Migration: AfD-Chef Chrupalla geht überraschend auf Distanz zu Trumps Politik
Parteichef Chrupalla kritisiert US-Behörde ICE als spaltend, während Parteivize Tritschler und Landesverbände einen härteren Kurs fordern.
Quick Look
- Innerhalb der AfD entbrennt ein Streit über die Migrationspolitik.
- Parteichef Chrupalla lehnt US-Methoden der Behörde ICE wegen Spaltungsgefahr ab, während Vize Tritschler und mehrere Landesverbände eine konsequente Härte nach US-Vorbild fordern.
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Why It Matters
Innerhalb der AfD gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Migrationspolitik und die Anwendung von Methoden nach US-Vorbild.
In der AfD bahnt sich ein Streit über den richtigen Kurs bei Abschiebungen an. Während die Parteispitze ein Vorgehen nach US-Vorbild ablehnt, setzen andere auf Härte.
AfD-Chef Tino Chrupalla kritisierte die Migrationspolitik der US-Einwanderungsbehörde ICE und wandte sich gegen Spaltung in der Migrationsdebatte.
Der stellvertretende AfD-Chef Sven Tritschler verteidigte derweil das harte Vorgehen der ICE und plädierte für konsequentes Auftreten gegen illegale Migration in Deutschland.
Mehrere AfD-Landesverbände fordern eine Verschärfung der Abschiebepolitik mit eigenen Einheiten, die Parallelen zur US-Einwanderungsbehörde aufweisen.
AfD-Politiker Kay Gottschalk tauschte sich zwischenzeitlich mit dem Ex-ICE-Chef Gregory Bovino darüber aus, ob Massenabschiebungen auch in Europa möglich seien.
Berlin. AfD-Chef Tino Chrupalla hat US-Präsident Donald Trump wegen seiner Migrationspolitik scharf kritisiert. In seiner wöchentlichen Videoansprache wandte sich Chrupalla insbesondere gegen das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE. In der eigenen Partei erntet er damit deutlichen Widerspruch.
„Wer Migration besser regeln will, darf nicht spalten, sondern muss breite Unterstützung suchen“, sagte Chrupalla. „Nicht Feindbilder, sondern Verständigung vereint die Bürger.“
Das äußerst harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE trug dazu bei, dass Trumps Politik in den vergangenen Monaten unpopulärer wurde. Im vergangenen Dezember war die Lage eskaliert. Zur Umsetzung der rigorosen Abschiebepolitik hatte das Heimatschutzministerium Tausende teils bewaffnete und vermummte Einsatzkräfte von ICE in den Bundesstaat Minnesota entsandt. Anfang Januar wurde die 37-jährige Renée Good bei einem ICE-Einsatz erschossen. Die Regierung bezeichnete das Handeln des Beamten damals als Notwehr. Die nach dem Vorfall öffentlich gewordenen Videoaufnahmen erweckten allerdings einen anderen Eindruck.
Am 24. Januar 2026 wurde der 37-jährige Alex Pretti bei einem weiteren Einsatz von Bundesbeamten in Minneapolis getötet. Die US-Regierung stellte die Schüsse als Selbstverteidigung dar, obwohl von ihm laut Videoaufnahmen keine akute Bedrohung für die Einsatzkräfte auszugehen schien. Die Taten sorgten landesweit für erhebliche Kritik am Vorgehen der US-Regierung.
Anlässlich von Chrupallas Kritik an ICE verteidigte der stellvertretende AfD-Chef Sven Tritschler das Vorgehen der amerikanischen Einwanderungsbehörden am Sonntag. „Wer glaubt, eine Asyl- und Migrationswende gehe irgendwie ‚kuschelig‘ und ohne unschöne Bilder im Fernsehen, der ist auf dem falschen Dampfer“, sagte Tritschler dem Portal „The Pioneer“. „Insofern ist die Kritik an ICE unangebracht.“
AfD-Landesverbände für härteren Migrationskurs
Chrupalla hatte in seiner Videoansprache auf eine Umfrage des US-Senders Fox News aus dem September verwiesen, der zufolge das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE mehrheitlich auf Ablehnung gestoßen sei. „Wir müssen einen, nicht spalten“, forderte der AfD‑Chef. Damit kritisierte er die Durchsetzung der US-Abschiebepolitik unter Trump, ohne dessen migrationspolitische Ziele grundsätzlich infrage zu stellen.
