Liveblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD stärkste Kraft
AfD-Spitzenkandidat Siegmund und Parteichef Chrupalla signalisieren Gesprächsbereitschaft zur CDU; Kirchen und Gewerkschaften äußern Sorge.
Quick Look
- Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent gewonnen, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit.
- Während die AfD Gesprächsbereitschaft signalisiert, warnen Kirchen und Gewerkschaften vor einer Zusammenarbeit.
- Die Union fordert einen Kurswechsel in Berlin.
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Why It Matters
Die AfD wurde in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent stärkste Kraft, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit. Eine Regierungsbildung ist aufgrund der Ablehnung durch andere Parteien schwierig.
Der AfD-Ko-Vorsitzende Tino Chrupalla am 7. September 2026 in der Bundespressekonferenz.
Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, hat nach dem Wahlerfolg seiner Partei seinen Regierungswillen betont. „Es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag. Selbstverständlich, nur unter der Maßgabe, dass wir uns selbst treu bleiben“, sagte Siegmund am Montag in der Bundespressekonferenz. Er wolle jedem die Hand reichen, das entspreche den demokratischen Werten „die wir als AfD in uns tragen“. Dafür erwarte er, dass es einzelne Fraktionen oder einzelne Abgeordnete geben werde, „die mit uns diese Aufgabe stemmen wollen“. Bereits in der Nacht seien Gespräche dafür angestoßen worden.
Der Ko-Parteivorsitzende der AfD Tino Chrupalla betonte, dass seine Partei in Sachsen-Anhalt auch mit den Christdemokraten reden möchte. „Wir sind gesprächsbereit auch in Richtung CDU“, sagte Chrupalla in einer Pressekonferenz. Allerdings wolle man keinen Zustand wie in Thüringen, wo ein Ministerpräsident von der Unterstützung mehrerer Parteien abhängig sei.
AfD-Chefin Alice Weidel bedankte sich am Montag bei Siegmund für seinen Einsatz und betonte, es sei ein „historischer Wahlsieg“ für die AfD dank eines „professionellen Superwahlkampfs“. Sie betonte die hohe Wahlbeteiligung und Wählerwanderung in dem Bundesland. „Das alles ist gut für die Demokratie in Deutschland und in Sachsen-Anhalt“, sagte sie. Die CDU habe ein Debakel erlebt, das sich auch auf Bundesebene widerspiegelte.
Weidel betonte zudem die Ambitionen ihrer Partei für die nächste Bundestagswahl. „Mein erklärtes Ziel ist, den Abstand deutlich in kürzester Zeit auszubauen und auf mindestens 40 Prozent anzuwachsen für die nächste Bundestagswahl“, sagt Weidel. Die CDU/CSU werde nie wieder eine Bundestagswahl gewinnen können. „Das sei Fakt“, sagte Weidel. Die Menschen wünschten sich einen Politikwechsel.
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht zum Montag in Halle an der Saale mitteilte, erhielt sie 43,8 Prozent. Die CDU kommt auf 17,2 Prozent, ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD wird mit 9,3 Prozent drittstärkste Kraft, Grüne und Linke bekommen 8,9 beziehungsweise 8,6 Prozent. Das BSW schafft mit 5,3 Prozent den Sprung über die Fünfprozenthürde. Die FDP verpasst mit 2,6 Prozent den Einzug in den Landtag.
Für eine absolute Mehrheit braucht es im Landtag 42 Abgeordnete. Die Parteien, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen (CDU, SPD, Grüne, Linke), haben im neuen Landtag zusammengenommen ebenso 39 Mandate wie die AfD. Dazu kommen fünf BSW-Abgeordnete.
In Sachsen-Anhalt könnte mit der AfD das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Das BSW zeigte sich offen dafür, Parteigründerin Sahra Wagenknecht, sagte, es gebe im Landtag nun hoffentlich Mehrheiten „für einen Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen, bessere Bildung und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.
Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erfüllt die Kirchen nach eigenem Bekunden mit „großer Sorge“. „Diese Landtagswahl hat die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend verändert. Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, teilten die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche in Sachsen-Anhalt mit.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, hat die demokratischen Parteien vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. „Kein Demokrat darf den Faschisten zur Regierungsmacht verhelfen“, teilte Werneke mit. Der AfD-Wahlsieg sei „für alle demokratischen Kräfte in Deutschland ein bitteres und alarmierendes Ergebnis“.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte die Union auf, mit einem konsequenten Reformkurs auf den Sieg der AfD zu reagieren. „Es kommt jetzt entscheidend auf die Union an“, sagte er. Das Ergebnis sei ein „politisches Beben“.
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), sieht im AfD-Erfolg einen Handlungsauftrag für die Bundesregierung. „Wir haben jetzt in der Bundesregierung die verdammte Pflicht zu zeigen, dass wir die Probleme, die die Menschen umtreiben, lösen“, sagte sie.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Schwierige Koalitionsverhandlungen im Landtag.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wer wird die nächste Landesregierung bilden?
- Wie verhält sich das BSW bei einer möglichen Regierungsbildung?




