Siemens-Energy-Chef warnt vor AfD-Wirtschaftspolitik und deren Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt
Quick Look
- Der Siemens-Energy-Chef Christian Bruch kritisiert die AfD-Wirtschaftspolitik als schädlich für den Standort Deutschland und warnt vor deren Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt.
- Experten wie Monika Schnitzer und Michael Hüther sehen bei einem AfD-Wahlsieg wirtschaftliche und demokratische Risiken, während AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund eine stabile Mehrheit im Landtag anstrebt.
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Why It Matters
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht bevor, wobei die AfD laut Umfragen stark abschneiden könnte. Experten warnen vor wirtschaftlichen und demokratischen Folgen eines AfD-Wahlsiegs, insbesondere hinsichtlich Fachkräftemangel und Zuwanderungspolitik.
Der Chef des Dax-Konzerns Siemens Energy warnt mit Nachdruck vor der Wirtschaftspolitik der AfD. Das Programm der Partei, die unter anderem eine Rückkehr zu Kohle und Atomkraft fordert, sei schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland und greife teilweise demokratische Strukturen an, sagte Christian Bruch der Deutschen Presse-Agentur. „Das halte ich für absolut kritisch.“
Bruch betonte: „Unser Unternehmen und unsere deutschen Arbeitsplätze sind davon abhängig, dass wir exportieren, dass wir auch internationale Fachkräfte nach Deutschland holen und dass sich ausländische Investoren auf politische Stabilität verlassen können. Und wenn das nicht passiert, dann ist es für den Wirtschaftsstandort Deutschland nachteilig.“ Er blicke daher mit großer Sorge auf die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt. Der Verfassungsschutz stuft die AfD in dem Bundesland als gesichert rechtsextrem ein.
Bruch bedauerte, dass es der Politik bisher nicht gelungen sei, Kompromisse zu finden, in denen sich der Großteil der Bevölkerung wiedergefunden habe. „Das ist absolut eine kritische Situation.“ Doch die AfD sende mit ihrer Vision, in der sie eine Rückkehr zu früheren Erfolgen Deutschlands zeichnet, eine „dramatisch falsche Botschaft“. Bruch sagte: „Ich sehe die AfD nicht veränderungsaffin, sondern nostalgisch, um es mal freundlich auszudrücken.“
Der Manager fügte hinzu: „Die Menschen unterschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich andere Länder verändern. Wir müssen Veränderung endlich als Chance begreifen. Nostalgische Politik wirft uns immer weiter zurück.“ Diskussionen um eine Rückkehr zur Nukleartechnologie seien in Deutschland „müßig in einem energiepolitisch hervorragend vernetzten Europa, in dem es nun mal Kernkraftwerke in Frankreich gibt oder in Tschechien oder anderswo gebaut werden“ sagte Bruch. Er halte die energiepolitischen Aussagen, die er im AfD-Programm lese, „nicht für sinnvoll“.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte mehrfach verkündet, nur bei einer absoluten Mehrheit in Sachsen-Anhalt regieren zu wollen – nun lässt er eine Wahl zum Ministerpräsidenten auch bei einer absoluten Mehrheit offen und betont, er brauche eine „stabile Mehrheit“. Auf die Frage, ob er bei einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag das Ministerpräsidentenamt anstrebe, sagte Siegmund der „Bild“-Zeitung (Samstag): „Das werden wir am Montag entscheiden. Gucken wir mal, wie es ausgeht.“
Siegmund betonte, es gehe ihm um eine „stabile Mehrheit“ im Landtag. „Was mache ich, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind? Soll ich die dann mit der Trage in den Landtag reintragen zum Abstimmen?“, sagte Siegmund der „Bild“-Zeitung. Es dürfe nicht so sein, dass der „Fortschritt des Landes gelähmt“ ist, „weil ein oder zwei Abgeordnete gesundheitsbedingt ausfallen“, ergänzte der AfD-Spitzenkandidat.
Siegmund hatte zuvor mehrfach betont, dass er nur mit absoluter Mehrheit regieren wolle. Diese Position begründete er im ZDF damit, alles umsetzen zu wollen, was er angekündigt habe. „Das kann ich mit aktuell keinem anderen“, sagte er. Den anderen Parteien warf er vor: „Die Brandmauern, die haben andere hochgezogen.“ Die AfD habe „die Realitäten anerkannt“ und sage: „Wenn es keiner mit uns machen will, müssen wir das halt allein machen.“
Sollte die AfD an die Regierung kommen, könnte dies nach den Worten der Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dringend benötigte Fachkräfte abschrecken und somit schwere wirtschaftliche Folgen haben. „Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde“, sagte Schnitzer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Die Münchner Ökonomie-Professorin wies darauf hin, dass in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. „Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus“, warnte Schnitzer.
Dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nur mit absoluter Mehrheit regieren will, betonte er im Wahlkampf schon häufig. Dabei scheint ihm selbst das nicht unbedingt zu reichen, lässt er im Interview mit „Bild“ anklingen.
„Was mache ich denn, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind?“, fragt er. Das sei „nicht gut für dieses Land“, er könne dann keine Gesetze mehr durchbekommen. Er wolle eine „stabile Mehrheit“ – bei welcher Anzahl von Abgeordneten dies erreicht sei, lässt er offen. Auf die Frage, ob er sich mit einem Abgeordneten über der absoluten Mehrheit zum Ministerpräsidenten wählen lassen würde, sagt er bloß: „Das werden wir Montag entscheiden.“
Ein zivilgesellschaftliches Bündnis hat kurz vor der sachsen-anhaltischen Landtagswahl einen Slogan an die Fassade des Magdeburger Doms und des Landtags projiziert. Dort war am Freitagabend zu lesen: „Was wir lieben, geben wir nicht auf. Wahre Heimatliebe ist nicht die AfD.“ Weitere Gebäude sollen am Samstag folgen.
Es handelt sich laut einer Sprecherin um den Abschluss der Kampagne „Wahre Heimatliebe ist“ des Vereins „Mehr als uns trennt“, der nach eigenen Angaben überparteilich, unabhängig und spendenfinanziert arbeitet. Zu den Unterstützern gehören neben Schauspielern wie Sandra Hüller und Christian Friedel, Menschen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.
Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat im Fall eines Wahlerfolgs der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer „ruinösen“ Zuwanderungspolitik und deren Folgen für das Bundesland gewarnt. „Deutschland ist angesichts seiner Demografie auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen“, sagte Hüther der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen ihre Ausweisung fordert“, fügte er hinzu.
„Für Sachsen-Anhalt selbst wäre eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD ruinös. Wegen der ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel. Auf jeden Erwerbsfähigen in Sachsen-Anhalt käme dann mehr als ein Mensch, der nicht arbeitet“, führte Hüther aus und betonte, dies würde das Land „wirtschaftlich an die Wand fahren“.
„Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre eine Belastungsprobe für die liberale Demokratie und würde deren Widerstandsfähigkeit testen“, erklärte der IW-Chef. Umfragen des Instituts zufolge würden „sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern“ die Demokratie gefährdet sehen.
Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke rät seiner Partei angesichts bundesweit schwacher Umfragewerte zu klarer Kante. „Die Unzufriedenheit in der SPD und die schwachen Umfragewerte muss die Parteiführung ernst nehmen“, sagte Woidke.
„Viele Menschen erkennen derzeit nicht mehr, wofür die SPD steht und welchen konkreten Unterschied sozialdemokratische Politik in ihrem Leben bewirkt.“ In der jüngsten Umfrage von Infratest dimap kam die SPD auf 13 Prozent. Sie regiert seit 2025 bundesweit mit der Union.
„Inhaltlich muss sich die SPD gar nicht komplett neu erfinden. Sie muss aber klarer, konkreter und glaubwürdiger sagen, wofür sie steht“, sagte Woidke. „Unsere Stärke ist, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke zusammenzubringen.“
Bei der Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt erwarten große Wahlforschungsinstitute keine Überraschung wie vor fünf Jahren, als die AfD schwächer als in den Umfragen abschloss und die CDU deutlich stärker als erwartet. „Wir rechnen nicht mit einem so großen Mobilisierungseffekt in den letzten Tagen wie 2021. Damals konnte (Ministerpräsident Reiner) Haseloffs CDU die AfD-Gegner hinter sich versammeln. Dieses Mal teilen sich die AfD-Gegner breiter auf verschiedene Parteien auf“, sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerten sich seine Kollegen von Infratest-dimap und Insa.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Bei einem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wird das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen an Attraktivität verlieren.
Likely · Within months
Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt würde die liberale Demokratie belasten und deren Widerstandsfähigkeit testen.
Possible · Within months
Die AfD wird bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt keine absolute Mehrheit erzielen, sondern auf eine stabile Mehrheit setzen müssen.
Likely · Within hours
Open Questions
- Wird die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Regierungsbeteiligung erzielen?
- Wie wird sich die Energiepolitik der AfD auf die industrielle Produktion in Sachsen-Anhalt auswirken?
- Welche konkreten Schritte plant die AfD bei der Zuwanderungspolitik, falls sie an die Regierung kommt?
- Wie werden Unternehmen auf einen möglichen AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt reagieren?


