
Trotz wirtschaftlicher Übermacht der USA zeigt sich Kanada im Handelskonflikt unnachgiebig und setzt auf Gegenzölle.
Trotz wirtschaftlicher Übermacht der USA und beträchtlicher Schäden bricht der kanadische Premier Mark Carney die Handelsverhandlungen ab, kontert mit Gegenzöllen und profitiert innenpolitisch sowie von Zusatzeinnahmen durch den Iran-Krieg.
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Trump hat im Frühjahr 2025 Zölle auf Stahlprodukte verkündet und neue Handelsabkommen gefordert.
Anders als die Regierungschefs vieler anderer von Trump mit Zöllen überzogenen Länder macht der kanadische Premier Mark Carney keine Anstalten nachzugeben. Trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den USA ist Kanada in der stärkeren Position.
Den ökonomischen Daten zufolge erscheint Kanada chancenlos in einem wirtschaftlichen Kräftemessen mit seinem südlichen Nachbarn und wichtigsten Handelspartner. Das kanadische Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt nicht einmal ein Zehntel der US-Wirtschaftsleistung. Die kanadische Exportwirtschaft ist vollkommen von den USA abhängig: Mehr als zwei Drittel aller Ausfuhren Kanadas gehen zum südlichen Nachbarn. Umgekehrt hat the Handel mit Kanada gerade einmal einen Anteil von 17 Prozent an den US-Exporten. Dennoch bietet ausgerechnet der kanadische Premierminister Mark Carney als einer der wenigen Regierungschefs US-Präsident Donald Trump die Stirn.
Am vergangenen Wochenende ließ Carney die Verhandlungen mit den USA über ein neues Handelsabkommen in letzter Minute platzen, obwohl Trump bereits eine Einigung verkündet hatte. Die US-Delegation habe zu viel verlangt und zu wenig geboten, stellte Carney fest. Die daraufhin von Trump in Kraft gesetzten und zusätzlich angedrohten Strafzölle erwiderte die kanadische Regierung "Dollar für Dollar" mit Gegenzöllen. Kanada sei vom Nachbarland "angegriffen" worden, so Carney und schloss ein Nachgeben kategorisch aus.
Das Selbstvertrauen, mit dem Carney in diesen Zollkrieg gegen einen übermächtigen Gegner zu ziehen, ist mit einer anderen Zahl zu erklären: 60 Prozent. Das ist laut Umfragen, die aktuelle Zustimmungsrate des kanadischen Premiers in der eigenen Bevölkerung. Gegenüber der Vorwoche ist sie noch einmal um drei Prozentpunkte gestiegen. Die Umfragen zeigen auch eine überwältigende Zustimmung zu Carneys unnachgiebigem Kurs gegenüber Trump. Dessen Zustimmungswerte fallen dagegen immer weiter. Trumps Zollangriff auf das Nachbarland Kanada ist ebenso unpopulär wie seine anderen Handels- und militärischen Kriege, einschließlich des Angriffes auf den Iran. Gerade einmal ein Drittel der Amerikaner ist noch mit Trumps Amtsführung einverstanden.
Dieser Gegensatz ist bemerkenswert, da der Schaden durch den Handelsstreit für die kanadische Wirtschaft schon jetzt beträchtlich ist. Die Zölle auf Stahlprodukte, die Trump im Frühjahr 2025 verkündet hat, haben Schätzungen zufolge bereits mehrere Zehntausende Jobs in Kanada innerhalb eines Jahres vernichtet. Neue Zölle könnten, wenn sie bestehenbleiben, Hunderttausende weitere Arbeitsplätze kosten. Im Vergleich dazu sind die wirtschaftlichen Schäden der kanadischen Gegenzölle für die USA gering. Aber sie wirken sehr gezielt unter anderem in den Bundesstaaten Ohio und Michigan, deren Wirtschaft stark mit Kanada verflochten ist, und in denen in diesem Herbst neue Senatoren gewählt werden.
Härte nutzt Carney im Wahlkampf, Trump schadet sie
Zudem ist die steigende Inflation in den ganzen USA eines der beherrschenden Wahlkampfthemen. Zu den Preissteigerungen tragen auch Trumps eigene Zölle gegen Kanada bei, zum Beispiel die gegen kanadisches Aluminium, die zahlreiche Produkte in den USA von Autos über Maschinen bis zu Getränkedosen teurer machen. Zuletzt sorgten Preissprünge bei Toilettenpapier in den USA für Schlagzeilen. Der Hauptrohstoff darin ist Holz, dass zu einem erheblichen Teil aus Kanada stammt und durch Trumps Zölle stark verteuert wird. Mit all diesen Folgen könnte der eskalierende Handelsstreit mit Kanada dazu beitragen, dass die Republikaner bei der Wahl im November ihre knappe Mehrheit im US-Senat verlieren.
Auch in Kanada stehen wichtige Wahlen an. Für Carney dürfte sich dabei, ganz anders als für Trump, seine Unnachgiebigkeit im Handelsstreit auszahlen, insbesondere in der Provinz Quebec. Neben den für alle Kanadier empörenden Attacken auf die Souveränität des ganzen Landes hatten die USA als Bedingung für ein neues Handelsabkommen gefordert, Regelungen zum Schutz der französischen Sprache in Quebec abzuschaffen. Carney betonte umgehend, dass dies eine rote Linie für seine Regierung sei.
Sowohl Carneys eigenes Agieren als auch das Trumps spielen so dem Kanadier in die Karten und untergraben die Position des US-Präsidenten. Das gilt auch für den Iran-Krieg, den Trump im Februar vom Zaun brach und aus dem er bis heute keinen Ausweg findet. In den USA und der ganzen Welt sorgte die Sperrung der Straße von Hormus infolge des Kriegs für Unmut wegen steigender Spritpreise. Ein erheblicher Teil des Geldes, dass die US-Bürger an den Tankstellen seitdem zusätzlich ausgeben müssen, floss in die kanadische Wirtschaft, die zu den großen Energielieferanten der USA gehört. Die Öl- und Gasbranche konnte bisher umgerechnet rund 60 Milliarden Euro Zusatzeinnahmen infolge des Iran-Kriegs verbuchen und leistet damit einen entscheidenden Beitrag, dass Kanadas Wirtschaft trotz der Zollbelastung kräftig wächst, und Carney wegen des Handelsstreits keine Rezession befürchten muss.
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Republikaner könnten bei der Wahl im November Mehrheit im Senat verlieren.
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