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Rechter Influencer Simone Carabella provoziert bei Moschee-Streit in Venedig
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Rechter Influencer Simone Carabella provoziert bei Moschee-Streit in Venedig

Quick Look

  • Der rechte Influencer Simone Carabella reiste nach Venedig, um gegen den geplanten Bau einer Moschee für bangladeschadeschische Migranten zu protestieren.
  • Dabei filmte er das Freitagsgebet im Freien, aß ein Schinkenbrötchen neben dem Vorbeter und löste eine Eskalation aus, bei der die Polizei ihn vor aufgebrachter Menge in Sicherheit brachte.
  • Der Streit um die Moschee zeigt den aktuellen Kulturkampf in Italien um Migration und Islam, während die bangladeschische Gemeinschaft den Bau finanziert hat und nun von der neuen Stadtregierung um Simone Venturini ausgebremst wird, die eine Änderung des Bebauungsplans verlangt.

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Why It Matters

Der Streit um den Bau einer großen Moschee in Venedig schwelt seit Jahren. Die bangladeschische Gemeinschaft, die vor allem in Mestre bei Fincantieri arbeitet, hat nach eigenen Angaben 15 Millionen Euro gesammelt und ein ehemaliges Sägewerksgelände in der Via Giustizia für 1,5 Millionen Euro erworben. Der frühere Bürgermeister Luigi Brugnaro hatte den Grundstückskauf ermöglicht, doch der neue Bürgermeister Simone Venturini bremst das Projekt und verlangt eine Änderung des Bebauungsplans.

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Simone Carabella ist zum Freitagsgebet aus Rom nach Venedig gereist. Nicht um zu beten, sondern um zu protestieren und zu provozieren. Der Ex-Bodybuilder ist heute als „Athletiktrainer und Kommunikator“ tätig; er kämpft „gegen Erniedrigung und Illegalität“, setzt sich für die „Wiederherstellung der Würde von Orten und Menschen“ ein, geht für „all jene auf die Straße, die nicht aufgeben“. So ist es, nebst seinem Leitspruch „Orgoglio Italiano“ (Italienischer Stolz), auf seinen Kanälen der sozialen Medien zu lesen.

Carabella ist neben Massimiliano Zossolo, der den Kanal „Welcome to Favelas“ betreibt, der bekannteste rechte Influencer der Hauptstadt. Die beiden und ihre Gefolgsleute protokollieren mit Handyfotos und -videos den „degrado“ von Rom, die Verwahrlosung des öffentlichen Raums: umgestürzte Bäume, wilde Müllhalden, von Dieben eingeschlagene Autoscheiben und abmontierte Reifen, Schlafstätten von Obdachlosen in Parks und auf Bürgersteigen, Schlägereien konkurrierender Dealer vor Markthallen.

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Mit Schinkenbrötchen neben dem Vorbeter

Carabella ist nach Venedig gekommen, um sich in den seit Jahren schwelenden Streit um den geplanten Bau einer großen Moschee für die vielen Tausend Migranten aus Bangladesch einzumischen. Die arbeiten vor allem auf der Fincantieri-Werft in der Vorstadt Mestre, wo Kreuzfahrtschiffe zusammengeschweißt werden. Aber auch im Fremdenverkehrsgewerbe von Venedig selbst sind viele „bengalesi“ tätig, wie Einwanderer aus Bangladesch in Italien genannt werden. Ihre Zahl wird auf 20.000 bis 40.000 geschätzt. Eine exakte Zahl ist kaum zu ermitteln, weil viele Bangladescher saisonal oder illegal in den Blocksiedlungen der Vorstädte leben. Sie sind die mit Abstand größte Migrantengruppe im Großraum Venedig.

Der „Ausflug“ von Simone Carabella nach Venedig zeigt, dass der Streit um die Moschee von Venedig derzeit der Hauptschauplatz in Italiens „Kulturkampf“ um die Migration ist, namentlich die muslimische. Am Freitag hatten sich wie gewohnt Hunderte Männer in einem Park von Mestre zum Wochengebet versammelt, denn es fehlt an einer großen Moschee. Carabella filmte das Gebet unter freiem Himmel mit seinem Handy, hockte sich unmittelbar neben den Vorbeter, in der freien Hand hielt er ein Schinkenbrötchen.

