Rüstungsfonds im Check: Warum Größe nicht immer Performance bedeutet
Eine Analyse des Analysehauses Scope zeigt, dass die größten Rüstungs-ETFs nicht zwangsläufig die besten Renditen liefern und eine breitere Streuung zum Erfolg führen kann.
Quick Look
- Februar 2022 hat sich die Wahrnehmung von Rüstungsaktien in Deutschland gewandelt.
- Eine exklusive Scope-Studie zeigt, dass große Rüstungs-ETFs wie der von Van Eck zuletzt schwächelten, während breit diversifizierte Fonds mit erweitertem Sicherheitsbegriff besser performen.
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Why It Matters
Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 veränderte die Einstellung deutscher Anleger zu Rüstungsaktien grundlegend. Zuvor wurden diese oft gemieden, heute gelten sie als systemrelevant.
Ein Datum hat den deutschen Blick auf Rüstungsaktien völlig verändert: der 24. Februar 2022 – der Tag, an dem Russland die Ukraine angriff. Der Krieg hat bis heute verheerende Konsequenzen für das Leben der Menschen dort. Das darf nie vergessen werden, besonders da es im Folgenden um ein im Vergleich dazu unwichtiges Thema wie Geldanlage geht.
Tatsächlich hatte der Krieg auch Folgen für die Art und Weise, wie man in Deutschland über das Investieren in Rüstungsunternehmen dachte. Bald setzte sich eine neue Sichtweise durch. Wurden zuvor Waffenhersteller im Portfolio von den meisten als eine Unart betrachtet, sah nun die Überzeugung vieler Investoren so aus: Starke westliche Rüstungskonzerne würden in dieser neuen Weltlage unbedingt gebraucht. Dieser Gesinnungswandel hat natürlich auch mit einer etwas zynischen Eigenart der Börse zu tun: Wenn besonders hohe Gewinne locken, sind die Anleger stets noch einmal zusätzlich motiviert.
Mit den enormen Zugewinnen, die beispielsweise der Aktienkurs von Rheinmetall vorzuweisen hatte, entwickelten auch viele Fondsgesellschaften ein Geschäftsinteresse an dem Thema und legten bald eigene Rüstungsfonds auf. Das Analysehaus Scope hat geprüft, wie sehr sich diese Fonds für Anleger lohnen. Die Studie liegt der F.A.S. exklusiv vor. Sie hält einige spannende Erkenntnisse bereit.
Der größte ETF ist nicht unbedingt der beste
Eine Gesellschaft war besonders schnell mit der Auflage eines Indexfonds (ETF), der die Wertentwicklung wichtiger Rüstungsaktien abbildet: der Anbieter Van Eck. Bereits im März 2023 legte man den ETF „Van Eck Defense“ auf, in den zum jetzigen Stand Anlagegelder in Höhe von mehr als sechs Milliarden Euro geflossen sind. Damit handelt es sich um den mit Abstand größten ETF für Rüstungsaktien, in den deutsche Anleger investieren können.
Das Problem ist nur: Sosehr sich dies zu Beginn für Anleger gelohnt hat, so schwach war die Wertentwicklung in jüngster Zeit. Auf Jahressicht lag der ETF Ende Juli – zum Zeitpunkt der jüngsten verfügbaren Daten für die Untersuchung – gerade einmal mit 0,6 Prozent im Plus. Damit zählt er 2026 zu den schlechtesten Fonds im Vergleich. Auch die Gebühren sind mit 0,55 Prozent im Jahr höher als bei vielen Anbietern. Natürlich sollten Anleger kurzfristige Kursausschläge nicht überbewerten. Aber Scope-Analyst Andreas Bartels zieht den Schluss: „Wer als Anbieter schnell dran ist, sammelt das meiste Geld ein. Die Wertentwicklung in einer späteren Marktphase ist mitunter zweitrangig.“ Anleger lernen daraus, nicht blind einem Fonds mit großem Volumen zu vertrauen, sondern besser genauer hinzuschauen.
Dies gilt auch für einen zweiten Punkt, den die Scope-Fachleute festgestellt haben. Gerade bei Fonds und ETF, die sich rein auf europäische Rüstungsaktien konzentrieren, scheint große Einigkeit bei der Aktienauswahl zu herrschen. Rheinmetall und Thales, ein französischer Hersteller für Militärtechnik, gehören bei diesen Fonds ausnahmslos zu den Aktien mit dem meisten Gewicht. Diese Art der Konzentration kann problematisch sein. So notiert beispielsweise der Kurs von Rheinmetall in diesem Jahr deutlich im Minus, was alle Fonds schwächt, die in die Aktie investieren. Und woher soll die zusätzliche Nachfrage nach einer Aktie kommen, wenn wichtige Fonds schon in derart hohem Maße investiert sind?
Was aber machen nun die Fonds anders, die in der Untersuchung momentan die vordersten Plätze belegen? Scope-Analyst Bartels ist aufgefallen: „Sie investieren in mehr Titel und konzentrieren sich dabei nicht nur auf klassische Rüstungskonzerne, sondern folgen einem erweiterten Sicherheitsbegriff.“
Was damit gemeint ist, lässt sich gut am aktuellen Sieger verdeutlichen, dem ETF „Invesco Defence Innovation“. Der Indexfonds konnte Ende Juli ein Plus von 23 Prozent seit Jahresanfang aufweisen. Auffallend ist, dass er das Geld der Anleger in rund 70 Aktien investiert, die sich nicht alle im engeren Sinne als Rüstungskonzerne bezeichnen lassen. Zu den wichtigsten Aktien im ETF gehören Viasat, ein amerikanischer Betreiber von Netzen für die Satellitenkommunikation, und Oceaneering International, ein US-Öldienstleister, der zunehmend in Unterwasser-Verteidigung investiert. Rüstung weiter zu denken, das scheint momentan das Erfolgsmotto für Anleger zu sein.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Nischen-Sicherheitsaktien langfristig?
- Werden weitere Fonds ihre Anlagestrategie anpassen?






