
US-Präsident Trump lässt offen, ob Washington Taiwan im Kriegsfall verteidigen würde. Doch zugleich wird die militärische und wirtschaftliche Kooperation immer enger.
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China erhebt territorialen Anspruch auf Taiwan. Die USA leisten Unterstützung, lassen jedoch offen, ob sie im Ernstfall militärisch eingreifen.
US-Präsident Trump lässt offen, ob Washington die Insel Taiwan im Kriegsfall verteidigen würde. Doch zugleich wird die Kooperation bei Drohnen, Kampfjets und Verteidigungslieferketten immer enger.
Taiwan vertieft seine Zusammenarbeit mit den USA in Militärtechnik und setzt darauf, als Rüstungspartner wichtiger zu werden.
Die ersten zwei von 66 bestellten F-16-Kampfjets sind in Taiwan eingetroffen – das Pentagon plant, Militärpersonal direkt ins taiwanische Verteidigungsministerium zu entsenden.
Taiwans Drohnenindustrie wächst stark; allein in der ersten Jahreshälfte 2026 exportierte die Insel mehr als 200.000 Drohnen, während Start-ups wie Str8 Industries neue Technologien entwickeln und produzieren.
Phil Ho, Mitgründer von Str8 Industries, betont, dass Taiwan über die notwendige Infrastruktur verfügt, um im Vergleich zu anderen Regionen schneller und effizienter Drohnen zu entwickeln und zu produzieren.
Tokio, Taipeh, Washington. Seit Monaten wächst in Taiwan die Sorge, dass US-Präsident Donald Trump die Unterstützung der Insel in Verhandlungen mit China zurücknehmen könnte. Beim Gipfel in Washington Ende September drängte sein Gast, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, genau darauf.
Während die politische Unterstützung Washingtons für Taiwan also unsicher wirkt, wird die praktische Zusammenarbeit beider Seiten in Wirtschaft, Technologie und Militär enger. Die Insel gewinnt für die USA damit nicht nur als Produzent von Halbleitern, sondern auch als Rüstungs- und Technologiepartner an Bedeutung.
Elizabeth Economy, frühere Beraterin der US-Regierung, beobachtet, dass der Handel der USA mit Taiwan „rasant“ zunehme. Das bestätigt sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Politikexpertin forscht an der Stanford University zum Verhältnis zwischen China und den USA. „Es ist möglich, dass Taiwan China beim Handelsvolumen mit den Vereinigten Staaten überholt“, prognostiziert sie.
Dabei geht es zwischen den USA und Taiwan längst nicht mehr nur um fortschrittliche Halbleiter, bei deren Auftragsfertigung taiwanische Unternehmen weltweit führend sind. Auch die Rüstungsunternehmen beider Länder kooperieren enger miteinander.
Stephan Ebner, der als Rechtsanwalt die Auslandsgeschäfte deutscher Rüstungsunternehmen vertritt, sagt: „Ich habe den Eindruck, dass die USA Taiwan trotz seiner Nähe zu China fast wie einen 51. Bundesstaat behandeln.“ Der Experte ist Berater der Kanzlei Brain Trust International in Taiwan.
Genau darauf zielt Taiwans Strategie im geopolitischen Ringen. Die Regierung in Taipeh strebt danach, die Insel für Trump so wertvoll zu machen, dass er Taiwan als überlebenswichtig für die Interessen der USA einstuft und das Land im Fall des Falles verteidigt. Denn China erhebt schon lange territorialen Anspruch auf die demokratisch regierte Insel und droht sogar eine gewaltsame Eroberung der Insel an.
Das Problem: Die USA haben Taiwan zwar Hilfe gegen China zugesagt, aber offengelassen, ob sie der Insel im Fall eines chinesischen Angriffs auch mit eigenen Truppen beistehen würden. Trump hat sich dazu noch ambivalenter geäußert als viele seiner Vorgänger.
Peking versucht daher stärker denn je, die Unterstützung der USA für Taiwan zu schwächen und so den Druck auf Taipeh zur Selbstaufgabe zu erhöhen. Bei seinem Staatsbesuch Ende September drängte Chinas Staats- und Parteichef Xi seinen Gastgeber, sich offen gegen eine Unabhängigkeit Taiwans auszusprechen und die Taiwan-Frage mit Vorsicht zu behandeln.
Diese Forderung ist vor allem symbolisch, hätte aber erhebliche politische Folgen. Washington lehnt eine Unterstützung einer offiziellen Unabhängigkeitserklärung ab, vermeidet bislang jedoch eine Festlegung auf den endgültigen Status der Insel. Eine Änderung der Sprachregelung würde daher Pekings Druck auf Taiwan stärken.
Eine zweite Forderung wäre dagegen unmittelbar praktisch: Peking könnte darauf zielen, dass Washington das ausstehende Waffengeschäft mit Taiwan verzögert oder im Rahmen einer Verständigung mit China ganz aufgibt.
