Russischer Außenminister Lawrow kritisiert deutsche Außenpolitik nach Treffen mit Wadephul
Quick Look
- Nach einem Treffen zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem deutschen Bundesaußenminister Johann Wadephul am Rande der Uno-Generaldebatte äußerte sich Lawrow kritisch über Wadephuls Auftreten und behauptete, dieser habe Zugeständnisse erwartet.
- Wadephul betonte hingegen die Notwendigkeit von Deeskalation und verwies auf den Drohnenangriff in Leipzig als unacceptable Eskalation, während beide Seiten weiterhin uneinig über den Krieg in der Ukraine blieben.
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Why It Matters
Das Treffen fand im Kontext des anhaltenden russischen Angriffskriegs in der Ukraine statt, bei dem Deutschland eine der wichtigsten Unterstützer der Ukraine ist. Seit Beginn des Krieges haben sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen stark verschlechtert, wobei diplomatische Kontakte selten und oft von Misstrauen geprägt sind. Der Vorfall mit der nicht explodierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle wurde Deutschland als russische Provokation vorgehalten, was Moskau zurückweist.
Echte Fortschritte gab es aber nicht. Lawrow, für seine harte Rhetorik bekannt, äußerte sich nach dem Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen geringschätzig über Wadephuls Auftritt. »Wenn man Berlins tägliche öffentliche Äußerungen betrachtet, habe ich nichts anderes gehört«, sagte Lawrow auf eine Frage der Nachrichtenagentur dpa in New York. Er habe dem deutschen Außenminister gesagt: »Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können 'Lesen Sie meine Erklärung'.
Deutschland habe das Treffen am Vortag in »letzter Minute« angefragt, sagte Lawrow. Nach Ansicht des russischen Ministers entstand im Gespräch mit dem deutschen Außenminister »der Eindruck, dass eine solche unterschwellige Botschaft mitschwang: Ich bin zu Ihnen gekommen, ich habe mich zu Ihnen herabgelassen«. Er habe dabei den Eindruck gewonnen, Wadephul habe von Russland im Gegenzug für das Gespräch Zugeständnisse in der Ukraine und bei der Schifffahrt im Schwarzen Meer erwartet.
Das Treffen fand am Rande der Uno-Generaldebatte in einem Besprechungszimmer der russischen Seite im Uno-Gebäude statt.
Wadephul: »Intensives Gespräch«
Auch Bundesaußenminister Wadephul äußerte sich zu dem Gespräch: Der CDU-Politiker sieht weiterhin Uneinigkeit bei den Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. »Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte nicht einig geworden«, sagte der Wadephul dem ZDF. Er habe Lawrow »angeboten zu deeskalieren, insbesondere auch mit Blick auf die Situation in der Ukraine, aber das hat noch keine offenen Ohren gefunden«, fügte Wadephul hinzu.
Ihm sei wichtig gewesen, klarzumachen, dass Deutschland »derartige Dinge wie den Drohnenangriff in Leipzig nicht akzeptiert. Dass das eine Eskalation ist, die nicht akzeptabel ist«, sagte Wadephul. Er habe Russland gewarnt, so weiterzumachen. »Wir können uns verteidigen, wir können uns wehren, das werden wir auch tun.« Die Bundesregierung macht Russland für den Vorfall mit einer nicht explodierten Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Moskau weist jede Verantwortung dafür zurück.
Ob es weitere Gespräche geben werde, liege im Wesentlichen in russischer Hand, sagte der Bundesaußenminister. »Wenn Russland bereit ist, konstruktiv zu reden, und vor allen Dingen, wenn Russland bereit ist, von seinem Krieg gegen die Ukraine abzulassen, wird man sicherlich sprechen können.«
Er sei von zahlreichen Amtskollegen gebeten worden, offen für Gespräche mit Russland zu sein, erklärte Wadephul seine Bereitschaft zu dem Treffen mit Lawrow. Die Kollegen hätten geraten, »dass man zu irgendeinem Zeitpunkt auch wieder direkt miteinander reden muss«. Zudem wolle er nicht, dass die Europäer den Amerikanern den kompletten Austausch mit Russland überließen.
Wadephul betonte, es gebe kategorische Unterschiede in den Auffassungen beider Regierungen. »Aber auch darüber muss man sprechen.« Auch in Zeiten des Kalten Krieges habe es immer einen Austausch gegeben. »Ich fand es richtig, zum jetzigen Zeitpunkt eine erste Möglichkeit zum Austausch zu suchen«, sagte der Bundesaußenminister.
Selbstverständlich gelte weiterhin der Grundsatz, dass man nicht ohne die Ukraine über die Ukraine rede, sagte Wadephul. »Ich verhandle nicht über die Ukraine, das machen die Ukrainerinnen und Ukrainer selber. Ich fordere Russland auf, mit der Ukraine zu sprechen.« Nun gehe es beispielsweise darum, Getreideexporte aus Russland, vor allem aber aus der Ukraine zu ermöglichen. »Das ist für diese Länder wichtig, aber das ist insbesondere für den Globalen Süden wichtig«, sagte Wadephul.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Es werden weitere direkte Gespräche zwischen russischen und deutschen Beamten stattfinden, wenn Russland signalisiert, konstruktiv zu reden und seine Kriegsführung in der Ukraine zu überdenken.
Possible · Within months
Die Debatte über die Sicherung von Getreideexporten aus der Ukraine und Russland wird in internationalen Foren an Bedeutung gewinnen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen auf den Globalen Süden.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wird es zu weiteren direkten Gesprächen zwischen Russland und Deutschland kommen?
- Wie wird Russland auf die Vorwürfe hinsichtlich des Drohnenangriffs in Leipzig reagieren?
- Welche konkreten Schritte plant Deutschland zur Unterstützung der Getreideexporte aus der Ukraine und Russland?
- Wie bewertet die internationale Gemeinschaft die Aussichten auf eine Deeskalation im Ukraine-Krieg?




