Initiative „Baumentscheid“ in München sammelt 50 000 Unterschriften
Mehr Tempo beim Pflanzen von Straßenbäumen gefordert: Münchner Initiative reicht Bürgerbegehren ein.
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Die Münchner Initiative „Baumentscheid“ hat 50 000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, um mehr Straßenbäume und besseren Hitzeschutz in der Stadt zu erreichen.
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Why It Matters
Die Münchner Initiative fordert nach Berliner Vorbild mehr Tempo beim Pflanzen von Straßenbäumen als Hitzeschutz.
Als „starkes Zeichen der Zivilgesellschaft an die Stadtpolitik“ wertet Stefanie Günther die 50 000 Unterschriften. Es gelte, „deutlich mehr Tempo beim Pflanzen von Straßenbäumen“ zu machen. Der gerade zu Ende gehende Hitzesommer mache deutlich, wie notwendig Schatten sei. So ließen sich die Temperaturen im Straßenraum um mehrere Grad senken und die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden der Hitze mildern.
Vier Monate lang hätten etwa 150 Ehrenamtliche und 50 Partnerorganisationen Unterschriften gesammelt, teilen Günther und Coenen mit. Die 50 000 Unterschriften wolle man in den kommenden Wochen selbst prüfen, ehe man sie als Bürgerbegehren bei der Stadt einreiche. Diese muss dann ihrerseits die Unterschriften prüfen. Ist alles in Ordnung und wird das Bürgerbegehren zugelassen, gibt es verschiedene Szenarien, wie es weitergehen könnte.
Es könnte einen Bürgerentscheid geben, bei dem die Münchner darüber abstimmen, ob sie die Stadt zum Pflanzen von mehr Bäumen verpflichten wollen. Möglich ist auch, dass der Stadtrat das Bürgerbegehren per Beschluss übernimmt, es hätte dann dieselbe Wirkung wie eine erfolgreiche Abstimmung. Alternativ, so die Initiatoren, könnte auch eine „Verhandlungslösung“ mit dem Stadtrat erarbeitet werden. Man sei mit allen demokratischen Fraktionen im Austausch.
„Wir sind für alle Wege offen“, sagt Stefanie Günther, und Joseph Coenen erklärt laut Mitteilung, dass für sie entscheidend sei, mit welcher Variante sich am meisten erreichen lasse: „Wir möchten in fünf Jahren zufrieden Bilanz ziehen können und sehen, dass sich richtig was in Sachen Stadtbegrünung in München bewegt hat.“
Die Münchner Initiative hat ein Berliner Vorbild
Günther und Coenen weisen darauf hin, dass sich die Forderung des Bürgerbegehrens weitgehend mit dem Ziel der Stadt decke: Diese hat sich vorgenommen, dass künftig 30 Prozent des Straßenraums von Baumkronen bedeckt sind und jeder Münchner beim Blick aus seinem Fenster mindestens drei Bäume sehen soll. Nach Vorstellung von Günther und Coenen soll ein flächendeckendes Netz aus Straßenbäumen entstehen. Zudem solle die Stadt besonders belastete „Hitzequartiere“ identifizieren und dort bis 2030 neue Baumstandorte planen. Dies solle abgestimmt werden mit ohnehin fälligen Straßen- oder Infrastrukturarbeiten, etwa für die Fernwärme, um eine Straße nicht mehrmals aufreißen zu müssen. So lasse sich auch Geld sparen.
Die Münchner Initiative versteht sich als unabhängiges, lokales Projekt des Berliner Vereins „Baumentscheid“. Dieser hat im vergangenen Jahr in der Bundeshauptstadt auch mittels Unterschriftensammlung erreicht, dass mehr Bäume gepflanzt werden. In Stuttgart stehe, analog zu München, eine Gruppe von Aktiven am Start. Weitere Städte sollen folgen.
In München ist der „Baumentscheid“ nicht das erste Bürgerbegehren zu Klima- und Umweltschutz, das auf große Resonanz stieß: Den Ausbau des Radwegenetzes und den Erhalt von Grünflächen unterstützten ebenfalls Zehntausende. Der Stadtrat hat daraufhin die jeweiligen Ziele übernommen. Allein, die Initiatoren sind bisher nicht zufrieden mit der Umsetzung durch die Stadt.
Diese hat sich, unabhängig vom „Baumentscheid“, zwei Pflanzprogramme vorgenommen. Stadtweit sollen 3500 zusätzliche Bäume gesetzt werden, dabei orientiert sich das zuständige Baureferat weitgehend an den Vorschlägen aus den 25 Bezirksausschüssen. Zu diesem Programm gehören auch viele neue Bäume in Parks und Grünanlagen. Dort ist das Pflanzen unkomplizierter und auch günstiger als am Straßenrand, dafür ist die kühlende Wirkung des einzelnen Baumes nicht so spürbar wie am Straßenrand.
Dort wiederum sind die Hürden höher. Es muss meist nicht nur der Asphalt aufgerissen werden, das Baureferat muss auch die sogenannten Sparten beachten. Das sind die Kabel, Leitungen und Rohre, die im Untergrund verlaufen. Sie verhindern an bestimmten Stellen einen neuen Baum ganz oder machen das Pflanzen aufwendig und teuer, wenn Sparten verlegt werden müssen.
Besonders relevant ist dieses Problem beim zweiten großen Pflanzprogramm, dem in der Altstadt. In der fast komplett versiegelten Fußgängerzone und in umliegenden Straßen will die Stadt etwa 150 zusätzliche Bäume setzen. Weil der Untergrund größtenteils voller Rohre und Leitungen ist, wird das ein teures Unterfangen: An manchen Standorten rechnet das Baureferat mit Kosten von bis zu 100 000 Euro. Zum Vergleich: An unkomplizierten Stellen kostet das Pflanzen inklusive Baum lediglich 5000 Euro.
Wird das Pflanzprogramm wie geplant realisiert, dürfte sich das Bild der Fußgängerzone in den kommenden Jahren stark verändern: Es wird deutlich grüner und schattiger. Wo die neuen Bäume dort mal wachsen sollen, ist jetzt schon zu sehen: Das Baureferat hat zahlreiche Großsträucher in großen Pflanzkübeln in der Fußgängerzone aufgestellt.
Die Stadt bemüht sich also bereits um mehr Bäume. Zugleich verliert München aber insgesamt Schatten, die „Baumbilanz“ ist seit Jahren negativ. Zwar pflanzt das Baureferat auf öffentlichen Flächen seit Jahren mehr Bäume als gefällt werden. Auf privaten Flächen aber ist es umgekehrt. Laut städtischer Baumstatistik, die der Bund Naturschutz auswertet, wurden von 2011 bis 2023 knapp 22 000 mehr Bäume gefällt als gepflanzt. Rein auf Privatflächen ergibt sich sogar ein Minus von gut 35 000.
Relevanter als diese Zahlen ist der Klimaeffekt, den die Bilanz nicht erfasst. Wird ein Baum gefällt und dafür ein neuer gepflanzt, ist zwar die Statistik ausgeglichen. Es vergehen aber Jahrzehnte, bis ein junger Baum dieselbe Wirkung hat wie ein großer, alter: bei der Produktion von Sauerstoff und beim Kühlen der Umgebung.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Einreichen und formelle Prüfung der 50 000 Unterschriften bei der Stadt München
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Open Questions
- Wie entscheidet der Stadtrat über das Bürgerbegehren?
- Kommt es zu einem Bürgerentscheid in München?



