Putin droht Kiew und spricht von „Büchse der Pandora“
Russland intensiviert Angriffe auf die Ukraine; Außenminister Wadephul besucht Kiew und kritisiert Einschüchterung der Presse.
Quick Look
- Nach ukrainischen Angriffen auf russische Infrastruktur droht Wladimir Putin mit zerstörerischeren Gegenmaßnahmen.
- Währenddessen besucht Außenminister Johann Wadephul Kiew, während Russland zivile Ziele wie ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih bombardiert.
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Why It Matters
Russland führt seit über vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Ukraine hat zuletzt verstärkt Ölraffinerien und Logistikzentren in Russland angegriffen.
Kremlchef Präsident Wladimir Putin hat nach den ukrainischen Angriffen auf Ölraffinerien und Logistikzentren in Russland mit einer harten Antwort gedroht. Die Ukraine habe mit den Attacken gegen die russische Wirtschaft die „Büchse der Pandora“ geöffnet, sagte Putin in seinem ersten Interview mit dem Moskauer Staatsfernsehen seit Beginn der Angriffe vor einigen Wochen. Kiew habe nun selbst den „Geist aus der Flasche“ gelassen.
„Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die bekommt ihr“, sagt er. Ultranationalistische Kreise in Russland hatten Putin zuletzt aufgefordert, härter gegen die Ukraine vorzugehen. Nun drohte er: „Dabei werden die Handlungen der russischen Armee noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen.“ Die Ukraine habe diese Reaktion selbst provoziert, behauptete Putin, der vor viereinhalb Jahren seinen Angriffskrieg gegen das Nachbarland begonnen hatte.
Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht die Ukraine in der Abwehr von Russlands Angriffskrieg klar auf Siegeskurs. „Putin muss wissen, gemeinsam mit ihren Unterstützern hat die Ukraine den längeren Atem auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: endlich Frieden“, sagte der CDU-Politiker in Kiew.
Wie der Krieg ende, sei eine entscheidende Frage für die Zukunft Europas. „Und er muss so enden, dass nicht das Recht des Stärkeren sich durchsetzt, sondern dass die Stärke des Rechts sich durchsetzt“, sagte der Minister. Wadephul betonte, dass er schon nächste Woche weiter versuchen werde, Bündnispartner zur Abgabe von Patriot-Abwehrraketen an die Ukraine zu bewegen. „Die Dringlichkeit, die Ukraine mit weiteren Luftverteidigungssystemen zu unterstützen, wird hier noch einmal deutlich“, sagte er.
Während des Aufenthalts von Außenminister Johann Wadephul in Kiew hat Russland den Vorort Boryspil mit ballistischen Raketen angegriffen. Mitteilungen der ukrainischen Luftwaffe zufolge sind dabei mindestens drei Raketen eingesetzt worden. Boryspil mit dem seit Kriegsbeginn geschlossenen internationalen Flughafen liegt nur knapp 30 Kilometer östlich der Dreimillionenstadt. Luftalarm galt auch für Kiew.
Außenminister Johann Wadephul hat bei seinem Besuch in der Ukraine russische Einschüchterungsversuche der Presse in Deutschland kritisiert und deutlich gemacht, dass man sich diesen nicht beugen werde. „Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ist die größte Bedrohung der europäischen Sicherheit“, sagte Wadephul am Samstagmorgen in Kiew. Dieser Krieg betreffe uns alle.
„Er stellt uns vor immer neue Herausforderungen, auch durch hybride Angriffe wie Desinformation mit dem Ziel der Einschüchterung auch von Presseorganen in Deutschland und Sabotage“, sagte der Außenminister. „Diesen Herausforderungen begegnen wir gemeinsam“, fügte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha. „Die Spaltungsversuche machen uns nur entschlossener, die Ukraine weiter zu unterstützen, so lange wie es nötig ist.“
Zuvor war bekannt geworden, dass die russischen Behörden Michael Martens, den Balkan-Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zur Fahndung ausgeschrieben haben. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS findet sich in der Fahndungsdatenbank des russischen Innenministeriums ein Eintrag unter seinem Namen, in dem als Grund für die Suche ein Strafverfahren angegeben wird. Vorher hatte TASS bereits gemeldet, dass gegen Martens ein Strafverfahren nach Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuchs eröffnet worden sei. Dieser sieht für die „Aufstachelung zu Hass oder Feindschaft“ in Massenmedien bis zu sechs Jahre Haft vor.
