Eine neue Untersuchung von PCR-Tests in der Demokratischen Republik Kongo zeigt, dass zahlreiche positive Mpox-Ergebnisse auf Umweltkontaminationen zurückgehen könnten.
Laut einer im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Studie waren rund 35 Prozent der untersuchten positiven Mpox-PCR-Tests in der DR Kongo möglicherweise falsch-positiv, was auf Umweltkontaminationen zurückgeführt wird.
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Forscher haben 2700 positive PCR-Tests auf Mpox aus der Zeit von April 2024 bis April 2026 untersucht.
Kaum ein medizinisches Verfahren wurde während der Corona-Pandemie so kontrovers diskutiert wie der PCR‑Test. Befürworter sahen darin den Goldstandard zum Nachweis von Infektionen, Kritiker warnten davor, positive Ergebnisse automatisch mit Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen.
Die Zahl der positiven Tests insgesamt galt während der Pandemie als Maß für das aktuelle Infektionsgeschehen und diente der Politik als Begründung für zahlreiche Corona-Maßnahmen wie Lockdown und Maskenpflicht.
Auf positive PCR-Tests stützte sich auch die WHO, als sie nach dem Ausbruch der Affenpocken im August 2024 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausrief. Von der Demokratischen Republik Kongo (DRK) aus hatte sich der Erreger Mycoplasma pox (Mpox) in afrikanische Nachbarländer ausgebreitet.
Andrew Azman von der Universität Genf hat sich nun zusammen mit Kollegen des Tropeninstituts in Antwerpen (Belgien) und des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung (DRK) die Ergebnisse von 2700 positiven PCR-Tests auf Mpox noch einmal genau angeschaut. Erfasst wurden dabei Tests aus der Zeit von April 2024 bis April 2026.
Im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ berichten die Forscher, dass 35 Prozent – also gut ein Drittel – der als PCR-positiv gemeldeten Proben möglicherweise keine tatsächliche Infektion darstellten. Ein solches falsch positives Ergebnis beeinflusse die Überwachung eines Ausbruchs und den Umfang von Maßnahmen, wie etwa Impfungen, so die Forscher.
Auch die Folgen für die fälschlicherweise positiv diagnostizierten Personen können demnach gravierend sein: unnötige Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Quarantäne und die mit der Krankheit verbundene Stigmatisierung bis hin zu dem Risiko, sich in einer Gesundheitseinrichtung tatsächlich mit Mpox zu infizieren.
Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass fast alle Personen, die vermutlich falsch-positiv getestet worden waren, keinerlei Antikörper gegen das Mpox-Virus im Blut hatten. Fehldiagnosen und die damit verbundenen unnötigen Maßnahmen würden die ohnehin knappen Ressourcen des kongolesischen Gesundheitssystems belasten, warnen die Forscher.
Die PCR – das Kürzel steht für Polymerase-Kettenreaktion – ist eine Labormethode zum Nachweis von genetischem Material. Statt dabei wie nach einer Stecknadel im Heuhaufen zu suchen, wird die Stecknadel millionenfach vervielfältigt, bis sie einfach zu erkennen ist. Der US-Biochemiker Kary Mullis erhielt für die Entwicklung dieser Methode 1993 den Nobelpreis für Chemie.
Die PCR ermöglicht es, auch winzige Spuren von Virus-Erbgut nachzuweisen. Je häufiger der Vervielfältigungsvorgang – der sogenannte Cycle Threshold, kurz: CT – wiederholt werden muss, desto weniger Viruspartikel sind in der Probe vorhanden; die Zahl der Zyklen wird als CT-Wert bezeichnet. Umgekehrt gilt: Je niedriger der CT-Wert ist, desto höher ist die Viruslast.
Und genau dieser CT-Wert ist es, der die Forscher stutzig gemacht hat. Sie fanden in den untersuchten Proben keine kontinuierliche Verteilung der CT-Werte – was zu erwarten gewesen wäre: Zu Beginn der Infektion ist die Viruslast hoch und nimmt zum Ende der akuten Phase ab. Stattdessen gruppierten sich die Ergebnisse deutlich in zwei Gruppen, wie Azman in einer Mitteilung der Universität Genf erklärt.