Tritschler widersprach dieser Einschätzung ausdrücklich. „Ich wünsche mir, dass deutsche Behörden ähnlich konsequent gegen Illegale vorgehen, und ich bin mir sicher, dass das ein Großteil der AfD ähnlich sieht“, sagte er. Tatsächlich vertreten auch mehrere AfD-Landesverbände einen deutlich härteren Migrationskurs.
Im Wahlprogramm der AfD in Mecklenburg-Vorpommern ist von einer eigenen „Rückführungspolizei“ gegen illegale Migration und Schleuserkriminalität die Rede. Die Forderung weckt Assoziationen zur US-Einwanderungsbehörde ICE. Die AfD Sachsen-Anhalt plant laut ihrem Wahlprogramm eine „Taskforce Abschiebungen“ mit weitreichenden Kompetenzen.
Und die bayerische AfD-Fraktion hatte bereits im Januar auf ihrer Klausur die Einrichtung einer „Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe“ (AFA) als Ziel beschlossen. Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner erklärte damals, die neue Einheit solle durchaus Parallelen zu ICE aufweisen.
Einzelne AfD-Politiker unterhalten auch Kontakte zum früheren Chef des US-Grenzschutzes, Gregory Bovino. Nach den zwei Vorfällen mit tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf US-Bürger in Minneapolis wurde Bovino als Grenzschutzkommandeur abgezogen und vorzeitig in den Ruhestand entlassen.
AfD-Politiker holt sich Rat bei Ex-ICE-Chef
Ungeachtet dessen holte sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk Rat bei Bovino. Bei einem „Remigrationsgipfel“ Ende Mai in Portugal, an dem rechte Aktivisten, Influencer und Politiker aus ganz Europa teilnahmen, fragte er ihn, ob man solche Massenabschiebungen nicht auch in Europa realisieren könne. „Absolut“, antwortete Bovino in einem Video, das Gottschalk auf der Plattform X postete. „Ich bin nur einen Anruf entfernt.“
Einigkeit zwischen Chrupalla und Tritschler besteht indes bei der Kritik an Trumps Außenpolitik. Der US-Präsident habe vor seiner Amtsübernahme versprochen, den Ukrainekrieg „innerhalb von 24 Stunden zu beenden“. Doch „zur Halbzeit tobt der Krieg noch immer“, sagte Chrupalla. „Und nicht nur das. Trump hat gegen den Iran einen Krieg begonnen, der sein Vermächtnis zu werden droht.“
Chrupalla machte Trumps Politik auch für dessen jüngste Niederlagen bei den US-Zwischenwahlen verantwortlich. Die US-Amerikaner hätten 2024 „für Frieden und soziale Sicherheit gestimmt“. Stattdessen belasteten militärische Konflikte die Bevölkerung. „Kriege führen zu hohen Lebenshaltungskosten und Tod auf beiden Seiten.“
Tritschler teilte diese Einschätzung. „Dass unnötige Kriege Trump nicht beliebter gemacht und ein gutes Stück zum Ergebnis der Midterms beigetragen haben, da sind wir uns sicher einig“, sagte der AfD-Vize.
Mit ihrer Wahlentscheidung bei den Zwischenwahlen hätten die US-Bürger nach Chrupallas Darstellung „eine Friedenspolitik eingefordert, damit das Leben sicher und erschwinglich wird“. Dieser Forderung müsse Trump nun folgen, um sein Vermächtnis zu retten.
Open Questions
- Wie wird die AfD ihre Strategie bei Abschiebungen offiziell festlegen?
- Werden weitere Landesverbände eigene Einheiten gründen?






