Im Nordwesten bleibt es deutlich weniger heiß mit 22 bis 29 Grad. Nach heiterem Start ziehen vom Südwesten über den Westen bis in den Norden und Nordosten im Tagesverlauf Wolken auf, örtlich sind teils kräftige Schauer und Gewitter möglich. Dabei kann es lokal Sturmböen bis etwa 90 km/h geben, vereinzelt auch Starkregen und Hagel.
Im Südosten und Osten bleibt es dagegen lange sonnig und meist trocken, erst am Nachmittag wird es dort wolkiger. Der Wind dreht schwach bis mäßig auf Nord, im Süden bleibt es teils schwach windig.
Angesichts der anhaltenden Trockenheit bleibt die Waldbrandgefahr in vielen Regionen hoch – abseits des Nordwestens ist am Samstag verbreitet mit hoher bis sehr hoher Gefahr zu rechnen.
In der Nacht zum Sonntag kann es in einem Streifen vom Westen und Südwesten bis in den Osten gebietsweise schauerartigen Regen und einzelne Gewitter geben. Am Sonntag setzt sich die Wetterumstellung fort: In der Südhälfte sind örtlich kräftige Schauer und Gewitter möglich, während es im Norden und in großen Teilen der Mitte größtenteils trocken bleibt – zugleich gehen die Temperaturen in der Nordhälfte auf 20 bis 27 Grad zurück, im Süden werden nochmals 28 bis 33 Grad erreicht.
Hitzetote: DIVI-Geschäftsführer hält RKI-Schätzung für zu niedrig
Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hält die RKI-Schätzung von rund 12.500 hitzebedingten Todesfällen in diesem Sommer für zu niedrig. „Es sind sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr“, sagte der Intensivmediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe. Er gehe deshalb davon aus, dass die Zahlen des Robert Koch-Instituts „nicht die gesamte Dramatik abbilden“. Besonders gefährdet seien alleinlebende ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
„Ich bin, auch als Bürger, extrem verstört über die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen“, sagte Janssens. Er fordert einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan und mehr Geld für den Hitzeschutz in Kliniken. Zudem brauche es mehr Nachbarschaftshilfe, psychosoziale Unterstützung und Netzwerke, um gefährdete Menschen bei Hitzewellen frühzeitig zu erreichen. In Frankreich etwa kontaktierten Kommunen registrierte vulnerable Personen aktiv. In Deutschland hingegen „sterben Menschen nicht nur an der Hitze, sondern letztlich auch an gesellschaftlicher Vernachlässigung“, so Janssens.
Das Robert Koch-Institut schätzt, dass die Hitze in Deutschland vom 6. April bis zum 2. August zu rund 12.500 Todesfällen geführt hat. Besonders viele Tote gab es demnach während der Hitzewelle vom 22. bis 28. Juni: Für diese Woche geht das RKI von rund 9.600 hitzebedingten Todesfällen aus. Dem RKI zufolge handelt es sich um eine konservative Schätzung, die nachträglich noch angepasst werden kann.
Fulda ruft Wassernotstand aus
Die Stadt Fulda und die Gemeinden Eichenzell und Ebersburg haben den Wasserversorgungsnotstand ausgerufen. Die Situation der Trinkwasserversorgung in der Region hat sich nach Angaben von RhönEnergie nämlich weiter verschärft. „Die Situation ist mehr als angespannt“, sagte Arnt Meyer, Geschäftsführer der RhönEnergie Gruppe, die für die Wasserversorgung in den drei Kommunen zuständig ist.
Damit gelten ab sofort verbindliche Einschränkungen. Bürger und Betriebe seien dringend aufgefordert, ihren Wasserverbrauch auf das absolut Notwendige zu beschränken, hieß es. Bei Verstößen könnten Bußgelder verhängt werden.
Komplett untersagt sind demnach etwa das Bewässern von Rasen, Blumen und Pflanzen im heimischen Garten oder das Befüllen von Pools und Zisternen. Gleiches gilt für das Waschen von Autos, das Kühlen mit Leitungswasser und Reinigungsarbeiten an Haus und Hof, beispielsweise mit dem Gartenschlauch oder dem Hochdruckreiniger.
Weitere Steigerung der Fördermengen ist nicht möglich
„Die lang anhaltende Trockenheit mit außergewöhnlich geringen Niederschlägen hat dazu geführt, dass die natürlichen Quellen deutlich weniger Wasser abgeben“, so Geschäftsführer Meyer. Zudem sänken die Wasserstände in den Tiefbrunnen deutlich. Die Förderanlagen liefen inzwischen rund um die Uhr, aber „eine weitere Steigerung der Fördermengen ist nicht möglich“.
Zugleich ist der Wasserverbrauch nach Beobachtung der RhönEnergie stark angestiegen - auf aktuell rund 40 Prozent über dem Normalniveau. „Damit die Wasserversorgung auch weiterhin aufrechterhalten werden kann, ist es jetzt zwingend erforderlich, den Verbrauch deutlich zu reduzieren“, erklärte Meyer. Trinkwasser dürfe nicht für Zwecke verwendet werden, die nicht unbedingt notwendig sind.
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Temperaturrückgang und Niederschläge in den kommenden Tagen
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Nach einer 29-tägigen Zwangspause aufgrund von Niedrigwasser fahren wieder viele Rheinfähren. Trotz gestiegener Pegelstände sind jedoch viele Passagiere wegen des wechselhaften Wetters abwesend, was zu erheblichen wirtschaftlichen Folgen für die Fährenbetreiber führt.

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