„Die erste Gruppe umfasst niedrige Werte, was auf eine hohe Viruslast und somit auf eine aktive Infektion hindeutet“, so Azman. „Die zweite Gruppe lag genau an der Nachweisgrenze, was auf eine extrem niedrige Viruslast hindeutet – untypisch für eine echte Infektion, aber typisch für eine Restvirusspur.“ Die untersuchten Proben stammten aus vier kongolesischen Städten – Goma, Kamituga, Kinshasa und Uvira.
„Auffällig ist“, so Azman weiter, „dass diese klare Trennung zwischen den beiden Gruppen an allen vier Standorten nahezu identisch auftrat, was wohl kein Zufall sein dürfte.“ Als mögliche Ursache vermuteten die Forscher daher eine Kontamination. Sie nahmen daher Abstriche von Oberflächen in den Behandlungsbereichen zweier Pflegezentren.
Tatsächlich wiesen viele der Oberflächen Spuren des Mpox-Virus auf. Die zum Vergleich außerhalb der Behandlungsräume genommenen Proben waren dagegen negativ. Die DNA des Mpox-Virus sei sehr stabil, so die Forscher, und könne mehrere Wochen auf Oberflächen und sogar in der Luft überleben und auf diese Weise mit Patienten in Kontakt kommen, die dann positiv auf Mpox getestet werden.
Azman betonte gegenüber WELT, dass die Mpox-Ergebnisse aus einem Umfeld in der DRK stammen, in dem eine intensive Mpox-Übertragung und erhebliche Umweltkontamination vorherrschten: „Die Zahl von ,einem Drittel‘ sollte daher nicht als allgemeine Falsch-Positiv-Rate für Mpox-PCR-Tests und schon gar nicht als Aussage über PCR-Tests im Allgemeinen verstanden werden“, warnt Azman.
Und weiter: „Diese Umweltkontamination war ein wichtiger Aspekt unserer Studie und spielt eine zentrale Rolle bei der Interpretation unserer Ergebnisse. Wenn wir von falsch-positiven Ergebnissen sprechen, meinen wir, dass die nachgewiesene DNA wahrscheinlich nicht von einer aktiven Infektion stammte, sondern aufgrund der hohen Empfindlichkeit der PCR aus der Umwelt in die Probe gelangte.“
Eine zuverlässige Diagnose ist daher unverzichtbar, um das tatsächliche Ausmaß eines Ausbruchs erfassen und angemessen reagieren zu können. Dafür müsste das Laborpersonal besser geschult werden. Auch die Diagnoseverfahren müssten verbessert werden, so das Fazit der Forscher in ihrer Studie.
„Die einfachste und schnellste Lösung ist die Senkung des Schwellenwerts für positive PCR-Tests“, so Azman. „Ein niedrigerer Schwellenwert reduziert die Anzahl falsch positiver Ergebnisse deutlich, ohne die Anzahl falsch negativer Ergebnisse zu erhöhen.“
Mit dem Schwellenwert wird festgelegt, bis zu welchem CT-Wert überhaupt noch mit einem verlässlichen Ergebnis zu rechnen ist. Jenseits dieses Schwellenwerts gilt eine Probe als negativ. CT-Werte zwischen 10 und 15 sprechen für eine hohe Viruslast und damit für eine aktive Infektion.
Der CT-Wert war während der Corona-Pandemie auch in Deutschland ein Thema. Kritik richtete sich dagegen, positive Testergebnisse bei hohen CT-Werten als infektiös zu bewerten. Unter anderem der Epidemiologe John Ioannidis von der Stanford University mahnte, die Testergebnisse vorsichtig zu interpretieren. Zudem wurde diskutiert, ob flächendeckende PCR-Tests bei Menschen ohne Symptome überhaupt sinnvoll seien.
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