Kia EV2 im Test: Vielseitiger Kleinwagen mit E-Antrieb
Mit dem Kia EV2 baut der koreanische Konzern einen Kleinwagen, der im Test mit seinen soliden Materialien auffällt.
Quick Look
- Der neue Elektrokleinwagen Kia EV2 überzeugt im Test durch ein gutes Raumangebot, angenehme Geruchsneutralität im Innenraum und solide Fahrleistungen.
- Die Preise starten bei 26.600 Euro.
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Why It Matters
Kia bringt mit dem EV2 ein neues Elektrofahrzeug im Kleinwagenformat auf den Markt.
Mit dem Kia EV2 baut der koreanische Konzern nun einen Kleinwagen, der im Test mit seinen soliden Materialien auffällt. Auch sonst macht das Modell einiges besser als die Konkurrenz.
Geht doch: Die Optik des Kia EV2 ist leicht verdaulich und freundlich. Foto: Kia
Köln. Nicht gerade wenige Autos sind olfaktorische Ärgernisse. Da wären natürlich die bei Verbrennern vom Motor erzeugten Abgase. Weiteres Naserümpfen können ausdünstende Chemikalien im Innenraum provozieren. Fast jeder kennt wohl das Phänomen der im Sommer auf Backofentemperaturen schmorenden Interieurs, die ihre Gäste beim Einsteigen mit einer Geruchswolke empfangen, die verdächtig ungesund riecht.
Im Glutsommer 2026 waren wir mit Kias neuem Elektrokleinwagen EV2 unterwegs, der uns weder mit dem einen noch dem anderen Problem belästigte. Stattdessen empfahl er sich als günstiger und verblüffend vielseitiger Kleinwagen, der auf mehr Nutzerprofile passt, als viele vermuten dürften.
Kleinwagen mit E-Antrieb? Das war über Jahre eine seltene und nischige Spezies, die vor allem überzeugte Klimaschützer überzeugen konnte. Der Kia EV2 ist da weiter und sowieso längst keine Ausnahme mehr. Es handelt sich um einen echten Kleinwagen im besten Sinne, der bei nur 4,06 Metern Länge eine gewisse Präsenz mit der aktuellen markentypischen Designsprache von Kia verbindet.
Seine leicht SUVigen Proportionen stimmen, sein Auftreten wirkt verbindlich und zugleich freundlich. Die Parkplatzsuche ist in der Regel ein kurzweiliges Unterfangen, während sich der Koreaner innen modern, ergonomisch und geräumig präsentiert.
Eine eher unerwartete Qualität des EV2 zeigte sich an einigen besonders heißen Tagen des vergangenen Hitzesommers. Obwohl er häufiger längere Zeit in praller Sonne warten musste, blieben wir beim Einsteigen von den der Neuwagen typischen Kunststoff- und Klebstoffgerüchen verschont. Ob dies unmittelbar mit der Materialwahl zusammenhängt, können wir nicht belegen. Zumindest passt unser Eindruck aber zu Kias Strategie, verstärkt auf biobasierte Kunststoffe, Bio-PU, recyceltes PET und BTX-freie Lacke zu setzen.
Viel Platz und Panorama im Innenraum
Auch der E-Antrieb zahlt auf das Innenraumklima ein, denn er erlaubt ein raumökonomisch cleveres Packaging. Akku im Fahrzeugboden und kleiner Motor unter der Fronthaube schaffen Platz, der den EV2 innen erwachsener erscheinen lässt, als man angesichts seiner Größe vermuten würde. Vorne wie hinten sitzt man ohne Beklemmung.
Der Kofferraum fasst über 360 Liter und lässt sich klassisch auf rund 1.160 Liter erweitern. Das gilt für den Fünfsitzer. Beim Viersitzer sind es jeweils sogar rund 40 Liter mehr. Hinzu kommt unter der Motorhaube ein kleiner Frunk, der sich prima als Ladekabel-Schneckenhaus eignet.
Der Kofferraum ist für viele Alltagsaufgaben bereits ausreichend groß dimensioniert Foto: Kia
Beim Cockpit hat Kia seinen auch in größeren Modellen üblichen dreiteiligen Panorama-Screen auf das Armaturenbrett gesetzt. An diesen 2021 eingeführten Infotainment-Standard haben wir uns mittlerweile sehr gewöhnt und erfreuen uns immer wieder an dem System, das problemlos die Inhalte unseres Android-Smartphones auf den Touchscreen zaubert.
Ergänzt wird die digitale Menüwelt durch eine Leiste mit Direktwahltasten, darunter sitzen Bedienelemente für Klima und Lautstärke. Den aufgeräumten Arbeitsplatz ergänzt eine praktisch aufgeteilte Mittelkonsole mit Platz für Smartphone, Getränke und allerlei Kleinkram.
Neben einem modern eingerichteten Arbeitsplatz empfängt der EV2 seine Gäste mit erfreulicher Geruchsneutralität Foto: Kia
Die großzügig eingesetzten Plastikoberflächen machen einen robusten, allerdings nicht durchgehend wertigen Eindruck. Unser EV2 mit Earth-Ausstattung sorgt mit grauen Textilien auf Armaturenbrett und Türen für etwas mehr Behaglichkeit. Passend zum sympathischen Auftritt des Koreaners versteckt sich im Türentriegelungsgriff ein neonfarbener Einleger mit dem dezenten Schriftzug „Have a nice day“.
