
In den USA wird über einen Exportstopp für Diesel diskutiert, um den heimischen Markt zu entlasten. Experten warnen vor verheerenden Folgen für die europäische Dieselversorgung und weiter steigenden Preisen.
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Die Dieselpreise in den USA und weltweit sind durch geopolitische Konflikte und Angriffe auf Raffinerien gestiegen. US-Politiker fordern ein Exportverbot.
Die Dieselpreise in den USA steigen stark, gleichzeitig wachsen auch die Exporte. Forderungen nach einem Ausfuhrverbot werden daher lauter. Das würde vor allem Europa treffen.
Düsseldorf. In den USA wird derzeit über einen Exportstopp von Diesel diskutiert, den vor allem republikanische Politiker fordern. Das Nachrichtenportal Politico berichtete am Mittwoch, die US-Regierung bereite ein 90-tägiges Verbot vor. Das Weiße Haus dementierte den Bericht, dennoch bewegte die Nachricht die Energiemärkte.
US-Diesel zu Lieferung in einem Monat verbilligte sich am Mittwoch um bis zu sechs Prozent, europäische Futures verteuerten sich bis zu sieben Prozent. Am Donnerstag stabilisierten sich die Preise.
Experten warnen vor den Auswirkungen eines Exportverbots für Diesel, über das die US-Regierung offenbar nachdenkt. Europa würde besonders darunter leiden, aber auch für die USA könnte das negative Folgen haben.
Josh Michalowski, Experte für den europäischen Dieselmarkt bei der Preisberichtsagentur Argus Media, sagt: „Ein US-Exportverbot hätte verheerende Folgen für die Dieselversorgung in Europa.“ Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst der Gesellschaft Global Risk Management, spricht von einem „Albtraumszenario“.
Hintergrund der Diskussion um einen Exportstopp sind die Dieselpreise in den USA. Diese sind durch den Irankrieg auf ein Rekordhoch gestiegen. Verschärft wird die Knappheit auf dem Weltmarkt noch durch ein Exportverbot in Russland. Dort ist der Kraftstoff durch Drohnenangriffe der Ukraine auf Ölraffinerien knapp.
USA haben ihre Dieselexporte deutlich gesteigert
„Nimmt man die Lieferausfälle aus der Golfregion und Russland zusammen, so fehlten dem Markt laut IEA (Anm.: die Internationale Energieagentur) täglich knapp 1,6 Millionen Barrel Diesel verglichen mit Februar, als aus diesen beiden Regionen noch rund 45 Prozent des weltweiten seewärtigen Exportangebots stammten“, erklärt Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank.
Laut IEA und Daten des Analysehauses Kpler lagen die weltweiten Dieselexporte im August mit 4,6 Millionen Barrel pro Tag allerdings lediglich eine halbe Million Barrel pro Tag unter dem Niveau von vor einem Jahr. „Eine wichtige Rolle zur Entlastung des Angebots spielten in den vergangenen Monaten die USA, die ihre Exporte von Mitteldestillaten seit Beginn des Irankrieges deutlich steigerten“, sagt Fritsch.
Im August deckten die USA bereits rund die Hälfte der europäischen Dieselimporte ab.
Ob die USA diese Exportdynamik beibehalten können, bezweifelt der Commerzbank-Experte. Denn die US-Lagerbestände sind bereits deutlich gesunken. In den USA werden aber ohnehin die Stimmen lauter, die einen Exportstopp fordern, um den Dieselpreis im eigenen Land zu senken und damit Unternehmen und Verbraucher zu entlasten.
Ein solches Verbot hätte erhebliche Auswirkungen für Europa, warnt Argus-Experte Michalowski: „Im August deckten die USA bereits rund die Hälfte der europäischen Dieselimporte ab. Selbst ein teilweises Verbot würde einen großen Teil des europäischen Angebots wegfallen lassen.“
Die Preise könnten noch weiter steigen
Für Europa wäre es schwierig, diese Lücke zu füllen. „Bereits jetzt herrscht ein intensiver Wettbewerb mit dem asiatisch-pazifischen Raum und Afrika um Lieferungen aus Indien und dem Nahen Osten“, sagt Michalowski.
Gleichwohl sei es unwahrscheinlich, dass die Tankstellen leerliefen, da Europa rund 70 Prozent des von ihm verbrauchten Diesels selbst produziert, sagt er weiter: „Die Preise wären lediglich sehr hoch.“ Ein Exportverbot könnte daher die internationalen Dieselpreise über die bereits in diesem Jahr verzeichneten Allzeithochs treiben.
Die Dieselpreise sind aber schon auf dem aktuellen Niveau eine erhebliche Belastung für die Unternehmen. Dirk Engelhardt, Vorstandsprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), schickte am vergangenen Mittwoch einen offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), in dem er die Belastungen beschrieb. Auch auf die Landwirtschaft und die Bauwirtschaft schlagen die steigenden Preise durch.
Dadurch beschäftigen die steigenden Dieselpreise auch die Europäische Zentralbank (EZB). Denn diese treiben die Inflation, erklärt Ökonom Torsten Slok vom Vermögensverwalter Apollo Global Management: „Diesel is ein Vorleistungsgut, das in die Lieferkosten fast aller physischen Güter einfließt.“
Das bedeutet, dass der Anstieg der Dieselpreise zeitversetzt auf die Preise für Kernwaren und -dienstleistungen übergreift. Als Reaktion darauf könnte die EZB ihren Leitzins weiter erhöhen. Die steigenden Kapitalmarktzinsen könnten dann wiederum die Belastungen für Unternehmen und Verbraucher noch weiter in die Höhe treiben.
Auch die USA könnten zu den Verlierern gehören
Europäische Dieselhändler halten allerdings ein teilweises Verbot für wahrscheinlicher als ein vollständiges, berichtet Michalowski: „Letzteres würde die US-Lagerbestände schnell auffüllen, sodass kein Platz mehr für die Lagerung des überschüssigen Diesels bliebe.“
Ein komplettes Exportverbot hätte daher auch für die USA negative Folgen, warnen die Analysten der Großbank Morgan Stanley: „Ein direktes Exportverbot hätte erhebliche Auswirkungen, einschließlich wahrscheinlich höherer Benzinpreise.“
Denn bei vollen lokalen Lagertanks würden die US-Raffinerien ihre Produktion herunterfahren, was zu einer geringeren Benzinproduktion und höheren Preisen führen würde. Ein vollständiges Exportverbot ist daher nicht das Basisszenario von Morgan Stanley.
Am Finanzmarkt sorgen die unklaren Aussichten daher für Verunsicherung. Solange über ein US-Exportverbot diskutiert werde, müsse sich der Markt auf weitere Volatilität einstellen, schreiben die Analysten der US‑Bank. Die Augen von Händlern und Investoren am Energiemarkt sind daher auf das Weiße Haus in Washington gerichtet.
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Anhaltende Volatilität an den Energiemärkten während der Diskussionen über ein US-Exportverbot.
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