Passives Einkommen: ETF-Portfolio für monatliche Ausschüttungen
Mit drei gezielt kombinierten Dividenden-ETFs können Anleger das ganze Jahr über regelmäßige Auszahlungen generieren.
Quick Look
- Das Handelsblatt analysiert ein Portfolio aus drei globalen Dividenden-ETFs, das durch versetzte Ausschüttungsmonate ein monatliches Zusatzeinkommen ermöglicht.
- Die Strategie erfordert eine hohe Investitionssumme für signifikante Beträge.
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Why It Matters
Anleger suchen nach Wegen, durch Dividenden-ETFs ein monatliches passives Einkommen zu generieren. Das Handelsblatt hat hierfür eine Kombination aus drei spezifischen ETFs analysiert.
Düsseldorf. Ein monatliches Zusatzeinkommen, ohne dafür arbeiten zu müssen? Das ist mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) möglich, die Dividenden, Zinsen oder Optionsprämien an die Anleger ausschütten, statt direkt zu reinvestieren.
Das Handelsblatt hat mit Daten der Vergleichsplattform ExtraETF beispielhaft ein Portfolio aus drei Aktien-ETFs zusammengestellt, durch die Anleger jedes Jahr von Januar bis Dezember Geld ausgezahlt bekommen – je nach Investitionssumme ein zusätzliches Taschengeld oder ein kleines Nebeneinkommen.
Voraussetzung war, dass das ETF-Portfolio möglichst breit gestreut zusammengestellt sein sollte. Außerdem musste die aktuelle Ausschüttungsrendite bei mindestens drei Prozent pro Jahr liegen und die Ausschüttungsrendite auf Sicht von einem, drei und fünf Jahren gestiegen sein. So entstand ein Depot aus drei ETFs, das Anlegern das gesamte Jahr über Geld auszahlt.
1. ETF: iShares Stoxx Global Select Dividend 100
Der „iShares Stoxx Global Select Dividend 100“ (ISIN: DE000A0F5UH1) schüttet seine Dividenden im Januar, April, Juli und Oktober aus. Er ist der einzige ETF, der den ExtraETF-Daten zufolge diese Monate abdeckt, alle Kriterien erfüllt und gleichzeitig weltweit investiert.
Der Fonds wurde bereits im Jahr 2009 aufgelegt und gehört mit einem verwalteten Vermögen von 5,1 Milliarden Euro zu den größten Dividenden-ETFs. Die jährlichen Kosten betragen 0,46 Prozent. Damit ist er deutlich teurer als einfache Indexfonds, die etwa den MSCI All Country World Index (ACWI) abbilden. Hier liegen die Kosten teilweise bei rund 0,1 Prozent.
Der ETF führt drei Indizes zusammen: den Stoxx Europe Select Dividend 30 Index, den Stoxx North America Select Dividend 40 Index und den Stoxx Asia/Pacific Select Dividend 30 Index. So entsteht ein Korb aus 100 Aktien.
Für die Aufnahme in den Index müssen die Unternehmen in vier von fünf Kalenderjahren Dividenden gezahlt haben, in den vergangenen fünf Jahren kein negatives Dividendenwachstum verzeichnet haben, und die Ausschüttungsquote darf in Europa und den USA maximal 60 Prozent betragen. In Asien/Pazifik liegt die Grenze bei 80 Prozent. Die Quote soll gewährleisten, dass die gewählten Unternehmen genügend Geld zur Verfügung haben, um in künftiges Wachstum zu investieren.
Die Aktien werden nach ihrer Nettodividendenrendite gerankt: Je höher der Wert, desto höher das Gewicht im Index, wobei die Obergrenze für einzelne Unternehmen bei zehn Prozent liegt. Der Index wird jährlich neu gewichtet. Zudem wird vierteljährlich überprüft, ob alle Unternehmen noch die Auswahlkriterien erfüllt.