Sparsam auch auf der Langstrecke
Neben einer Version mit großem 61-kWh-Akku gibt es den EV2 in der von uns getesteten Rightsizing-Version mit 42 kWh und 317 Kilometern WLTP-Reichweite. Obwohl sich der Aktionsradius auf der Autobahn deutlich verkleinert, haben wir den EV2 auch im Langstreckeneinsatz getestet. Im Eco-Modus bei sommerlicher Witterung, Tempomat 120 und deaktivierter Klimaanlage lassen sich durchaus 250 Kilometer am Stück abspulen.
Das kompakte Format des EV2 hilft bei der Parkplatzsuche. Dennoch hat der kleine Stromer innen viel Platz Foto: Kia EV2
Angesichts der knappen Reserven steuerten wir meist nach 210 bis 220 Kilometern die Ladesäule an. Bei flotterer Fahrweise steigt der Verbrauch auf 17 bis 18 kWh je 100 Kilometer, im Stadtverkehr sind problemlos Werte unter 10 kWh möglich. Nach rund 1.800 Kilometern wies der Bordcomputer einen Durchschnitt von 15,8 kWh aus. Damit verursacht der Koreaner je nach Stromtarif Energiekosten von etwa 5 bis 7 Euro per 100 Kilometer.
Ein Ladestopp von 23 Minuten reichte für 26 kWh, mit denen wir bei einer Fahrt von Bremen nach Köln das Ziel nach insgesamt 330 Kilometern entspannt erreichten. Zwar legte der EV2 am Schnelllader mit üppigen 113 kW zunächst erstaunlich flott los. Die Ladekurve fällt allerdings kontinuierlich ab, weshalb am Ende eine durchschnittliche Ladeleistung von 69 kW zu Buche stand.
Für den urbanen und suburbanen Einsatz ist die kleine Batterie bereits komfortabel dimensioniert. Wer häufiger längere Autobahntouren fährt, sollte eher zum großen Akku greifen, der 453 Kilometer WLTP-Reichweite verspricht.
Unterhaltsamer Flitzer
Was indes verblüffen könnte: Die Version mit 61 kWh hat mit 100 kW/136 PS den schwächeren Antrieb und benötigt deshalb 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Beim 42er sind es spritzigere 108 kW/147 PS und 8,7 Sekunden. In beiden Fällen wird bei Tempo 161 abgeregelt. Weniger Batterie bedeutet zudem weniger Gewicht, was sich beim Fahren angenehm bemerkbar macht. Wir erlebten also den EV2 trotz kleinem Akku als unterhaltsamen Flitzer – unabhängig davon, ob es stur geradeaus oder auch mal würzig ums Eck geht.
Ob als Zweitauto für die Stadt oder als Allrounder für Nutzer mit eher wenig Fernweh: Der EV2 macht in beiden Rollen eine gute Figur. Dabei gibt er sich nicht nur lokal emissionsfrei, sondern hinterlässt auch mit seinem vergleichsweise geruchsneutralen Innenraum einen angenehmen Eindruck.
Wie mittlerweile üblich, muss sich auch der EV2 mit SUV-Weihen schmücken Foto: Kia
Der Preis von 26.600 Euro für die viersitzige Basisversion Light geht angesichts des Gebotenen in Ordnung. Wer etwa die wohnlichere Einrichtung mit Stoffbezügen im Cockpit will, muss 31.300 Euro für die dann fünfsitzige Version Earth investieren. Mit großem Akku geht es ab 33.500 Euro mit der Version Air los, als Earth werden 36.240 Euro fällig. Darüber rangieren die stets mit großem Akku kombinierten Topversionen GT Line und Black Line für rund 37.000 beziehungsweise 41.000 Euro.
Klar, es gibt mehrere E-Kleinwagen, die weniger kosten. Doch der EV2 ist kein Billig-Stromer. Gemessen an Größe, Leistung, Raumangebot und Ausstattung gehört er ganz sicher zu den preislich interessanteren Angeboten unter den vollwertigen Elektro-Kleinwagen.
Kia EV2 – Technische Daten
Fünftüriges, vier-/fünfsitziges SUV der Kleinwagen-Klasse
Länge: 4,06 Meter
Breite: 1,80 Meter
Höhe: 1,57 Meter
Radstand: 2,56 Meter
Kofferraumvolumen: Viersitzer 403-1.201 Liter, Fünfsitzer 362-1.160 Liter,
Frunk: 15 Liter
E-Motor mit 108 kW/147 PS
Drehmoment: 250 Nm/4000 U/min
0-100 km/h: 8,7 s
Vmax: 161 km/h
Verbrauch: 15,1-15,5 kWh/100 km
Testverbrauch: 15,8 kWh
Akkugröße: 42,2 kWh
Reichweite: 317 km (WLTP)
Ladeleistung: 118 kW (DC); 22 kW (AC)
Ladedauer: DC: 10-80 % in 29 Minuten; AC (22 kW): 10-100% in 2:35 Std.
Preis: ab 26.600 Euro
Testwagenpreis: ab 31.300 Euro
Open Questions
- Wie verhält sich die Ladekurve im realen Dauerbetrieb über Jahre?
- Wie hoch sind die tatsächlichen Wartungskosten im Alltag?



