Unruhe im Pentagon: Personelle Umwälzungen und Kritik an Verteidigungsminister Hegseth
Rücktritte, Entlassungen von Generälen und Streit um die Führung des US-Verteidigungsministeriums belasten die US-Regierung in einer kritischen Phase.
Quick Look
- Das US-Verteidigungsministerium steht inmitten des Irankriegs wegen personeller Umwälzungen und des umstrittenen Führungsstils von Minister Pete Hegseth unter Druck.
- Nach zahlreichen Entlassungen von Generälen hat nun Heeres-Staatssekretär Daniel Driscoll seinen Rücktritt eingereicht.
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Why It Matters
Das US-Verteidigungsministerium sieht sich neben militärischen Herausforderungen mit massiven personellen Umwälzungen unter Minister Pete Hegseth konfrontiert.
Das Pentagon kommt nicht zur Ruhe. Während die Vereinigten Staaten angesichts des Irankriegs in der größten militärischen Herausforderung seit dem Scheitern im Irak und in Afghanistan stecken, belasten personalpolitische Umwälzungen das Verteidigungsministerium. Konnte man anfangs noch glauben, ein Muster erkennen zu können, wonach „Kriegsminister“ Pete Hegseth sein Ressort von vermeintlich „woken Elementen“ befreien wollte, wird nun immer deutlicher, dass die Konflikte tiefer gehen. Sachliche Differenzen und der Führungsstil des umstrittenen Ministers führen zu Abgängen, die in einer kritischen Zeit Lücken reißen.
„Kompetenz schüchtert Hegseth ein“
Jüngstes Beispiel: Heeres-Staatssekretär Daniel Driscoll, ein Vertrauter von Vizepräsident J. D. Vance, den Präsident Donald Trump anerkennend den „Drohnen-Typen“ nannte, hat hingeschmissen. Er hatte nicht nur die größte Teilstreitkraft geleitet, sondern war auch Mitglied der Ukraine-Verhandlungsdelegation.
Am Mittwoch schlug deshalb der scheidende republikanische Senator Thom Tillis, langjähriges Mitglied des Streitkräfte-Ausschusses, Alarm: Nie habe er eine ungeschicktere Führung des Ministeriums erlebt. Kompetenz anderer schüchtere Hegseth offenbar ein. Er schüre zudem einen Kulturkampf, anstatt nüchtern die Interessen der Streitkräfte zu vertreten. Er, Tillis, appelliere an den Präsidenten, die Führung des Ministeriums neu zu besetzen.
Als Driscoll in der vergangenen Woche um seine Entlassung bat, führte er auch ein Gespräch mit Trump, wie amerikanische Medien berichteten. Dem Vernehmen nach sagte er dem Oberbefehlshaber, dass chaotische Entlassungen von erfahrenen Führungskräften im Heer, die oftmals kaum oder gar nicht begründet würden, der Teilstreitkraft Schaden zufügten. Angeblich habe Trump überrascht reagiert und soll Driscoll noch nahegelegt haben, zumindest die Kongresswahlen im November abzuwarten. In den Monaten zuvor hatte Driscoll sich schon im Weißen Haus, unter anderem bei Stabschefin Susie Wiles, über Hegseths erratische Personalpolitik beklagt.
Trump nominiert Marine-Staatssekretär
Hegseth hatte zuvor mehr als zwei Dutzend ranghohe Militärs von ihren Aufgaben entbunden, unter anderem im April General Randy George, der als Stabschef des Heeres mit Driscoll die Teilstreitkraft führte und ein enger Vertrauter des Staatssekretärs war. George, dem keine Gründe für seine Entlassung genannt worden waren, war kein Einzelfall. Anfang Juli wurde General Christopher Donahue entlassen, der Befehlshaber des Heeres in Europa und Afrika, der in Wiesbaden sitzt. Und während Iran sein Nervenspiel mit Trump in der Straße von Hormus spielte, tauschte Hegseth den für die Marine zuständigen Staatssekretär John Phelan aus.
Der Minister hatte wenige Wochen nach Amtsantritt im vergangenen Jahr angekündigt, die Zahl der Viersternegeneräle um mindestens 20 Prozent reduzieren zu wollen, um unnötige Bürokratie abzubauen. Tatsächlich hat der Minister inzwischen insgesamt 80 Generäle (und Admiräle) verschiedener Dienstgrade entweder gefeuert oder deren Beförderung blockiert. Zuletzt stoppte er etwa den Aufstieg von sieben Offizieren, die von dem zuständigen Personalgremium ausgeguckt worden waren, zu Zweisternegenerälen (Generalmajor) befördert zu werden.
Anfang der Woche reagierte Trump nun auf die Vakanz im Amt des Marine-Staatssekretärs. Der Präsident nominierte den bisherigen kommissarischen Leiter der Teilstreitkraft, Hung Cao, für die dauerhafte Besetzung des Postens. Er könne sich „niemanden Besseren“ als obersten zivilen Verantwortlichen für Marine und Marineinfanterie vorstellen, teilte er am Dienstag auf seiner Plattform Truth Social mit und rief den Senat auf, Cao schnell zu bestätigen.
Cao, der das Marineamt seit April geschäftsführend leitet, wurde in Vietnam geboren und kam 1975 als Flüchtling nach Amerika. Die Personalie ist geeignet, sich gegen den Vorwurf zu immunisieren, im Pentagon erhielten nur noch weiße Männer ranghohe Posten.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses teilte unterdessen mit, der Präsident habe volles Vertrauen in Hegseth. Wahr ist allerdings: Zwischen dem „Kriegsminister“ und dem Oberbefehlshaber soll es zuletzt wegen der Probleme im Irankrieg mehrfach geknallt haben.
What to Watch
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Bestätigung von Hung Cao als Marine-Staatssekretär durch den Senat
Likely · Within months
Open Questions
- Wie wird US-Präsident Trump auf die anhaltende Kritik an Hegseth reagieren?
- Welche langfristigen Auswirkungen haben die Entlassungen auf die militärische Einsatzbereitschaft?




