
Während Technologie-Aktien unter Druck stehen, zeigt sich der Dax widerstandsfähig. Eine Analyse der deutschen Unternehmen, die vom KI-Infrastruktur-Boom profitieren.
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Der globale KI-Boom hat zu massiven Investitionen in Rechenzentren geführt, was wiederum den Bedarf an Energieinfrastruktur und Halbleitern erhöht.
Viele Industrieunternehmen profitieren von gefragter Technologie rund um Künstliche Intelligenz. Mit allen Chancen für deren Aktien, analysiert Ulf Sommer. Und Risiken.
Eine Verkaufswelle hat in den vergangenen Tagen viele Technologie-Aktien einbrechen lassen. Grund dafür sind Sorgen, dass sich die milliardenschweren Investitionen der Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nicht rechnen werden.
Der Dax zeigte sich davon weitgehend unbeeindruckt. Eine erste Erklärung lautet, dass Deutschlands wichtigster Börsenindex viel Industrie und damit „Old Economy“ vereint, aber wenig Technologie und Zukunft. Ein näherer Blick zeigt, dass dies eine veraltete Sichtweise ist und der Dax keineswegs immun gegen künftige KI-Beben ist.
Eine der wohl spektakulärsten KI-Aktien ist Siemens Energy. Die ehemalige Siemens-Sparte zieht in ihrem Geschäft mit Gasturbinen zur Stromerzeugung Vorteile aus dem weltweit wachsenden Energiebedarf. Siemens Energy bilanzierte in den vergangenen Quartalen Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Profitabilität.
Der Aktienkurs ist in den vergangenen drei Jahren um 1000 Prozent gestiegen, aber seit dem Rekordhoch Anfang Mai um 35 Prozent gefallen. Darin spiegelt sich die Sorge wider, dass der Boom abebbt und Rechenzentren künftig weniger Strom verbrauchen könnten.
An solchen Techniken wird gearbeitet, und daran ist Infineon, genauso wie Siemens Energy eine ehemalige Siemens-Sparte, nicht ganz unbeteiligt. Der Münchener Konzern setzt auf Materialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid, die eine Herstellung von Halbleitern mit höherer Leistungsdichte und geringeren Umwandlungsverlusten ermöglichen, was für die Entwicklung von KI-Infrastrukturen wichtig ist.
Die Aktie legte in den vergangenen drei Jahren um gut 55 Prozent zu und verlor im jüngsten KI-Beben in den vergangenen drei Handelstagen fast 20 Prozent.
Mit Technik und Software für den Betrieb der Infrastruktur wie Kühlung, Energieverteilung und Brandschutzsysteme ist der Mutterkonzern Siemens ebenfalls im weltweiten KI-Boom positioniert. Mit 132 Milliarden Euro erreichte der gesamte Auftragsbestand zuletzt Rekordhöhe.
Verantwortlich dafür ist unter anderem das Geschäft mit KI-Rechenzentren, samt Großaufträgen aus den USA. Die Aktie spiegelt den Boom wider: Der Kurs hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt und notiert nur acht Prozent unter dem Rekordhoch vom August. Das signalisiert zumindest bislang eine hohe Widerstandskraft in Zeiten wachsender Sorgen um den KI-Boom.
Merck stellt als Zulieferer der Halbleiterindustrie Materialien her, die für die Produktion von Mikrochips benötigt werden, wie sie in Rechenzentren verbaut werden. Dazu gehören etwa Fotolacke zur Beschichtung feinster Chipstrukturen und Prozesschemikalien für die Abscheidung oder Ätzung von Materialschichten. Der Aktienkurs spiegelt dies bislang gar nicht wider: minus fünf Prozent in den vergangenen drei Jahren.
Bei DHL floriert das Luftfrachtgeschäft. Der Boom bei KI-Anwendungen, Cloud-Services und digitaler Vernetzung führt zu einem raschen Ausbau von Rechenzentren. Der Logistiker verdient am Transport von Servern, Computern und Kühlungsgeräten.
Auch diese Aktie zeigt sich bislang resistent. Der Kurs legte in den vergangenen drei Jahren knapp 50 Prozent zu, und er notiert nur sechs Prozent unter dem Rekordhoch aus dem Jahr 2021. Damals hatte der Logistiker von der Coronapandemie profitiert, weil angesichts geschlossener Läden viel verschickt wurde.

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