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Back|Steffen Krach im Berliner Wahlkampf: Zwischen Basis und parteiinternen Machtkämpfen
Steffen Krach im Berliner Wahlkampf: Zwischen Basis und parteiinternen Machtkämpfen
Politics
FAZ·54 minutes ago·Politics·5 min read·🇩🇪Germany

Steffen Krach im Berliner Wahlkampf: Zwischen Basis und parteiinternen Machtkämpfen

Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kämpft im Wahlkampf mit schwachen Umfragewerten, bundespolitischen Streitereien und parteiinternen Machtstrukturen.

Quick Look

Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kämpft vor der Abgeordnetenhauswahl mit Umfragewerten um Platz fünf, Unmut an der Basis und internen Machtkämpfen mit Raed Saleh.

AI-generated summary

Why It Matters

Die SPD liegt in aktuellen Berliner Umfragen auf dem fünften Platz. Nach dem Rücktritt von Kai Wegner steht die Abgeordnetenhauswahl am 20. September bevor.

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Als Steffen Krach vor einem Einkaufszentrum in Charlottenburg auf einen jungen Mann zugeht, schaut dieser ihn freundlich an. Das ändert sich, als Krach ihm ein SPD-Faltblatt in die Hand drückt. Beides wird an diesem Spätsommertag häufiger zu beobachten sein: Krach wirkt auf viele Leute sympathisch, sie reagieren positiv, wenn er sie anspricht. Gibt er sich als Sozialdemokrat zu erkennen, werden viele unwirsch.

Der junge Mann ist ein besonders schwieriger Gesprächspartner: Er sagt mit osteuropäischem Akzent, er werde bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September die AfD wählen. Krach fragt, warum er das vorhat, aber der Mann geht nicht darauf ein: „Ich habe meine Meinung, du hast deine Meinung“, sagt er mehrfach. Krach versucht es mit unterschiedlichen Themen, er fragt zum Beispiel, ob der Mann sich Sorgen mache, seine Wohnung nicht mehr bezahlen zu können. Der Mann ist an einem solchen Austausch nicht interessiert.

Danach trifft Krach auf eine Frau, die sagt, sie stamme aus Brasilien und lebe seit 2014 in Deutschland. Zuletzt habe sie SPD gewählt. Krach freut das. „Diesmal aber wahrscheinlich nicht“, sagt sie dann. Es seien „zu viele Ausländer“ in Berlin: „Wir können nicht den ganzen Planeten retten.“ Krach sagt wieder, dass er sich für mehr bezahlbaren Wohnraum einsetze. Das Gespräch läuft diesmal besser: Am Ende sagt die Frau, sie werde über ihre Wahlentscheidung noch einmal nachdenken. Krach hat dafür zwölf Minuten investiert.

In den Umfragen nur auf Platz fünf

Der Kampf um Wählerstimmen ist zäh. In den jüngsten Umfragen lag die SPD in Berlin mit elf bis 15 Prozent auf dem fünften Platz. Krach, ein Mann von 47 Jahren, ist Spitzenkandidat der Partei. Auf seinen Wahlplakaten steht, er sei „der nächste Regierende“. Eine gewagte Behauptung.

In Berlin hat die SPD über Jahrzehnte immer wieder den Regierenden Bürgermeister gestellt. Dass nach der Wahl 2023 mit Kai Wegner ein CDU-Mann ins Rote Rathaus kam, gilt unter Sozialdemokraten als Unfall. Wegen seiner Lügen nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Januar hat Wegner seine Kandidatur zurückgezogen. Die besten Chancen auf seine Nachfolge haben Elif Eralp von der Linken und Stefan Evers, der neue Spitzenkandidat der CDU. Warum nicht Krach?

Wie andere Sozialdemokraten im Wahlkampf leidet er unter dem geringen Ansehen seiner Partei. Krach hat sich deshalb in den vergangenen Wochen mehrfach mit der Bundes-SPD angelegt. Von Bauministerin Verena Hubertz forderte er, die geplanten Wohngeldkürzungen zurückzunehmen. Das Reformpaket, das Schwarz-Rot vor der Sommerpause präsentierte, bezeichnete er als „unausgewogen“.

Am meisten ärgerte sich der Berliner SPD-Spitzenkandidat über das Vorhaben des Koalitionsausschusses, Vergesellschaftungen großer Wohnungsunternehmen per Bundesgesetz zu verbieten. Inhaltlich hat er damit wenig Probleme: Enteignungen lehnt er ab, anders als Grüne und Linke in der Hauptstadt. Strategisch kommt ihm das geplante Bundesgesetz aber in die Quere. Das Vorhaben erleichtert es Linken-Spitzenkandidatin Eralp, eine „Jetzt erst recht“-Stimmung im linken Lager anzuheizen.

Franziska Giffey und Raed Saleh wären auch gern angetreten

Krachs Wahlkampfprobleme haben aber auch etwas mit Landespolitik zu tun. Vor dem Einkaufszentrum erinnern mehrere Bürger daran, dass die SPD in der Hauptstadt schon sehr lange regiert. Seit 1989 ist die Partei an allen Senaten beteiligt, aktuell als Juniorpartner in einer Koalition mit der CDU. Manchmal fällt es Krach deshalb schwer, Aufbruchstimmung zu verbreiten. An seiner Person liegt das nicht: Er wirkt frischer und fitter als viele andere Politiker. Und er kennt sich in der Verwaltung aus, von 2014 bis 2021 war er Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin.

