
Der Parteitag in Birmingham zeigt die Ambitionen von Nigel Farage, doch interne Skandale und Vorwürfe der illegalen Parteienfinanzierung überschatten den Weg zur Macht.
Auf dem Parteitag in Birmingham demonstriert Reform UK unter Nigel Farage Machtansprüche, kämpft jedoch mit Vorwürfen illegaler Parteienfinanzierung durch Undercover-Aufnahmen und dem Ausschluss enger Mitarbeiter.
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Reform UK unter Nigel Farage ist eine rechtspopulistische Partei, die stark von Themen wie Einwanderung und dem Establishment-Gegensatz profitiert. Aktuell steht sie wegen Vorwürfen illegaler Parteispenden unter polizeilicher Beobachtung.
Blickt man nur auf die Zahlen, ist ein Sprung an die Macht keineswegs unrealistisch. Seit Frühjahr 2025 war die Partei um ihren Vorsitzenden Nigel Farage, 62, der hier nicht gefeiert, sondern verehrt wird, die längste Zeit die beliebteste im Land. Die mitgliederstärkste ist sie ohnehin. Warum sie dennoch damit zu kämpfen hat, nicht als unseriös, unprofessionell und chaotisch wahrgenommen zu werden, zeigt sich in diesen Tagen mit Wucht.
Ein Besucher kommt als Kreuzritter verkleidet, sein Schwert wurde ihm abgenommen
Die Besucher in Birmingham sind tendenziell älter, männlicher und weißer als der britische Durchschnitt. Aber auch Seniorinnen sind gekommen sowie junge Männer im Anzug, gern mit Fußballerfrisuren. Ein als Kreuzritter verkleideter Herr ist da, sein Schwert wurde ihm laut Berichten am Eingang abgenommen. Das Bild der Angereisten steht in Kontrast zu jenem der Menschen, die sich um dieses Publikum kümmern. Unter den Ordnerinnen und Ordnern, unter den Servicekräften hier ist kaum jemand weiß.
In den türkis getünchten Hallen finden neben den Reden etliche Panels auf diversen Bühnen statt. Sie behandeln die Krisen, die dieses Land zweifellos umtreiben: die Perspektivlosigkeit der Jugend, gestiegene Kriminalität, überfüllte Gefängnisse, zu wenig Wohnraum, ein kostspieliger Sozialstaat, Obdachlosigkeit, Armut. Als alleinige Schuldige an all diesen Problemen werden illegale Immigranten identifiziert sowie das korrupte Establishment in Westminster, das die Leute ins Land gelassen habe. An diesem kleinsten gemeinsamen Nenner der Anwesenden hat sich im Vergleich zum Parteitag vergangenes Jahr nichts geändert. Aber die Rechnung ist diesmal doch eine andere.
Im Kleinen achten die Organisatoren diesmal darauf, bei der Rednerliste auf die abseitigsten der Abseitigen zu verzichten. 2025 noch deutete ein geladener Kardiologe hier an, die Corona-Impfung sei für die Krebsfälle von König Charles III. und dessen Schwiegertochter Catherine verantwortlich. Im Großen aber musste sich das Stammpersonal eine Strategie überlegen, die parteieigenen Überzeugungen selbst unter schwierigsten Bedingungen weiter zu verteidigen. Etwa, wenn es um den Klimawandel geht.
Die Energiekrise ist eines der wenigen Themen, die nicht irgendwann mit Einwanderung verbunden werden
„Historiker werden auf die heutige Zeit zurückblicken und sagen: Was zur Hölle habt ihr da gemacht?“ prophezeit Parteivize Richard Tice in einem der Panels. Er meint damit nicht fehlende Bemühungen, die Katastrophe zu verhindern. Er meint die angestrengten Bemühungen, also das Net-Zero-Ziel der Labour-Regierung, die von 2050 an keine klimaschädlichen Neuemissionen mehr zulassen möchte. Nun haben sich die Briten aber gerade durch den heißesten Sommer seit Wetteraufzeichnung gequält. Tice empfiehlt: „Genießt die warmen Tage!“ Man solle sich darüber freuen, dass der britische Wein in der Hitze besser und besser werde. Er plädiert für maximale Öl- und Gasförderung auf der Insel und im Meer.
Die Energiekrise ist eines der wenigen Themen, die hier nicht irgendwann mit Einwanderung in Verbindung gebracht werden. Farage indes hat, seit er die Partei vor fast acht Jahren mitgründete, darauf geachtet, sich zumindest rhetorisch von den berüchtigtsten Rassisten zu unterscheiden. Davon gibt es genug im Land, am Samstag etwa marschieren in der Hafenstadt Dover Hunderte maskierte und in Schwarz gekleidete Anhänger auf. „Es ist Zeit! Schützt unser Land! Und noch wichtiger: unsere Frauen und Kinder!“, postete einer der Organisatoren auf X.
