Trump sendet Witkoff und Kushner erneut nach Moskau und Kiew – Zweifel an diplomatischer Erfahrung
Quick Look
US-Präsident Trump hat seine Gesandten Witkoff und Kushner nach Moskau und Kiew entsandt, um den Ukraine-Krieg zu beenden, trotz Zweifeln an ihrer diplomatischen Erfahrung und anhaltender Eskalation des Konflikts mit russischen Angriffen auf Kiew und ukrainischen Gegenangriffen auf russische Infrastruktur.
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Why It Matters
Der Ukraine-Krieg begann mit der russischen Annexion der Krim 2014 und eskalierte zur fullen Invasion im Februar 2022. Trump versprach während des Wahlkampfs 2024, den Krieg in 24 Stunden zu beenden, falls er gewählt wird. Nach seiner Wiederwahl hat er selbst militärische Aktionen gegen Iran initiiert, während die Ukraine-Kriegsverhandlungen stocken.
Diese nicht so einfache Situation ist der Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Putin 2014 angezettelt und seit der russischen Invasion im Februar 2022 zur Katastrophe mit Hunderttausenden Toten gemacht hat. Trump versprach im Wahlkampf 2024, er werde diesen Krieg in 24 Stunden beenden, wenn er gewählt werde. Inzwischen ist er 20 Monate wieder im Amt und führt seit sechs Monaten auch selbst Krieg, gegen Iran. Zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen hat er seine Unterhändler jetzt erstmals seit Januar wieder nach Moskau entsandt - und erstmals seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus tags darauf auch nach Kiew.
Zweifel an diplomatischer Erfahrung der US-Gesandten
Kürzlich war CIA-Direktor John Ratcliffe in der russischen Hauptstadt und soll die Russen gewarnt haben, den Krieg auszuweiten. Der US-Präsident wiegelte derweil ab, trotz des mutmaßlichen Anschlagsversuchs Russlands auf dem Leipziger Flughafen und zahlreicher Verdachtsfälle von Sabotage in Europa. „Ich spreche mit ihm“, sagte er am Freitag. „Ich kenne ihn sehr gut. Putin hat nicht die Absicht, Nato-Gebiet anzugreifen.“ Er will sogar von Europa das Geld für die amerikanische Militärhilfe für die Ukraine einfordern, wie er am Donnerstag in seinem Netzwerk Truth Social verkündete.
Trump preist Putin immer wieder, auch trotz der russischen Unterstützung Irans. Nun schickte er also einmal mehr Witkoff und Kushner nach Moskau, er hält sie für „großartige Verhandlungsführer“. Kritiker haben dagegen den Eindruck, dass den beiden erstens die diplomatische Erfahrung fehlt und sie Putin zweitens wie Trump äußerst wohlwollend gegenüberstehen.
„Sie bringen einen Plan mit, um den Krieg zu beenden“, sagte Trump am Freitag im Oval Office. Der Krieg ist für Trump „ein Persönlichkeitsproblem zwischen Russland und der Ukraine“, denn Selenskij und Putin „hassen sich wirklich“. Außerdem beschwerte sich Trump wie üblich darüber, dass er den Friedensnobelpreis nicbt bekommen habe.
Ein Treffen in Witkoffs Golfklub
Das alles hatte man so ähnlich schon mehrfach gehört. Auch ist unklar, wie diese Friedensidee aussehen soll. Im vergangenen Jahr hatten sich Witkoff und Kushner unter anderem in Miami, wo Kushner lebt und eine Investmentfirma betreibt, in Witkoffs Golfklub mit Putins Beauftragten Kirill Dmitrijew getroffen. Danach präsentierten sie einen 28-Punkte-Plan, der sich las, als sei er im Kreml entstanden. Der Entwurf sah unter anderem vor, dass die Ukraine ihre Streitkräfte verkleinert und außer besetzten Gebieten auch die Ansprüche auf einen Nato-Beitritt endgültig aufgibt.
Russland sollte wieder in die Weltwirtschaft aufgenommen werden. Die USA stellten der russischen Führung das Ende der Sanktionen und neue wirtschaftliche Zusammenarbeit in Aussicht. Trump machte aus seiner Sympathie für Putin nie einen Hehl und empfing ihn im August 2025 in Alaska. Witkoff und Kushner sollten offenbar auch Geschäftsbeziehungen knüpfen - Trumps Golffreund Witkoff kommt wie Trump selbst aus der Immobilienbranche, Kushner ist mit einem Finanzunternehmen reich geworden.
Selenskij will Einfluss ausüben
Die ukrainische Regierung von Wolodomir Selenskij versuchte den höchst umstrittenen Vorstoß aus Washington mit europäischer Hilfe zu verändern. Dann ließ Trump erst Venezuela unterwerfen, danach fing sein Krieg gegen Iran an. Da geriet das Thema Osteuropa bei ihm etwas in den Hintergrund. Vereinzelte Kontaktaufnahme von Witkoff und Kushner mit beiden Seiten brachten in den vergangenen Monaten anscheinend wenig Fortschritte.