Beides wären enorme Zugeständnisse an China. Sie könnten das Vertrauen der Taiwaner in die USA als inoffizielle Schutzmacht noch stärker untergraben, als Trump es ohnehin schon getan hat.
Doch nach dem Gipfel stellte sich Mike Johnson in einem Interview mit dem Sender Fox Business klar hinter Taiwan. Als Sprecher des Repräsentantenhauses ist er nach Trump und Vizepräsident J.D. Vance die Nummer drei in der US-Machthierarchie.
„China hat bei mehr Produkten die Oberhand, von denen die USA nahezu vollständig abhängig sind“
Auf die Frage, ob Trump das seit Monaten verzögerte Waffengeschäft als Verhandlungsmasse nutze, antwortete Johnson, er würde da nicht zu viel hineininterpretieren. Er sehe eher einen Zusammenhang mit dem Waffenmangel infolge des Irankriegs.
„Wir sind uns bewusst, dass Taiwan ein sehr wichtiger Partner, Freund und Verbündeter von uns ist, und wir brauchen Taiwan als stabilen und unabhängigen Partner“, sagte er – mit Blick auf die Wirtschaft und vor allem auf das Militär.
Anfang Oktober trafen die ersten zwei von 66 bestellten F-16-Kampfjets in Taiwan ein. Zugleich erwägt das Pentagon Berichten zufolge, Personal direkt im taiwanischen Verteidigungsministerium einzusetzen, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Gleichzeitig ebnen Abkommen Taiwan ganz offiziell den Weg in die amerikanischen Lieferketten.
Im Mittelpunkt stehen unbemannte Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge. Der „US-Taiwan Economic Prosperity Partnership Dialogue“ vom Januar 2026 bezog die Lieferketten für unbemannte Luftfahrzeuge ausdrücklich ein. Das US-Verteidigungsgesetz NDAA für das Haushaltsjahr 2026 enthält eine Bestimmung, die das Pentagon anweist, Taiwan in Drohnenprogramme einzubeziehen.
Darüber hinaus qualifizieren sich immer mehr taiwanische Firmen für Zuliefererlisten, die hohe Anforderungen für militärische und kommerzielle Drohnen erfüllen und sich daher als Lieferanten für US-Unternehmen anbieten. Taiwan wird so Teil des Ökosystems der US-Rüstungsindustrie – und ist nicht mehr nur Abnehmer amerikanischer Waffen. Die Regierung eröffnete sogar gerade ein weiteres Quasi-Konsulat in Arizona, wo der Chiphersteller TSMC riesige Halbleiterwerke baut.
Schon bei etablierten Organisationen gibt es große Projekte wie die Drohne Mighty Hornet IV von Taiwans National Chung-Shan Institute of Science and Technology und dem US-Unternehmen Kratos Defense & Security Solutions.
Taiwans Drohnenindustrie brummt. Allein in der ersten Jahreshälfte 2026 wurden mehr als 200.000 Drohnen exportiert, mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig drängen immer mehr taiwanische Firmen und Start-ups in den Markt.
Wie diese transpazifische Integration aussieht, zeigt Phil Ho, Mitgründer des Start-ups Str8 Industries. Der in Paris aufgewachsene Sohn eines französisch-taiwanischen Elternpaars hat in Taiwan eine Hightech-Seedrohne entwickelt. Sie heißt Ghostwake, ist hochseetauglich, trägt 350 Kilogramm Nutzlast und erreicht nach Angaben bis zu 55 Knoten (102 Kilometer pro Stunde).
Das Start-up ist in den USA registriert, Mitgründer Bilal Awad diente als Chefingenieur auf Lenkwaffenzerstörern der US-Marine. Entwicklung und Produktion aber finden auf der fernen Insel statt. Den Grund erklärt Ho in Taipeh: „Wir haben nicht den Luxus, anderswo über fünf, zehn Jahre eine Schiffbau- oder Fertigungsbasis von null aufzubauen.“ Taiwan dagegen habe diese Basis bereits.
Rund um die Chip- und Computerindustrie ist ein dichtes Netz von Technologiefirmen entstanden, das den Aufbau einer China-freien Lieferkette erleichtert. Hinzu kommen Auftragsfertiger der Elektronikindustrie von Weltrang, Ingenieure für Robotik, Software und Elektrotechnik sowie Firmen, die Produkte schnell in großen Stückzahlen herstellen können – „alles ist schon da, man muss nur loslegen und bauen“, sagt Ho.
Vom ersten Entwurf bis zum Test im Wasser habe sein Team weniger als 120 Tage gebraucht. „Das ist möglich, wenn man hier in Taiwan baut“, sagt Ho. „Das Taiwan-Tempo ist bemerkenswert.“ Daher boomt Taiwans Drohnenindustrie bereits. So will er doppelt seinen Beitrag zur Verteidigung seiner Wahlheimat leisten: als Zulieferer für Taiwans Militär – und indem er die Insel für die USA unentbehrlich macht.
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Pentagon entsendet Militärpersonal direkt ins taiwanische Verteidigungsministerium
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