In Anwesenheit örtlicher Medienvertreter kam es zu der vom Influencer erwünschten Eskalation. Man werde nicht zulassen, dass „zweihundert Aufschneider die Lebensweise der Italiener verändern“, rief Carabella und beklagte, dass Frauen sich in dem Park nicht frei und in leichter Bekleidung bewegen könnten. Bald kam die Polizei. Und brachte Carabella vor der zunehmend aufgebrachten muslimischen Betgemeinschaft in Sicherheit. Manche riefen „Bastard!“. Einige wollten auf ihn losgehen.

„Wollen Sie es darauf ankommen lassen?“

Dabei schien der Streit um die Moschee schon beigelegt. Die Gemeinschaft der Bangladescher hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren die erforderlichen 15 Millionen Euro für den Bau gesammelt. Nach Verhandlungen mit dem Rathaus, noch unter dem früheren Bürgermeister Luigi Brugnaro, konnte das Gelände eines ehemaligen Sägewerks in der Via Giustizia erworben werden, rund 8000 Quadratmeter Grundfläche zum Preis von 1,5 Millionen Euro. Doch nun bremst der im vergangenen Mai gewählte neue Bürgermeister Simone Venturini. Er kam, wie sein Vorgänger und Mentor Brugnaro, als Kandidat eines Mitte-rechts-Bündnisses in sein Amt.

Die Gegend um das einstige Sägewerk sei als Gewerbegebiet ausgewiesen, heißt es nun aus Venturinis Rathaus. Um dort die Genehmigung zur Errichtung einer Kultstätte zu erteilen, müsse vom Stadtrat erst der Bebauungsplan geändert werden. Das kann dauern, und es braucht dazu eine Mehrheit unter den 40 Stadträten. Er sei zum Dialog bereit, sagt Venturini, sofern die muslimische Gemeinschaft aus Bangladesch weitere Schritte zur Integration in die italienische Gesellschaft unternehme.

Derweil droht Prince Howlader mit einem Streik der Bangladescher. Der 33 Jahre alte Unternehmer kam im Alter von sieben Jahren mit seinem Vater aus Bangladesch nach Mestre, als der einen Job bei Fincantieri annahm. Prince Howlader ist Vorsitzender des islamischen Vereins „Giovani per l’umanità“ (Jugend für die Menschheit), der die Baupläne für die Großmoschee vorantreibt.

„Wir sind bereit, alles lahmzulegen“, sagt Howlader. Das Rathaus könne nicht weiter auf Zeit spielen. „Diese Angelegenheit zieht sich schon seit mindestens 15 Jahren hin. Wenn man uns nicht erlaubt, unsere Moschee zu bauen, werden wir auf die Straße gehen. Und wenn wir streiken, kommen Mestre und Venedig zum Stillstand – die Fincantieri-Werft und der Fremdenverkehr in Küchen, Restaurants und Hotels. Wollen Sie es darauf ankommen lassen?“ Einen Termin für den Streik gibt es noch nicht. Man sei um Dialog bemüht, heißt es von beiden Seiten.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die Stadt Venedig wird eine öffentliche Ausschreibung oder Expertenkommission zur Bebauungsplanänderung einleiten.

    Likely · Within weeks

  • Die bangladeschische Gemeinschaft wird einen friedlichen Protest oder Kundgebung organisieren, sollte die Verzögerung anhalten.

    Possible · Within weeks

Open Questions

  • Wann wird eine Entscheidung über die Bebauungsplanänderung erwartet?
  • Welche konkreten Integrationsschritte verlangt die Stadtregierung von der bangladeschischen Gemeinschaft?
  • Gibt es rechtliche Schritte seitens der Muslimengemeinde gegen die Verzögerung?
  • Wie groß ist die tatsächliche Zahl der bangladeschischen Migranten im Raum Venedig?

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This article was originally published by FAZ.

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