2021 wechselte Krach nach Niedersachsen, um Regionspräsident von Hannover zu werden. Dort ist er auch geboren. Dass er im vergangenen Jahr als Spitzenkandidat nach Berlin zurückkehrte, war eine Überraschung, eingefädelt von den damaligen SPD-Landesvorsitzenden Nicola Böcker-Giannini und Martin Hikel. Die beiden hielten zwei andere Interessenten für ungeeignet: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Wegners Vorgängerin im Roten Rathaus, ist in der Bevölkerung zwar beliebt. Bei den mehrheitlich linken SPD-Funktionären war sie aber nicht mehr vermittelbar. Sie verübelten ihr, dass sie nach der Wahl 2023 trotz rechnerischer Mehrheit die rot-grün-rote Koalition nicht fortsetzte und stattdessen Wegners Stellvertreterin wurde.

Interesse an der Spitzenkandidatur hatte auch Raed Saleh, seit 2011 Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus. Saleh gilt als gewiefter Machtpolitiker. Vor zwei Jahren verlor er allerdings deutlich den Mitgliederentscheid um den SPD-Landesvorsitz gegen Böcker-Giannini und Hikel. Danach stichelte er gegen die beiden. Die neuen Vorsitzenden – bekennende Pragmatiker – sahen sich einer linken Mehrheit im Landesvorstand gegenüber. Dass sie in dieser Konstellation nicht selbst die SPD in die Wahl führen würden, war früh klar.

Streit um Mittagessen und Schülerticket

Als sie Krach im Sommer 2025 als Spitzenkandidaten vorschlugen, akzeptierten das alle Parteiflügel. Er nahm sich vor, sich aus innerparteilichen Streitigkeiten herauszuhalten. Das gelang nicht. Die Partei diskutierte schon länger eine Frage, zu der er sich als Spitzenkandidat positionieren musste: Soll die SPD weiter dafür sorgen, dass Berlin allen Grundschülern ein kostenloses Mittagessen und das Schülerticket bezahlt?

Saleh befürwortete das, Böcker-Giannini und Hikel traten dafür ein, die sogenannte Kostenlos-Politik zu beenden. Sie fanden es falsch, Mittagessen und Fahrkarte für Kinder aus Steuergeldern zu finanzieren, deren Eltern beides problemlos bezahlen könnten. Krach stellte sich gegen die Vorsitzenden. Eine differenzierte Kostenübernahme, argumentierte er, würde mehr Bürokratie als Nutzen bringen. Die Position setzte sich durch, im Wahlprogramm wirbt die SPD damit, dass Mittagessen und Schülerticket kostenlos bleiben sollen.

Im November stimmten weniger als siebzig Prozent der Parteitagsdelegierten der Neuköllner SPD dafür, Martin Hikel abermals für das Amt des Bezirksbürgermeisters zu nominieren. Er kündigte daraufhin an, nicht mehr anzutreten. Ein paar Tage später verwehrte die SPD Reinickendorf Böcker-Giannini einen aussichtsreichen Listenplatz für die Abgeordnetenhauswahl. Auf beide Ereignisse hatten Verbündete Salehs erheblichen Einfluss. Hikel und Böcker-Giannini traten entnervt vom SPD-Landesvorsitz zurück. Krach übernahm das Amt zusätzlich zur Spitzenkandidatur.

In den Folgemonaten versuchte er, durch eine Reihe von Forderungen bekannter zu werden. Dabei äußerte er sich auch zu Themen, die nicht im Wahlprogramm stehen. So forderte er schon, das Russische Haus in der Friedrichstraße zu schließen, als viele Parteifreunde noch nichts davon wissen wollten. Auch eine Surfwelle auf dem Tempelhofer Feld schlug er vor. Darüber machen sich führende Sozialdemokraten hinter vorgehaltener Hand lustig. Maßgebliche Akteure in der Landespartei sind der Ansicht, Krach habe sich mit seinen Forderungen verzettelt.

Parteiübergreifend wird damit gerechnet, dass es nach der Abgeordnetenhauswahl zu einem Machtkampf zwischen Krach und Saleh kommt. Nicht, weil sie inhaltlich weit voneinander entfernt wären – sondern weil sie sich nicht vertrauen. Viele gehen davon aus, dass Saleh in der künftigen Abgeordnetenhausfraktion mehr Rückhalt als Krach haben wird. Die Umfragewerte lassen vermuten, dass die SPD kaum Wahlkreise gewinnen wird. Die Zusammensetzung der neuen Fraktion wird dann vor allem davon abhängen, wer auf den vorderen Plätzen der SPD-Bezirkslisten steht.

In der „Walhalla-Runde“ versammelt Saleh seine Getreuen

Saleh hat viel Zeit investiert, um diese Listen mit seinen Leuten zu besetzen. Seit Jahren lädt er regelmäßig zur „Walhalla-Runde“. Dieser informelle Kreis, benannt nach einem Traditionslokal in Moabit, ist ein Machtzentrum der Partei. Wer dabei ist, darf damit rechnen, in Salehs Personalplanung berücksichtigt zu werden. Wer ihn verärgert, erhält keine Einladung mehr.

Ob Krach oder Saleh nach der Abgeordnetenhauswahl the Kurs der Berliner SPD bestimmen, ist für alle Parteien wichtig. Auch wenn die Sozialdemokraten schwach abschneiden dürften, wird wahrscheinlich kein Senat ohne sie zustande kommen. Den Umfragen zufolge hätten derzeit nur Dreierkoalitionen eine Mehrheit: Rot-Grün-Rot unter Führung der Linken oder Schwarz-Grün-Rot.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Machtkampf zwischen Steffen Krach und Raed Saleh nach der Abgeordnetenhauswahl

    Likely · Within months

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  • ?Wer gewinnt die Machtfrage innerhalb der Berliner SPD nach der Wahl?
  • ?Welche Koalition bildet sich nach der Abgeordnetenhauswahl?

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