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MDR-Chefredakteur Lochthofen verteidigt regionale Berichterstattung und erklärt Dokumentation „Land unter Druck“
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MDR-Chefredakteur Lochthofen verteidigt regionale Berichterstattung und erklärt Dokumentation „Land unter Druck“

Quick Look

Der MDR-Chefredakteur Herr Lochthofen erklärt die Entstehung der Dokumentation „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“, betont die Bedeutung der regionalen Berichterstattung vor Landtagswahlen, weist die Verantwortung des MDR für den Erfolg der AfD zurück und spricht über Sparmaßnahmen, Programm prioritäten und das Vertrauen der Bevölkerung in Mitteldeutschland.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Dokumentation „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“ wurde nach der Bundestagswahl vor drei Landtagswahlen beim MDR, RBB und NDR eingereicht. Sie zeigt kommunal Engagierte, Bürgermeister und Landräte sowie Bürger, die ihren Alltag schildern und Lösungen suchen. Der MDR betont regelmäßige regionale Berichterstattung als Teil seines Auftrags.

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Herr Lochthofen, die Sendung „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“, die Anfang dieser Woche lief, hat im Ersten und im MDR ein großes Zuschauerinteresse gefunden. Wie ist die Idee zu dieser Dokumentation, in der rund 50 Menschen, die sich zumeist in den Kommunen engagieren, zu Wort kommen, entstanden?

Die Produzenten sind schon nach der Bundestagswahl mit dieser besonderen Idee vor drei wichtigen Landtagswahlen auf die Chefredaktionen des MDR, des RBB und des NDR zugegangen. Sie wollten nicht nur aus der Draufsicht problematisieren, sondern eine Vielzahl von Mandatsträgern wie Bürgermeistern oder Landräten, aber auch die Menschen vor Ort zeigen, die ihren Alltag authentisch schildern und ihren Blick auf die Gegenwart teilen. Die auch sagen, was sie belastet, wie sie mit vielen Unzulänglichkeiten zurechtkommen und wie sie Lösungen finden.

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War diese Dokumentation damit eine Ausnahme im Angebot des MDR?

Nein. Das ist für uns nicht ungewöhnlich. Der MDR bemüht sich regelmäßig darum, Menschen in ihrem Leben abzubilden und zu Wort kommen zu lassen. Diese Dokumentation ist Teil einer Reihe von Reportagen, in denen wir uns immer wieder ausführlich Zeit nehmen, verschiedene Perspektiven zu zeigen. Nehmen Sie unsere Reihe „Wut“ oder „Alles auf Zukunft“ aus unserer Wirtschaftsredaktion. Hier berichten Menschen über das, was sie bewegt, über ihr persönliches Umfeld, und natürlich vertreten sie auch sehr unterschiedliche und auch kontroverse Meinungen. Wir wollen dieses Erleben und diese Erfahrungen sichtbar machen. Dafür sind wir da.

Der MDR berichtet gegenwärtig häufiger als vor Monaten aus und über Sachsen-Anhalt. Wollen Sie Ihr Publikum überzeugen, nicht die AfD zu wählen?

Der MDR berichtet rund um die Uhr und jeden Tag aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und aus Thüringen. Deshalb gibt es uns. Aber natürlich finden die Berichte aus einem Bundesland, das vor auch bundesweit wichtigen Wahlen steht, besondere Aufmerksamkeit. Landtagswahlen sind dessen ungeachtet für regionale Medien Hochamt, und dazu gehört eine umfangreiche Berichterstattung. In unseren Wahlkonzepten, die wir übrigens zu allen Wahlen veröffentlichen, kann man im Detail nachlesen, wie und wie viel wir berichten. Aber wir machen keinen Wahlkampf. Wir versuchen den Menschen ein umfassendes Bild von dem zu geben, was sie wissen sollten, um zu entscheiden.

Was erwarten die Zuschauer und Hörer Ihres Erachtens heute vom MDR an Informationen?

Die regionale Berichterstattung ist die Grundlage für unseren Erfolg. Und wir verstehen Regionalität als breiten Bogen von der Aktualität über die Kultur bis zur Unterhaltung. Wir versuchen jeden Tag, das Leben der Menschen aus unseren drei Ländern mit allen Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Programm zu haben und damit einen konkreten Nutzen für den Rundfunkbeitrag zu schaffen. Wir sind ziemlich nah dran an unserem Publikum mit unseren Regionalstudios und unseren teils sehr regionalen Sendungen im klassischen Fernsehen und im Radio. Neben der reinen Information geht es uns aber auch immer darum, eine gewisse Aufgehobenheit und Identität in einer nicht ganz einfachen Zeit herzustellen.

Es gibt auch in Sachsen-Anhalt Kritik an der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender. Immerhin wurde vom Parlament eine Enquetekommission eingesetzt. Wie ist die Akzeptanz bei den regionalen Angeboten des MDR?

Ich halte es für wichtig und legitim, dass sich ein Landesparlament, das ja auch über den Rundfunkbeitrag entscheidet, gründlich mit der Struktur und dem Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks befasst. Abgesehen davon erleben wir heute, dass nahezu jede Institution in unserem Land kritisiert wird und sich harter Beurteilung öffentlich stellen muss. Das ist ein Zeichen unserer Zeit und ist auszuhalten. Wir sind seit Jahren auch sehr regelmäßig selbst in unterschiedlichen Formaten im direkten Kontakt mit unserem Publikum und hören uns an, was die Menschen stört und was sie erwarten. Dass wir damit erfolgreich sind, zeigen die Zahlen: Das lineare MDR-TV-Programm hat den größten Marktanteil aller dritten Programme, und auch die Radioprogramme und Onlineangebote werden intensiv genutzt. Zudem bescheinigen uns 73 Prozent der Menschen in Mitteldeutschland, dass sie dem MDR vertrauen.