Im September sollen die Verhandlungen mit Russland und US-Vermittlung laut Selenskijs Stabschef Kyrylo Budanow weitergehen, wie das Portal Axios mit Bezug auf ukrainische Medien meldet. Zuletzt hatten sich die gegenseitigen Angriffe mit Dronen und Raketen verschärft. Das russische Militär attackiert immer mehr Kiew und nimmt auch verstärkt zivile Ziele ins Visier, in einem Kinderkrankenhaus zum Beispiel wurden kürzlich mindestens 16 Menschen getötet.
Die ukrainische Flugabwehr ist zunehmend geschwächt, am Freitag schlug eine russische Drohne im Hauptquartier des Geheimdienstes mitten in der Hauptstadt ein. Ukrainische Flugkörper treffen derweil immer mehr Raffinerien und Logistikhallen in Russland. Auch warnte Selenskij vor Folgen für den russischen Flugverkehr - der ukrainische Luftraum ist für zivile Maschinen längst zu - „die Zeiten, in denen der russische Luftraum sicher war, sind vorbei“, sagte er. Putin nannte das „Aufruf zum Staatsterrorismus“ und sagte, dass „man mit Terroristen nicht verhandelt“. Allerdings seien Trumps Vertreter stets willkommen.
Ein „happy holiday” für Putin
Am Samstag ordnete Putin anlässlich der Begegnung mit den Amerikanern nun eine drei Tage lang Waffenruhe an. „Welcome to Moscows Peacemakers“, schrieb Dmitrijew zu einem Foto, das ihn beim Empfang von Witkoff und Kushner am Flughafen Wnukowo zeigt. Sie fuhren anschließend zunächst zum Lunch Moskau, auf der Fassade des Restaurants stand „Alles für den Sieg!“ Es war der Jahrestag der Gründung der russischen Metropole - „happy holiday” gratulierte Kushner dem Gastgaber Putin dann im Kreml zur Begrüßung, schreibt die New York Times.
Vor dem Treffen sprach Putins Sprecher Dimitri Peskow vom „guten Willen der Amerikaner“, sie würden ihre Vermittlungsbemühungen fortsetzen. Russland verlange aber weiterhin, dass die Ukraine ihre Truppen aus den östlichen Regionen Donezk und Luhansk abziehe, bevor ein Waffenstillstand in Kraft treten könne. Das lehnt die Ukraine ab. Die drei Stunden lange Unterredung von Putin mit Witkoff und Kushner lobte Kreml-Berater Juri Uschakow als „konstruktiv, äußerst offen und vertrauensvoll“. Die Gäste hätten „eine Reihe von Ideen zu möglichen Wegen zu einer Einigung vorgelegt“.
Nach konkreten Plänen oder gar einem Durchbruch klingt das nicht. Putin hatte am Donnerstag erklärt, dass sich Russland und die Ukraine zunächst untereinander einigen müssten. An diesem Sonntag werden Witkoff und Kushner in Kiew erwartet, sie wollten sogar mit dem Flugzeug einreisen und ausreisen. Deshalb soll der Waffenstillstand zunächst bis Montagmittag gelten, am Freitag waren die beiden Flughäfen der ukrainischen Hauptstadt noch beschossen worden.
„Wir müssen nach echten Optionen suchen, wie dieser Krieg zu einem Ende gebracht werden kann“, sagte Selenskij in einem Video auf X. „Wir werden sehen, welche Vorschläge Steve und Jared vorlegen und welche Antworten sie in Moskau darauf erhalten.“ Aber auch der ukrainische Präsident wird mitbekommen haben, wie Witkoff im Auftrag des US-Präsidenten bei Putin auftrat. „Wenn wir in den Ruhestand gehen, werden wir all diese unglaublichen Geschichten und Erinnerungen haben“, sagte er, „und Ihre wird ganz oben auf der Liste stehen.“ Bei seiner Huldigung meinte der Amerikaner den Mann im Kreml, der für den schlimmsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich ist.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Verhandlungen zwischen Witkoff, Kushner und ukrainischen Vertretern in Kiew werden keine unmittelbaren Durchbrüche erzielen, da grundlegende Differenzen über Territorium und Sicherheitsgarantien bestehen bleiben.
Likely · Within days
Russische Angriffe auf zivile Infrastruktur in der Ukraine, einschließlich Energieversorgung und Krankenhäuser, werden in den kommenden Tagen wahrscheinlich weitergehen oder zunehmen.
Likely · Within days
Open Questions
- Welche konkreten Friedenspläne werden Witkoff und Kushner in Kiew vorlegen?
- Wie wird die Ukraine auf die Forderungen nach Truppenrückzug aus Donezk und Luhansk reagieren?
- Wird die angekündigte dreitägige Waffenruhe von Putin eingehalten?
- Welche Rolle spielen wirtschaftliche Interessen der Gesandten bei den Verhandlungen?




