Nach Neuauszählung in Berlin-Spandau verlieren CDU, SPD, Grüne und Linke insgesamt fünf Sitze im Abgeordnetenhaus
Quick Look
- Nach der Neuauszählung des Wahlergebnisses im Berliner Wahlkreis Spandau 1 gewinnt der AfD-Kandidat Tommy Tabor das Direktmandat statt der CDU-Kandidatin Bettina Meißner.
- Dadurch entfallen fünf Sitze: jeweils einer für CDU, SPD und Grüne sowie zwei für die Linke.
- Das Berliner Landesparlament wird voraussichtlich 153 statt 158 Sitze haben.
AI-generated summary
Why It Matters
Bei der Wahl in Berlin wurden zunächst 158 Sitze im Abgeordnetenhaus erwartet. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei über die Erststimme mehr Direktmandate gewinnt als nach dem Zweitstimmenergebnis zusteht. Diese werden durch Ausgleichsmandate anderer Parteien ausgeglichen, um das Verhältnis der Zweitstimmen zu wahren.
Nach der Neuauszählung eines Wahlergebnisses in Berlin-Spandau gibt es im Berliner Landesparlament voraussichtlich fünf Abgeordnete weniger als bisher erwartet. Das teilte Landeswahlleiter Stephan Bröchler auf dpa-Anfrage mit. «Nach dem jetzigen Stand wird das Parlament 153 Sitze haben. In der Wahlnacht sind wir noch von 158 ausgegangen», sagte er. Jeweils einen Sitz weniger gebe es für CDU, SPD und Grüne. Bei der Linken seien es zwei Sitze. Zuvor hatten mehrere Berliner Medien über das Thema berichtet.
Den Ausschlag gab die Nachzählung des Ergebnisses im Wahlkreis Spandau 1. Dort stellte sich heraus, dass der AfD-Kandidat Tommy Tabor die meisten Stimmen und damit das Direktmandat erreicht hat, nicht die CDU-Kandidatin Bettina Meißner, wie Bröchler erläuterte.
Anlass der Nachzählung war nach seinen Angaben, dass die per Telefon übermittelte Schnellmeldung des Ergebnisses nicht mit dem in der Niederschrift des Wahlvorstands übereinstimmte. Dort sei die korrekte Zahl festgehalten worden, nach der Tabor vorn liegt und nicht Meißner. Zu den Gründen für die falsche telefonische Übermittlung könne er nichts sagen.
CDU-Kandidatin kommt nicht ins Landesparlament
Meißner zieht auch nicht über die Bezirksliste ins Abgeordnetenhaus ein und ist damit im neuen Parlament nicht vertreten, wie ein Sprecher der CDU-Fraktion auf Anfrage sagte.
Bei den vier weiteren Sitzen, die aufgrund der entfallenden Ausgleichsmandate ebenfalls wegfallen, handelt es sich laut Landeswahlleiter um diejenigen von Martin Matz (SPD), Oda Hassepaß (Grüne), Coco Aglibut und Bettina Günter (beide Linke). Die endgültige Feststellung obliege den zuständigen Wahlorganen, zuletzt dem Landeswahlausschuss in seiner für den 12. Oktober geplanten Sitzung, hieß es.
Für die bisher rechnerisch denkbaren Koalitionsmöglichkeiten hat die veränderte Sitzzahl grundsätzlich keine Auswirkungen: Die Linke käme nach der neuen Berechnung auf 45, die CDU auf 33, die Grünen auf 25 und die SPD auf 21 Sitze. Die Mehrheit im Landesparlament ist bei einer Gesamtzahl von 153 Sitzen bei 77 erreicht. Die Zahl der AfD-Abgeordneten bleibt unverändert bei 29. Eine Dreierkoalition aus CDU, Grünen und SPD hätte derzeit eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen, Rot-Grün-Rot eine von 14 Stimmen.
Warum plötzlich fünf Abgeordnete ihre Mandate verlieren
Wie hängt das alles mit der Nachzählung in Spandau zusammen? Weil die betreffende CDU-Kandidatin dort kein Direktmandat bekommen habe, falle ein Überhangmandat weg, sagte Bröchler. Damit müsse auch die Zahl der Ausgleichsmandate neu berechnet werden.
Vor der Neuauszählung standen der CDU im Abgeordnetenhaus 34 Sitze zu, darunter 6 Überhangmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei über die Erststimme mehr Direktmandate gewinnt, als ihr nach dem Anteil der Zweitstimmen eigentlich zustehen.
Um das über die Zweitstimmen festgestellte Kräfteverhältnis im Parlament zu wahren, wurden diese Überhangmandate über Ausgleichsmandate für die anderen Parteien aufgewogen. Die nach der Wahl errechneten 21 Ausgleichsmandate für ganz Berlin verteilten sich auf SPD (4), Grüne (4), Linke (8) und AfD (5).
Da nach der Neuauszählung in Spandau ein CDU-Direktmandat entfällt und der Partei eines der Überhangmandate verloren geht, stehen der CDU also statt 34 nur noch 33 Sitze zu. Auf dieser Grundlage wird berechnet: Insgesamt wird es nur noch 153 statt der 158 Sitze im Abgeordnetenhaus geben. Das heißt: Auch vier Ausgleichsmandate für die anderen Parteien entfallen.
Das Ergebnis der Nachzählung in dem Wahlkreis in Spandau sieht Bröchler grundsätzlich nicht kritisch: «Wir haben kein Wahlchaos in Berlin», betonte er. «Momentan wird ein geordneter Kontrollprozess durchgeführt.» Und genau das sei in Spandau zum Tragen gekommen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Landeswahlausschuss wird das endgültige Wahlergebnis in seiner Sitzung am 12. Oktober bestätigen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Warum wurde die Schnellmeldung per Telefon falsch übermittelt?
- Welche genauen Umstände führten zur Diskrepanz zwischen telefonischer Meldung und Niederschrift?
- Wird es rechtliche Konsequenzen wegen der fehlerhaften Schnellmeldung geben?
