Deutsche Wirtschaftsinstitute heben Konjunkturprognosen an
Führende Institute sehen Anzeichen für eine Erholung, warnen jedoch vor strukturellen Problemen und geopolitischen Risiken.
Quick Look
- Führende deutsche Wirtschaftsinstitute haben ihre BIP-Prognosen für 2026 aufgrund besserer Exportdaten und abgefederten Kriegsfolgen deutlich angehoben.
- Trotz der Erholung warnen Experten vor strukturellen Problemen, hoher Inflation und schwachem Privatkonsum.
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Why It Matters
Die deutsche Wirtschaft durchlief eine Phase von Rezession und Stagnation. Die Prognosen basieren auf revidierten Daten für Ende 2025 und Anfang 2026.
Die Ökonominnen und Ökonomen der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute erhöhten ihre Konjunkturprognosen spürbar. Sie begründen dies mit überraschend guten Exporten und glimpflicheren Auswirkungen durch den Iran-Krieg als befürchtet. Am optimistischsten sind das Münchner ifo Institut und das IWH aus Halle, die für 2026 je mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,4 Prozent rechnen.
"Die deutsche Wirtschaft hat den Schock durch die steigenden Energiepreise erstaunlich gut weggesteckt", sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Die Erholungskräfte haben im Verlauf des Jahres konjunkturell die Oberhand gewonnen." Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland verhinderten stärkere Bremsspuren beim Wachstum durch die hohen Energiekosten und das Niedrigwasser auf den Flüssen, erklärte Wollmershäuser. Für nächstes Jahr veranschlagt der Ifo-Experte 1,2 Prozent Wachstum.
"Die deutsche Wirtschaft hat wieder Tritt gefasst", teilten die Kieler Forscher vom IfW mit, die ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,8 auf 1,3 Prozent erhöhten. Damit mehrten sich Zeichen, dass die Konjunktur ihre Talsohle durchschritten habe. "Trotz der zuletzt günstigen Entwicklung steht die Erholung aber noch auf wackeligen Beinen", warnte das IfW. So drohten Rückschläge durch die Folgen des Iran-Kriegs.
"Strukturelle Probleme nicht verschwunden"
Ähnlich äußerte sich das RWI aus Essen. "Die Erholung ist zwar da, die strukturellen Probleme sind aber nicht verschwunden", erklärte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. "Hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsen Deutschland weiter aus." Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dem RWI zufolge um 1,3 Prozent steigen und 2027 um 1,1 Prozent zulegen. Nach drei Jahren Rezession, Stagnation und Mini-Wachstum wären das die kräftigsten Zuwächse seit vier Jahren - als die Konjunktur um 1,9 Prozent zulegte.
2028 rechnen RWI und IfW mit 0,5 Prozent Wachstum, das ifo mit 0,8 Prozent - das IWH aus Halle aber nur mit plus 0,2 Prozent. Bereits am gestrigen Mittwoch hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Prognose angehoben. Es erwartet ein Wachstum von 1,2 Prozent in diesem Jahr, ein Plus von 0,7 Punkten im Vergleich zum Juni.
Grund für das deutliche Erhöhen der Prognosen war auch, dass das Wirtschaftswachstum Ende 2025 und Anfang 2026 nach revidierten Daten vom Statistikamt besser ausfiel als ursprünglich angenommen. Dies sorgt quasi für eine bessere Startrampe beim BIP für das laufende Jahr. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach plus 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026.
Kaum Erholung für Privathaushalte
Für Rückenwind sorgen die Mehrausgaben der öffentlichen Hand für Infrastruktur und Verteidigung. "Exporte und Staatsausgaben bringen Bewegung in die Wirtschaft - doch ohne mehr private Investitionen und Konsum bleibt die Erholung fragil", warnte RWI-Experte Schmidt. "Bei den privaten Haushalten kommt von der Erholung bislang kaum etwas an."
Grund dafür ist neben der Unsicherheit durch die geopolitischen Risiken die hohe Inflation. Die Teuerungsrate wird laut ifo in diesem und im kommenden Jahr auf 2,8 beziehungsweise 3,0 Prozent steigen. Erst 2028 dürfte sie sich mit 2,3 Prozent wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent der Europäischen Zentralbank bewegen. "Allerdings dürften vor allem die Verbraucherpreise für Strom und Gas im Winter nochmals steigen", erläuterte Wollmershäuser. Wegen der Inflation bleibe der Konsum gedämpft.
Auch das RWI erklärte: "Die Teuerung steht weiter stark im Zeichen des Iran-Kriegs." Die Ausgaben durch das Sondervermögen verstärken die Finanzierungsdefizite des Staates. Das Budgetdefizit dürfte sich nach ifo-Berechnungen von 3,0 Prozent des Wirtschaftskraft 2025 auf 4,6 Prozent 2028 ausweiten.
DIHK warnt vor "neuem Ausmaß" des Drucks aus China
Das ifo, RWI, IfW, IWH und DIW legen der Bundesregierung am 24. September ihr gemeinsames Herbstgutachten vor. Die Regierung nutzt dies für ihre eigene Konjunkturprognose, die wiederum Grundlage für das Aufstellen der öffentlichen Haushalte ist.
Während die Institute der lange schwächelnden Industrie einen Aufwärtstrend bescheinigen, sieht sich die Wirtschaft wegen verschärfter Konkurrenz durch chinesische Unternehmen zunehmend unter Druck. "Der Wettbewerb mit China hat ein neues Ausmaß erreicht", sagte Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer zu einer DIHK-Umfrage unter 1300 Firmen. "Chinesische Unternehmen konkurrieren längst nicht mehr nur über Menge und Preis." Sie seien technologisch stark, innovativ und international immer präsenter.
What to Watch
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Vorlage des gemeinsamen Herbstgutachtens der Wirtschaftsinstitute.
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- Wie entwickeln sich die Energiepreise im kommenden Winter?
- Wann wird sich der Privatkonsum spürbar erholen?






