Island: Gegner knapp vorne im Referendum über EU-Beitrittsverhandlungen
Quick Look
- Bei einem Referendum in Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen liegt das Lager der Gegner mit 50,1 Prozent knapp vorne, während 49,9 Prozent dafür stimmten.
- Die Auszählung basiert auf rund 152.000 von insgesamt 270.000 Wahlberechtigten.
- Ein endgültiges Ergebnis wird für Sonntagmittag erwartet.
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Why It Matters
Island hatte 2009 während einer Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, den eine euroskeptische Regierung 2013 auf Eis legte. Aktuelle geopolitische Unruhen haben die Debatte neu belebt.
Bei dem Referendum in Island über die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen liegt das Lager der Gegner knapp vorn. Demnach stimmten 50,1 Prozent gegen den Vorschlag der Regierung, die Verhandlungen wiederaufzunehmen, und 49,9 Prozent dafür, wie der Sender RUV meldete. Die Angaben basieren auf rund 152.000 ausgezählten Stimmen von insgesamt 270.000 Wahlberechtigten. Nach 87.000 ausgezählten Stimmen hatte das Ja-Lager noch ähnlich knapp vorn gelegen. Ein verlässliches Ergebnis wird laut Wahlleitung für Sonntagmittag erwartet.
»Dies ist ein großer Tag, wir haben jahrelang auf diese Abstimmung gewartet«, sagte Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir am Samstag. Ihre Regierung werde ihre Arbeit unabhängig vom Ausgang fortsetzen.
Ein »Ja« würde Gespräche mit Brüssel ermöglichen. Über einen tatsächlichen EU-Beitritt müsste Island zu einem späteren Zeitpunkt in einem zweiten Referendum entscheiden. Befürworter der Gespräche argumentieren, eine Mitgliedschaft könne die hohen Zinsen im Land senken und angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mehr Sicherheit bieten. Gegner befürchten hingegen einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über für das Land wichtige Fischereigewässer.
Das Land kämpft mit hartnäckig hoher Inflation und Zinsen, die Hypotheken teuer machen. Der Leitzins der isländischen Zentralbank liegt bei 8,00 Prozent, während der der Europäischen Zentralbank (EZB) 2,25 Prozent beträgt. Oppositionsführerin Guðrún Hafsteinsdóttir, die die »Nein«-Kampagne anführte, argumentierte jedoch: »Das sind keine Probleme, die Brüssel für uns lösen wird, sondern Aufgaben, die isländische Politiker lösen müssen.«
Island hatte bereits 2009 inmitten einer schweren Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, eine euroskeptische Regierung legte den Prozess jedoch 2013 auf Eis. Die jüngsten geopolitischen Unruhen haben die seit Jahrzehnten geführte Debatte neu belebt. Sollte das Referendum zugunsten von Verhandlungen ausfallen, könnten die Gespräche laut Außenministerium bis Ende 2026 beginnen und 18 bis 24 Monate dauern.
Islands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir will ihr Land in die EU führen. Doch ihre Kampagne wirkte seltsam vorsichtig. Warum, lesen Sie hier .
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Gespräche über den EU-Beitritt könnten laut Außenministerium bis Ende 2026 beginnen und 18 bis 24 Monate dauern, falls das Ja-Lager gewinnt.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie wird die isländische Regierung weiter verfahren, falls das Nein-Lager gewinnt?
- Welche konkreten Schritte plant die Regierung unabhängig vom Referendumsergebnis?
- Wie wird die EU auf ein mögliches Nein reagieren?