Wer derweil in Birmingham mit Besucherinnen und Besuchern spricht, hört immer wieder von dieser Angst vor jungen, männlichen, gewalttätigen Migranten, die zudem mit ihren religiösen Praktiken die nationale Identität gefährdeten. Reform UK lebt politisch von diesem Gefühl. Aber manchen im Land ist Farage nicht radikal genug. Sie wenden sich einer neuen, extremeren Partei zu, Restore Britain.
Farage ist politisch angeschlagen wie nie. Im Sommer stand er in der Kritik, weil er persönlich fünf Millionen Pfund von einem Gönner angenommen hatte, ohne dieses Geschenk zu melden. Die Aufsicht für Parlamentsstandards begann zu ermitteln. Er trat als Abgeordneter zurück, nur um sich sofort wieder zur Wahl zu stellen. Die anderen Parteien sprachen von einem Ablenkungsmanöver und schickten keinen Kandidaten in den Wahlkreis Clacton. Farages profiliertester Gegner war dann Count Binface, ein Satiriker mit einem Mülleimer auf dem Kopf. Farage gewann, die Ermittlungen im Parlament gehen damit weiter.
Nun ist da dieses Video: über zwielichtige Ideen, wer die Partei finanziell unterstützen könne
Auf dem Parteitag sollte wieder Politik im Vordergrund stehen. Der Vorsitzende der rechtspopulistischen französischen Partei Rassemblement National, Jordan Bardella, war eingeladen. Zudem reisten Vertreter ausländischer Botschaften an, auch der deutschen, womöglich hat man mit den Gastgebern ja demnächst auf Regierungsebene zu tun – die nächste landesweite Wahl ist zwar erst für 2029 terminiert, aber Reform UK rechnet vorgeblich damit, dass der neue, für die Partei gefährlich beliebte Premierminister Andy Burnham spätestens im Frühjahr 2027 Neuwahlen ausrufen wird. Sollte Reform UK diese gewinnen, will Farage an seinem ersten Tag als Premierminister den Ausnahmezustand ausrufen. Die Royal Navy werde im Ärmelkanal patrouillieren. Das Unterhaus werde, wenn es sein muss, rund um die Uhr Sitzungen halten. Beamte, die nicht spuren, werde er feuern. Wenn das House of Lords sich gegen neue Gesetze sträubt, will er so viele neue Mitglieder benennen, bis er eine Mehrheit im Oberhaus hat.
Aber nun ist da auch noch dieses Video. Jene Angereisten, die noch offen sind für eine kritische Auseinandersetzung, sehen sich die just am Donnerstag veröffentlichten Aufnahmen auf ihren Smartphones an. Mitglieder der Non-Profit-Organisation Verbatim hatten sich dafür undercover mit ranghohen Reform-Leuten getroffen und diese heimlich gefilmt. Bei den Gesprächen ging es um mindestens zwielichtige Methoden, wie ein vermeintlich reicher Amerikaner die Partei finanziell unterstützen könne. Parteispenden aus dem Ausland sind im Vereinigten Königreich illegal. Auch Farage ist in den Aufnahmen zu sehen, beim gemeinsamen Austern-Essen im Pub. In Birmingham nun betont er, die Partei habe kein Gesetz gebrochen, er selbst ohnehin nichts mitbekommen. Zwei seiner engsten Mitarbeiter aber müssen die Partei verlassen. Auch die Polizei ermittelt.
Nach drei Tagen endet am Samstagnachmittag dann der Parteitag. Man darf davon ausgehen, dass der Kreuzritter sein Schwert zurückbekommen hat.
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Fortsetzung der polizeilichen Ermittlungen zur Parteienfinanzierung.
Very likely · Within months

The comparison between the German 'firewall' strategy and the British approach under Prime Minister Andy Burnham shows different ways of dealing with right-wing populists like Nigel Farage, with Burnham focusing on social relief and proximity to the people.

A new study from Saarland University led by Martin Schröder shows that concerns about immigration are the strongest indicator of AfD support. Socioeconomic factors such as education or income, however, play a subordinate role.
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After the forced staff reduction in 2023, the Goethe-Institut in Russia will finally close. The decision ends cultural exchanges and hits pro-European forces in Russia, while at the same time the Russian House in Berlin was closed.
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