Hinter verschlossenen Türen sprach US-Vizepräsident J.D. Vance auf dem RJC-Gipfel über das sinkende Ansehen Israels bei jungen US-Bürgern und warb um Vertrauen.
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J.D. Vance sprach beim Leadership Summit der Republican Jewish Coalition in Las Vegas über das Verhältnis zu Israel und Antisemitismus.
Es war ein Auftritt hinter verschlossenen Türen, der in der amerikanischen Politik aber trotzdem seinen Nachhall fand. Auf dem Leadership Summit der Republican Jewish Coalition (RJC), dem einflussreichsten jüdisch-republikanischen Netzwerk, redete US-Vizepräsident J.D. Vance nicht um den heißen Brei herum, sondern sprach gleich das Thema an, das er selbst den „Elefanten im Raum“ nannte: das rapide sinkende Ansehen Israels bei jungen Amerikanern. Das berichtet ein Teilnehmer, der anonym bleiben will. Der WELT-Partnerpublikation „Politico“ liegt zudem ein Mitschnitt seiner Rede vor.
Auch der wachsende Antisemitismus war Thema. „Bei den unter 40-Jährigen – so würde ich sie nennen – wächst das Misstrauen gegenüber der Beziehung zwischen den USA und Israel“, sagte Vance. „Meine Auffassung ist: Wir müssen deutlich machen, warum diese Beziehung im ureigenen Interesse der Vereinigten Staaten liegt – und wir müssen rausgehen und darüber reden, in welcher Hinsicht sie das tut.“ Die Republikaner, so Vance weiter, müssten „über die konkrete Interessenlage sprechen.“
Vances Auftritt beim jährlichen RJC-Treffen – ausgerichtet im Venetian Resort in Las Vegas, jenem Hotelkomplex, den einst der verstorbene republikanische Megaspender Sheldon Adelson entwickeln ließ – kam für viele im pro-israelischen Lager überraschend. Denn in der Vergangenheit hatte es Differenzen gegeben. Als derzeitiger Favorit auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2028 dürfte er den Rückhalt dieser Gemeinschaft benötigen, wenn er Trump beerben will.
Die Skepsis in Teilen der Gemeinschaft hatte sich in den vergangenen Monaten an zwei Punkten entzündet: an der konzilianten Linie des Vizepräsidenten im Iran-Krieg und an seiner Kritik an der Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Andere Vorbehalte reichen weiter zurück – etwa an seine langjährige Nähe zum israelkritischen Politkommentator Tucker Carlson und an die Art, wie Vance in der Vergangenheit auf antisemitische Vorfälle oder Äußerungen reagiert hat.
Einige pro-israelische Megaspender, etwa der Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin, haben bereits durchblicken lassen, dass sie 2028 lieber Außenminister Marco Rubio unterstützen würden als Vance. Allerdings haben weder Vance noch Rubio bisher offiziell erklärt, ob sie kandidieren werden. Rubio hat bisher lediglich mitgeteilt, im Fall einer Vance-Bewerbung nicht anzutreten.
Im weiträumigen Kongresssaal jedoch, in dem Vance sprach, wurde die Rede von Applaus getragen – und auch draußen fiel das Echo freundlich aus. „Er hat einen Volltreffer gelandet“, sagte der republikanische Senator Jim Banks nach dem Auftritt zu Reportern; mehrfach habe es „stehende Ovationen“ gegeben.
Die jüdische Gemeinschaft, sagte RJC-Geschäftsführer Matt Brooks, besitze „einen ausgezeichneten ‚Bullshit-Detektor’. Sie merkt sofort, wenn ihr nach dem Mund geredet wird. Und ich glaube nicht, dass jemand aus diesem Treffen mit dem Gefühl herausgeht, dass ihm nach dem Mund geredet wurde. Ich glaube, sie gehen mit dem Eindruck heraus, dass der Vizepräsident es wirklich versteht – und uns versteht.“
Im vergangenen Jahr hatte sich der Leadership Summit der RJC dem Kampf gegen Antisemitismus in den eigenen, republikanischen Reihen verschrieben; Führungsfiguren griffen damals Carlson und andere direkt an. Vance ist ein alter Verbündeter Carlsons – und als er auf Podcaster wie ihn angesprochen wurde, folgte eine gewundene Antwort.
„Ich weiß, dass viele hier im Saal manches nicht teilen, was Tucker Carlson, Megyn Kelly oder Joe Rogan gesagt haben“, sagte Vance. „Ich halte es für einen Fehler, zu sagen, wir schreiben Joe Rogan ab, weil er etwas gesagt hat, das uns nicht gefällt“, so Vance weiter. „Der bessere Weg ist, tatsächlich hinzugehen, mit ihm zu reden und so gut zu argumentieren, wie man kann.“
Judenhass „zersetzt die Seele“, sagt Vance
Antisemitische Verschwörungserzählungen wie die Ritualmordlegende verurteilte Vance hingegen unmissverständlich: Sie sei das genaue Gegenteil des christlichen Evangeliums. Judenhass, sagte er, „zersetzt die Seele“. Und im Einklang mit anderen Rednern erklärte Vance den früheren republikanischen Kongressabgeordneten Mike Rogers zum wichtigsten Senatskandidaten im Wahlzyklus 2026. Die Anwesenden rief er auf, ihn im Duell gegen den demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed zu unterstützen. Präsident Donald Trump hatte El-Sayed zuvor bereits als „kommunistischen Versager“ bezeichnet, der Juden und Israel hasse.
Vor der Veranstaltung in Las Vegas hatte Vance in Michigan gemeinsam mit Rogers eine MAGA-Wahlkampfveranstaltung bestritten. Dass Vance an einem Tag von Michigan nach Nevada geflogen sei, zeige, wie ernst es ihm mit dem Werben um die jüdische Spender sei, meinte Robert Schostak, Vorstandsmitglied der RJC.
„Ich finde es großartig, dass er hier ist. Das ist nicht selbstverständlich“, erklärte Schostak. „Ihm liegen der Kampf gegen den Antisemitismus und die Unterstützung für Israel am Herzen. Wäre ihm das nebensächlich, wäre er nicht hier.“
Ari Fleischer, RJC-Vorstandsmitglied und einst Pressesprecher des Weißen Hauses, sah es ähnlich. „Heute war kein Vorwahltag“, sagte er. „Aber für J.D. Vance war es ein Tag des Fortschritts bei der jüdischen Gemeinschaft.“

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