Manchester City droht historisches Urteil in 114 von 115 Anklagepunkten
Ein unabhängiges Panel der Premier League soll laut Medienberichten in den allermeisten Fällen gegen Manchester City entschieden haben.
Quick Look
- Ein Medienbericht enthüllt, dass ein unabhängiges Panel in 114 von 115 Anklagepunkten gegen Manchester City entschieden haben soll.
- Dem englischen Fußballmeister drohen drastische Sanktionen.
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Why It Matters
Die Premier League hatte Manchester City im Februar 2023 nach vierjährigen Ermittlungen wegen angeblicher Finanzverstöße angeklagt.
Auf Manchester City übertragen, ließe sich diese Botschaft so interpretieren: Solange nicht sämtliche Fakten auf dem Tisch liegen, sollte kein Urteil gefällt werden.
Zwar ist dieser Zustand bisher nicht erreicht, doch seit Freitagnachmittag ist mehr bekannt als zuvor. Das Sportmagazin The Athletic berichtete, ein dreiköpfiges, unabhängiges Panel der Premier League habe „in nahezu allen Anklagepunkten“ gegen den Manchester City Football Club entschieden – konkret in 114 von 115 Fällen. Ein solcher Schuldspruch wäre ebenso außergewöhnlich wie das gesamte Verfahren, das aufgrund seines Umfangs und seiner Tragweite als Jahrhundertprozess des Sports gilt.
Die möglichen Sanktionen gegen City reichen von Geldstrafen über Punktabzüge, die zum Abstieg führen könnten, bis zum Ausschluss aus der Premier League. Auch eine Kombination dieser Maßnahmen ist möglich. Manchester Citys früherer Finanzberater Stefan Borson erklärte gegenüber Talksport, dass sich der Verein „in riesigen Schwierigkeiten“ befinde: „Die Hölle bricht los.“
Das genaue Strafmaß wird festgelegt, sobald das Urteil veröffentlicht und akzeptiert ist. Sowohl die Premier League als auch Manchester City können die Entscheidung allerdings innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung des Verdikts zunächst anfechten. In diesem Fall müsste der Vorsitzende des Justizausschusses der Premier League eine neue, unbefangene Kommission einsetzen. Der Zeitrahmen für eine solche Überprüfung wäre durch die Ligaregularien immerhin wesentlich stringenter vorgegeben als das Verfahren in erster Instanz. Erst nach vierjährigen Ermittlungen hatte die Liga den Klub im Februar 2023 angeklagt. Es folgten Anhörungen zwischen September und Dezember 2024. Seither befasste sich das Gremium mit den umfangreichen Beweismitteln beider Seiten.
„Ich glaube an die Unschuld“, beteuert der frühere City-Spieler Rodri
Während des gesamten Verfahrens hielten sich die Beteiligten mit Auskünften über dessen Stand weitgehend zurück. Zu Saisonbeginn räumte lediglich Premier-League-CEO Richard Masters ein, der Prozess nehme erheblich mehr Zeit in Anspruch als angenommen. Am Stillschweigen der Beteiligten änderten auch die neuen Erkenntnisse vom Freitag nichts. Die Premier League gab bislang keinen Kommentar ab. Ein Sprecher von Manchester City verwies auf „wesentliche Schritte“ des Verfahrens, die angeblich noch ausstünden. Zugleich betonte er, die Position des Klubs habe sich nicht verändert: In der Stellungnahme vom Februar 2023 hatte sich City überrascht von der Untersuchung gezeigt, sie zugleich aber begrüßt, um die Angelegenheit „ein für alle Mal“ zu beenden.
Einen Tag nach den Berichten vom Freitag meldete sich City-Chairman Khaldoon Al Mubarak zu Wort. Es gebe „so viele Dinge“, die erklären könnten, warum der Klub von seiner Position überzeugt sei. Die Verschwiegenheitspflichten ließen dies aber nicht zu. Selbst diese Zeilen seien „mehrfach rechtlich geprüft worden“, schrieb Al Mubarak weiter. Damit wollte er wohl vor allem jenen entgegentreten, die angeblich „den Schwung unseres Klubs bremsen“ wollten. „Wir werden ihnen diese Gelegenheit nicht geben“, betonte er.
