Modelle für stabile Ökonomie: Wirtschaftsnobelpreis geht an zwei US-Forscher
Die US-Ökonomen werden für die Entwicklung makroökonomischer Modelle zur Stabilisierungspolitik ausgezeichnet.
Quick Look
- Die US-Forscher Robert Hall und Michael Woodford erhalten den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
- Sie entwickelten makroökonomische Modelle, die Zentralbanken und Regierungen helfen, Konjunkturschwankungen besser zu bewältigen.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Wirtschaftspreis wurde 1968 gestiftet und wird seit 1969 vergeben. Er gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Ökonomen weltweit.
Zwei US-Ökonomen untersuchen, wie Regierungen und Zentralbanken wirtschaftliche Schwankungen begrenzen können. Dafür erhalten sie die mit gut einer Million Euro dotierte Auszeichnung.
Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an die beiden US-Forscher Robert Hall und Michael Woodford. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften verlieh ihnen die Ehrung für die Entwicklung neuer makroökonomischer Modelle, die heute Zentralbanken und Finanzministerien eine bessere Stabilisierungspolitik ermöglichen. "Die Preisträger haben dazu beigetragen, konjunkturelle Höhen und Tiefen abzufedern." Der 83-jährige Hall kommt von der Stanford University, der 70-jährige Woodford unterrichtet an der Columbia University in New York. Woodford nannte die Auszeichnung eine enorme Ehre. "Es ist eine große Überraschung, aber es fühlt sich sehr gut an", sagte der Forscher, der bei der Verkündung telefonisch zugeschaltet war.
Die Akademie würdigte die "mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung" der beiden Forscher. "Mit ihnen sind wir besser gerüstet, um wirtschaftliche Schocks wie Energiekrisen oder plötzliche Veränderungen im Konsumverhalten der Haushalte zu bewältigen", erklärte John Hassler, Vorsitzender des Preiskomitees. Anstatt Wirtschaftsmodelle auf statistischen Zusammenhängen zwischen makroökonomischen Größen wie Inflation, Produktion und Konsum aufzubauen, hätten sich Hall und Woodford für ein mikroökonomisches Fundament entschieden. "Dies beinhaltet das Verständnis dafür, wie die Gesamtheit der einzelnen Haushalte und Unternehmen durch ihr Handeln die Wirtschaft beeinflusst", so die Akademie.
Die Auszeichnung gehe an eine Forschung, die Theorie und wirtschaftspolitische Praxis erfolgreich verbinde, erklärte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest. "Konjunkturschwankungen, Arbeitslosigkeit und Inflation lassen sich nur verstehen, wenn man berücksichtigt, wie Haushalte und Unternehmen entscheiden und wie sie auf wirtschaftspolitische Maßnahmen reagieren", sagte der Münchner Ökonom. "Hall hat unser Verständnis von Konsum, Arbeitsmärkten und Konjunktur geprägt." Woodford habe gezeigt, welche zentrale Rolle Erwartungen und die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken für die Wirkung der Geldpolitik spielen. "Seine Forschung erklärt insbesondere, weshalb nicht nur aktuelle Zinsentscheidungen zählen, sondern auch die Erwartungen über den künftigen geldpolitischen Kurs." Im aktuellen Umfeld steigender Inflation und mehr Attacken auf die Unabhängigkeit von Zentralbanken sei die Forschung wichtig.
Im Gegensatz zu den Ölpreisschocks der 1970er Jahre, als Zentralbanken Probleme hatten, die extrem hohe Inflation zu bekämpfen, erwies sich der neue Analyserahmen laut Woodford während der globalen Finanzkrise der späten 2000er Jahre als nützlich, um traditionelle Instrumente der Geldpolitik zu ergänzen. "Deutlichere Aussagen über den wahrscheinlichen künftigen Kurs der Zinspolitik zu treffen, anstatt sich nur darauf zu verlassen, die Zinsen unmittelbar weiter senken zu können – das war ein wichtiger Bestandteil der politischen Reaktion in den Jahren ab 2009", betonte Woodford.
Der Präsident des Kiel Instituts, Moritz Schularick, erklärte, Woodford habe gezeigt, "dass für Zentralbanken das, was sie über die Zukunft sagen, genauso wichtig ist wie das, was sie heute tun." Deshalb werde auf den Pressekonferenzen der Europäischen Zentralbank "jedes Wort auf die Goldwaage gelegt".
Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wird traditionell am Montag nach den anderen Nobelpreisen bekannt gegeben. Er geht als einziger der Preise nicht auf das Testament des schwedischen Industriellen und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Der Wirtschaftspreis wurde 1968 nachträglich gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Deshalb nennt die Nobel-Stiftung ihn nicht offiziell Nobelpreis, sondern Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Wie die anderen Auszeichnungen wird er am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, verliehen - und zwar in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.
In der vergangenen Woche waren bereits Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden verkündet worden. Unter den drei Medizin-Preisträgern sind mit Peter Hegemann und Georg Nagel diesmal zwei deutsche Forscher. Die berühmte Auszeichnung für Literatur ging in diesem Jahr an die kanadische Dichterin, Übersetzerin und Essayistin Anne Carson. Den Friedensnobelpreis bekam die südafrikanische Spitzenjuristin Navanethem Pillay für ihren Einsatz gegen Völkermord und für Menschenrechte.
2025 ging der prestigeträchtige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zur einen Hälfte an den israelisch-amerikanischen Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr, zur anderen Hälfte an den Franzosen Philippe Aghion und den Kanadier Peter Howitt. Sie wurden für ihre Forschung zum stetigen Wachstum von Volkswirtschaften ausgezeichnet.
Dotiert ist der Preis in diesem Jahr wie die anderen Auszeichnungen auch mit zwölf Millionen schwedischen Kronen - das entspricht etwas mehr als einer Million Euro.
Open Questions
- Welche weiteren Auswirkungen hat die Forschung auf die aktuelle Inflationsbekämpfung?