2. ETF: State Street SPDR S&P Global Dividend Aristocrats
Der „State Street SPDR S&P Global Dividend Aristocrats“ (IE00B9CQXS71) wurde 2013 aufgelegt und verwaltet ein Vermögen von knapp 1,8 Milliarden Euro. Er ist der einzige weltweit investierende ETF, der im Februar, Mai, August und November Dividenden ausschüttet und alle Kriterien erfüllt. Die jährlichen Kosten liegen bei 0,45 Prozent.
Der ETF investiert weltweit in Dividendenaktien aus Industrieländern und Schwellenländern, wobei russische, indische und chinesische Aktien nur mit Einschränkungen verfügbar sind. Das Investmentuniversum ist der global ausgerichtete Index S&P Global BMI, der aus mehr als 14.000 Aktien besteht.
Aus diesen werden 100 Aktien gewählt, die seit mindestens zehn Jahren ihre Dividenden erhöhen oder zumindest konstant halten. Die Dividendenausschüttungen dürfen dabei nicht höher sein als der Unternehmensgewinn, und die Dividendenrendite darf maximal zehn Prozent betragen.
Außerdem muss die Marktkapitalisierung bei mindestens einer Milliarde Dollar liegen und das tägliche Handelsvolumen im Schnitt bei mindestens fünf Millionen Dollar liegen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass nur gesunde und ausreichend große Unternehmen vertreten sind.
Die Zusammensetzung wird zweimal jährlich vollständig überprüft und neu gewichtet. Dabei ist das Gewicht einer einzelnen Aktie auf maximal drei Prozent begrenzt, muss aber mindestens 0,05 Prozent betragen.
3. ETF: VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders
Der „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders“ (NL0011683594) schüttet seine Dividenden im März, Juni, September und Dezember aus. Er ist ebenfalls der einzige ETF, der diese Monate abdeckt, alle Kriterien erfüllt und gleichzeitig weltweit investiert.
Der ETF wurde 2016 aufgelegt. Insbesondere in den vergangenen Jahren ist er stark gewachsen, sodass er mittlerweile 9,3 Milliarden Euro verwaltet. Die jährlichen Kosten betragen 0,38 Prozent.
Der Index umfasst die nach Marktkapitalisierung größten 70 Prozent der Aktien aus Industrienationen. Daraus können lediglich Unternehmen in den ETF aufgenommen werden, die in den vergangenen zwölf Monaten ihre Dividenden erhöht haben, über fünf Jahre ihre Dividenden nicht gesenkt haben und deren Ausschüttungsquote maximal 75 Prozent beträgt.
Ausgeschlossen sind Unternehmen, die Kapital von Anlegern bündeln, um in Immobilien zu investieren (Reits). Auch Unternehmen, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen und deren Aktien nicht liquide genug sind, werden ausgeschlossen.
Aus den verbleibenden Aktien werden die 100 mit der höchsten Dividendenrendite ausgewählt, wobei das Gewicht von einzelnen Aktien auf fünf Prozent begrenzt ist. Die Zusammensetzung wird halbjährlich überprüft und neu gewichtet.
Das Portfolio
Würden Anleger diese ETFs kombinieren und gleich gewichten, entstünde ein Portfolio, das sich deutlich von anderen Welt-ETFs unterscheidet. Aktien aus Nordamerika hätten ein Gewicht von 37 Prozent. Europa käme auf fast 43 Prozent und Asien auf 13 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Aktien aus dem Pazifikraum, Lateinamerika und Osteuropa.
Zum Vergleich: Im MSCI ACWI haben Aktien aus Nordamerika aktuell ein Gewicht von rund 66 Prozent, Asien rund 16 Prozent und Europa knapp 14 Prozent. Es entstünde also eine deutliche Umgewichtung zugunsten europäischer Aktien.
Auch bei den Sektoren würden sich deutliche Änderungen ergeben: Im MSCI ACWI hat die IT-Branche mit 32 Prozent das höchste Gewicht, gefolgt von Finanzen mit 16,5 Prozent und Industrie (10,5 Prozent).