Die Vorwürfe gegen City beziehen sich zum einen auf mutmaßlich schwerwiegende Finanztricksereien im Zeitraum von 2009 bis 2018. Der Klub soll durch inoffizielle Zahlungen bei Gehältern sowie künstlich aufgeblähte Sponsorenverträge Ausgabenbeschränkungen umgangen haben. Zum anderen geht es um eine angeblich mangelnde Kooperation mit den Ermittlern zwischen 2018 und 2023. Damit erstreckt sich die Causa über eine maßgebliche Zeitstrecke der bisherigen Abu-Dhabi-Ära des Vereins. Im September 2008 hatte Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Herrschaftsfamilie des Emirats, den damaligen Mittelklasseklub für eine Viertelmilliarde Euro erworben und mit gewaltigen Investitionen an die Weltspitze geführt. Der Verein gewann unter seiner Führung bislang acht Meisterschaften, vier FA-Cup-Titel und beim historischen Triple 2023 erstmals auch die Champions League.
Im Zentrum der Beweisführung stehen mutmaßlich gehackte Dateien der Enthüllungsplattform Football Leaks, die der Whistleblower Rui Pinto dem Spiegel einst zur Auswertung überließ. Pinto selbst schrieb nach dem vermeintlichen Schuldspruch gegen City auf X von „akribisch orchestriertem Betrug“ und warf dem Verein vor, die Regularien „durch strukturelle Manipulation und finanzielle Manöver“ zu einer „bloßen Formalität“ gemacht zu haben. Der spanische Welt- und Europameister Rodri, der im Sommer nach sieben Jahren bei Manchester City zum FC Barcelona wechselte, stellte sich hingegen hinter seinen früheren Klub. „Ich glaube an die Unschuld“, versicherte Rodri. Er verteidigte auch die sportlichen Erfolge seiner Mannschaft unter Guardiola. Diese seien „nicht mit Geld bezahlt“ worden, sondern mit Einsatz, Zusammenarbeit und Teamspirit, sagte er.
Die hinter City zweitplatzierten Vereine der letzten Jahre wittern nachträgliche Meisterehren
Doch die Debatte über den Umgang mit den Erfolgen des Klubs hat bereits begonnen. Im Raum steht die Frage, inwieweit dem Verein gegebenenfalls Titel aberkannt werden müssten und – sollte es dazu kommen – ob jeweils der zweitplatzierte Klub nachträglich zum Meister erklärt würde. „Eine weitere Premier-League-Medaille für den Trophäenschrank“, stichelte Rio Ferdinand von Manchester United. Der frühere Abwehrspieler gehörte zum United-Kader, der 2012 hinter dem Stadtrivalen Zweiter wurde. Auch Jürgen Klopp, der mit Liverpool 2019 und 2022 knapp hinter City die Meisterschaft verpasste, hatte einst augenzwinkernd angemerkt: „Wenn ihr eine Busparade organisiert, bin ich dabei! Egal, wie lange das dauert.“
Noch einen Schritt weiter ging José Mourinho, der mit Manchester United 2018 hinter City Rang zwei belegt hatte. Er sinnierte zuletzt öffentlich nicht nur über eine mögliche Meistermedaille, sondern auch über einen vertraglich zugesicherten Meisterbonus, der ihm zustehen könnte. Der britische Premier Andy Burnham, vor seiner Ernennung neun Jahre lang Bürgermeister von Manchester, mahnte dagegen zur Zurückhaltung. Man sollte den Bericht der Kommission abwarten und „keine vorschnellen Schlussfolgerungen“ ziehen.
Dem Vernehmen nach haben sich die Rivalen des Vereins hinter den Kulissen bereits rechtlichen Beistand eingeholt, um mögliche Regressansprüche zu prüfen. Sie sind überwiegend ohnehin nicht sonderlich gut auf den Konkurrenten zu sprechen, schließlich verschlingen die jahrelangen Ermittlungen beachtliche finanzielle Ressourcen. Die Kosten der Premier League entfallen dabei de facto auf ihre 20 Klubs. Mit einem zeitnahen Ende des Verfahrens ist trotz der jüngsten Entwicklungen nicht zu rechnen. City-Trainer Maresca schrieb unter seinem Instagram-Post zur Länderspielpause: „Zeit zu atmen, Zeit zu analysieren, Zeit zu lernen.“ Dasselbe dürfte derzeit für seinen Verein gelten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Anfechtung des Verdikts innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie fällt das offizielle Strafmaß aus?
- Werden Titel rückwirkend aberkannt?