Die F.A.Z. hatte mitgeteilt, dass die Fahndung ein Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse sei. Man weise diesen Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern. Widersprüchliche russische Medienberichte gab es darüber, ob auch ein internationaler Haftbefehl gegen Martens ausgestellt wurde. TASS meldete am Donnerstag, das sei noch nicht der Fall. Über diese Frage werde entschieden.
Bei ukrainischen Drohnenangriffen in der russischen Region Samara sind örtlichen Angaben zufolge eine Industrieanlage sowie ein Lagerhaus des Online-Händlers Ozon getroffen worden. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, wie Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew bei Telegram mitteilte.
Ozon erklärte, die Arbeit in dem Logistikzentrum in der Stadt Tschapajewsk sei nach dem Angriff eingestellt worden. Es ist der erste bekannte Angriff auf das Unternehmen, nachdem in den vergangenen Wochen der größere Konkurrent Wildberries im Visier stand. Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, in der Nacht insgesamt 457 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben.
Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht zum Samstag abermals die Ukraine angegriffen. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet worden, teilten die Behörden mit. In der Hauptstadt Kiew brach nach Angaben der Militärverwaltung durch die Angriffe ein Feuer in einer Lagerhalle aus. Dabei seien ein Mensch getötet und mehrere weitere Menschen verletzt worden.
Angriffe wurden unter anderem auch aus dem südukrainischen Saporischschja gemeldet. Bei einem Drohnenangriff seien ein Mann getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, erklärte die Militärverwaltung der Region.
Außenminister Johann Wadephul hat bei einem Besuch in der Ukraine dazu aufgerufen, das Leid der Menschen in dem von Russland überfallenen Land nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die Ferienwochen im Juli und August, für Menschen überall in Europa die schönste Zeit des Jahres, waren für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten seit mehr als vier Jahren“, sagte Wadephul bei seiner Ankunft am Bahnhof von Kiew am Samstagmorgen.
Nie vorher habe Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland abgefeuert. „Jeden Tag werden Frauen, Männer und Kinder von Russland der Zukunft beraubt, auf die das ganze Land hofft und nach der das ganze Land strebt“, sagte Wadephul. „Einer Zukunft in Frieden, einer Zukunft endlich ohne Angst um Freunde und Familie, ohne Angst vor dem, was die nächste Nacht bringt.“
Bei dem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih steigt die Zahl der Toten auf mindestens 16. „Angriffe wie diese sind nichts anderes als Terrorakte“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj und verweist auf eine zweite Drohne, die eine halbe Stunde nach dem ersten Einschlag in das Gebäude eingeschlagen sei; damit hätten offenbar gezielt Rettungskräfte getroffen werden sollen.
Mehr als 130 Menschen seien verletzt worden, darunter 22 Kinder, teilte Regionalgouverneur Olexandr Hanscha mit. Neun Personen gelten demnach noch als vermisst. Selenskyj kündigte eine Antwort auf die Attacke in seiner Heimatstadt an.
Die Ukrainer dürfen in ihrem Land nicht mehr die international bekannte russische Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ sehen. Die Regierung belegte die Filmemacher mit Sanktionen und bezeichnete die Trickfilme als eine Gefahr für die nationale Sicherheit.
„Allein im Jahr 2025 hatte der ukrainischsprachige YouTube-Kanal von „Mascha und der Bär“ über 800 Millionen Aufrufe“, schrieb Kulturministerin Tetjana Bereschna bei Facebook. Nun gebe es die rechtliche Handhabe, um die Filme in der Ukraine zu blockieren. „Für russische Propaganda gibt es keinen Platz auf Kinderbildschirmen. Weder in der Ukraine noch in der Welt!“, schrieb sie.
Open Questions
- Wie sieht die konkrete militärische Antwort Russlands aus?
- Werden weitere Länder Patriot-Systeme an die Ukraine liefern?