Im Dividendenportfolio beträgt der IT-Anteil dagegen nur 1,5 Prozent. Dafür bauen sich andere Schwerpunkte auf: Hier ist der Finanzsektor am stärksten gewichtet (37 Prozent), gefolgt von Energie und Versorgern (jeweils gut neun Prozent).
Durch die regelmäßige Überprüfung der ETFs kann sich die Zusammensetzung aber ändern. Außerdem verschiebt sich durch die unterschiedliche Wertentwicklung auch die Gewichtung der einzelnen ETFs, die ihrerseits unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Das Einkommen
Wer zum 1. Januar 2023 jeweils 10.000 Euro – also insgesamt 30.000 Euro – in die drei vorgestellten ETFs investiert hätte, hätte bis Ende Mai vor Steuern insgesamt knapp 4800 Euro an Dividenden ausgeschüttet bekommen. Das sind rund 16 Prozent der Anfangsinvestition.
Unter Berücksichtigung von Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag und ohne Anrechnung des Sparerpauschbetrags von 1000 Euro pro Jahr und Person wäre die Summe auf rund 3500 Euro geschrumpft. Die Auswertung zeigt zudem, dass die Auszahlungen stark schwanken.
Nach Abzug von Steuern hätten Anleger im schlechtesten Monat, dem März 2024, lediglich knapp 34 Euro ausgezahlt bekommen. Im besten Fall, dem Juni 2023, wären es dagegen 201 Euro gewesen.
Mit Auszahlungen von 34 bis 201 Euro hätten Anleger also lediglich ein kleines Taschengeld verdient. Um über die Grenze von 1000 Euro zu kommen, hätte die Investitionssumme deutlich größer sein müssen.
Selbst wenn Anleger ihre anfängliche Investitionssumme verzehnfacht hätten, auf jeweils 100.000 Euro, hätte die ausgezahlte Summe nur in neun von 41 Monaten nach Steuern die 1000-Euro-Grenze überschritten. In diesem Fall hätten die Auszahlungen zwischen 340 und 2010 Euro geschwankt.
Wie sich die Auszahlungen in den künftigen Jahren entwickeln, ist spekulativ. Das Handelsblatt hat aber einen Rechner gebaut, bei dem aus der vergangenen Dividendenentwicklung eine Spannbreite für die Zukunft berechnet wurde.
Die Rendite
Wer nicht nur auf die Ausschüttungen achtet, sondern auch auf den Vermögensaufbau zielt, muss Kursentwicklung und Dividendenzahlungen zusammen betrachten. Dann lässt sich für das angenommene Investment von insgesamt 30.000 Euro auch eine Gesamtrendite berechnen. Fallen die Kurse der ETFs, können Anleger auch Geld verlieren.
Beim VanEck-ETF liegt das Kursplus seit 2023 bei gut 50 Prozent, beim iShares-ETF sind es immerhin rund 30 Prozent, der SPDR-ETF liegt mit rund zehn Prozent deutlich zurück. Insgesamt kämen damit nach aktuellem Stand (Schlusskurs vom 28. Mai) zu Dividendenausschüttungen von knapp 4800 Euro Kursgewinne in Höhe von gut 9600 Euro. Der gesamte Gewinn hätte also rund 14.400 Euro vor Steuern betragen.
Bei einem eingesetzten Kapital von 30.000 Euro ergibt das nach knapp dreieinhalb Jahren eine Rendite von gut 50 Prozent. Aus Renditesicht besser gefahren wären Anleger in dem Zeitraum, wenn sie in einen breit gestreuten Welt-ETF investiert hätten, der seine Dividendenzahlungen reinvestiert.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Ausschüttungen bei Marktcrashs?
- Wie hoch sind die langfristigen steuerlichen Auswirkungen?