Das klingt so, als wäre – obwohl die AfD den MDR-Staatsvertrag kündigen will – alles gut.

Nein, hier fährt niemand auf Autopilot. Wir setzen uns nahezu täglich mit dem Echo auf unser Programm, auch mit Fehlentscheidungen und Fehlern auseinander. Wir kennen die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wir registrieren aber auch das Lob und die Zustimmung. Nach unseren Erfahrungen, vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern und auch auf der Basis fundierter Umfragen wissen wir, dass keine Mehrheit in unserem Sendegebiet existiert, die den MDR abschaffen möchte.

Der MDR muss sparen, Programme wurden gestrichen, „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sind für drei Jahre ausgesetzt. Welche inhaltlichen Prioritäten setzen Sie im Sender?

Wir mussten in den vergangenen Wochen sehr schmerzhafte Sparentscheidungen treffen und auf wichtige Produktionen verzichten, weil uns durch die seitens der Gebührenkommission KEF zwar vorgeschlagene, aber ausgebliebene Beitragsanpassung hohe Finanzierungsanteile fehlen. Der MDR ist eine schlanke Anstalt und hat keine tiefen Taschen, um das auszusitzen. Weil unsere Priorität – gerade in einem Wahljahr – die regionale Berichterstattung ist, haben wir bewusst unsere regionale Politikberichterstattung, die Kultur, Wirtschaft und die regionale Unterhaltung jetzt vom Sparen ausgenommen. Hier dürfen wir nicht „wackeln“ und müssen in einem Sendegebiet verlässlich da sein, weil es neben uns und den noch verbliebenen Regionalzeitungen niemanden gibt, der diese Breite an Information leisten kann.

Diese Themenrelevanz können Sie doch durch das Erste auch in die ARD tragen.

Das tun wir jeden Tag. Wir schaffen Sichtbarkeit für die Themen von hier im Ersten. Aber auch dafür ist die Voraussetzung, dass wir in der Fläche stark sind. Ohne unsere regionale Präsenz würde die Stimme der Menschen im nationalen Diskurs fehlen oder nur sehr oberflächlich stattfinden. Niemand außer uns hat einen Grund, außerhalb von Wahlkämpfen in der Altmark eine Kamera auszupacken.

Der Medienstaatsvertrag fordert mehr regionale Angebote. Bekanntlich nimmt die Zahl der Bewohner Mitteldeutschlands weiter ab und damit die Zahl der Beitragszahler. Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen?

Wir haben die Verpflichtung, effizient zu arbeiten. Dazu gehört, dass wir die Möglichkeiten technologischer Innovationen konsequent nutzen. Nur so können wir ein relevantes, interessantes Programm trotz einer abnehmenden Zahl von Beitragszahlern machen. Dazu gehört auch eine zeitgemäße Organisation. Zudem ist die ARD auch eine Solidargemeinschaft, in der man gemeinsam produziert und dort Ausgleich schafft, wo es nötig ist, um die gemeinsame Handlungsfähigkeit in den nächsten Jahren sicherzustellen. Gerade weil die regionalen Informationsleistungen der ARD so wichtig und durch den Markt nicht herzustellen sind, müssen wir gemeinsam Effizienz organisieren und arbeitsteilig arbeiten – so lässt sich der Widerspruch auflösen.

Man hört und liest des Öfteren, die Medien seien mit dafür verantwortlich, dass die AfD in Ost wie West zurzeit starken Zulauf hat. Meinen Sie, das trifft zu? Muss auch der MDR in dieser Hinsicht Selbstkritik üben?

Klar müssen wir uns jeden Tag fragen, wie gut wir es schaffen, die Fragen der Menschen zu beantworten, und ob wir ihre wichtigen Themen haben. Aber dem MDR oder den Medien die genuine Verantwortung für den Erfolg der AfD zuzuschieben, wäre massiv unterkomplex. Wir wissen doch, woraus bestimmte Wahlentscheidungen resultieren, und auch, woher der Erfolg populistischer Thesen kommt. Entscheidend sind die jahrelange Wirtschaftskrise und die Wahrnehmung von Dysfunktionalität in bestimmten Bereichen des Staates, in denen die Bevölkerung eine Steuerungserwartung durch die Politik hat. Ich nehme für den MDR in Anspruch, dass wir diese Erwartungshaltung und Unzufriedenheit abbilden. Bei der Dokumentation „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“ kann man ja sehen, wie sich Frustration aufbaut und dennoch von vielen versucht wird, eine Lösung zu finden. Wer versucht, die Schuld für den Erfolg der AfD den Medien oder dem Osten zuzuschieben, hat nichts begriffen.

Open Questions

  • Wie genau wurden die 50 Teilnehmer der Dokumentation ausgewählt?
  • Welche konkreten Lösungsvorschläge wurden in der Dokumentation geäußert?
  • Wie wird die Finanzlücke des MDR durch ausbleibende Beitragsanpassung langfristig gedeckt?

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This article was originally published by FAZ.

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