US-Militär greift drei iranische Öltanker an
Quick Look
- Das US-Militär hat im Persischen Golf und im Golf von Oman drei iranische Öltanker angegriffen, nachdem iranische Revolutionsgarden mit ballistischen Raketen auf zwei US-Kriegsschiffe geschossen hatten.
- Ein Tanker wurde vollständig zerstört, zwei weitere dauerhaft außer Gefecht gesetzt.
- Es gab keine amerikanischen Verletzten.
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Why It Matters
Der Konflikt zwischen den USA und ihrem Verbündeten Israel einerseits und dem Iran und seinen Verbündeten wie der Hisbollah andererseits eskalierte seit Anfang 2026 zu einem offenen Militärkonflikt, der als 'Irankrieg' bezeichnet wird. Die USA und Israel begannen Ende Februar 2026 gemeinsam militärische Operationen gegen den Iran.
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben im Persischen Golf und im Golf von Oman drei iranische Öltanker angegriffen. Wie das zuständige US-Regionalkommando Centcom weiter mitteilte, reagierte es damit auf einen Angriff der iranischen Revolutionsgarden mit ballistischen Raketen auf zwei US-Kriegsschiffe, die in den Gewässern patrouillierten. Daraufhin hätten die USA einen iranischen Tanker im Golf von Oman „vollständig“ zerstört, zwei weitere Schiffe seien nahe der Insel Charg und nahe Jask „dauerhaft außer Gefecht gesetzt“ worden.
Ein US-Flugzeugträger und ein Lenkwaffenzerstörer hätten mehreren unprovozierten iranischen Angriffen erfolgreich ausweichen können, hieß es weiter. Es gab demnach keine Verletzten unter den amerikanischen Besatzungsmitgliedern.
Die drei iranischen Rohöltanker gehören nach Angaben des US-Militärs zu einem milliardenschweren Schattennetzwerk, das die Revolutionsgarden und deren regionale Stellvertreter finanziert. Iran verfüge über keinerlei Mittel, um sie zu verteidigen, hieß es.
Die Botschaft an die Revolutionsgarden ist laut Centcom-Kommandeur, Admiral Brad Cooper, klar: „Wenn ihr auf zwei unserer Schiffe schießt, werden wir euch noch höhere wirtschaftliche Kosten auferlegen ‒ indem wir drei eurer Schiffe ausschalten.“ Die US-Streitkräfte seien bereit, die zahlenmäßig begrenzte und ungeschützte Ölflotte Irans zu zerstören.
Iranische Medien hatten zuvor von Explosionen in der Nähe der strategisch wichtigen Insel Kharg im Persischen Golf berichtet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Tasnim sollen vier US-Raketen einen iranischen Öltanker rund elf Kilometer vor der Küste der Insel getroffen haben. Demnach gab es keine Opfer, die Besatzung evakuierte das Schiff.
Kharg ist der wichtigste Umschlagplatz für iranische Rohölexporte. Berichten zufolge werden dort mehr als 90 Prozent der iranischen Exporte abgewickelt.
Der Zivilschutz im Gazastreifen hat nach eigenen Angaben die sterblichen Überreste von 55 Menschen aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen. Das Gebäude in der Stadt Gaza sei vor zwei Jahren bei israelischen Bombenangriffen zerstört worden. Während des Gaza-Kriegs hätten sich dort Angehörige einer Familie und Binnenvertriebene aufgehalten. Eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor.
Nach Angaben des Satellitenzentrums der Vereinten Nationen (Unosat) sind während des Kriegs 82 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen zerstört oder beschädigt worden. Die Gesundheitsbehörden in Gaza sowie UN-Organisationen und Hilfsorganisationen schätzen, dass unter den Trümmern die Überreste von 10.000 bis 14.000 verschütteten Personen liegen.
Iranische Medien berichten von Explosionen in der Nähe der strategisch wichtigen Insel Kharg im Persischen Golf. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht, gab es weder Zeichen von Rauch noch Feuer. Offizielle Angaben zur Ursache und zu möglichen Schäden lagen zunächst nicht vor.
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna soll ein kleines Schiff getroffen worden sein. Dem Bericht zufolge gab es keine Opfer. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Kharg ist der wichtigste Umschlagplatz für iranische Rohölexporte. Berichten zufolge werden hier mehr als 90 Prozent der iranischen Exporte abgewickelt.
Bei israelischen Angriffen im Süden und Osten von Libanon sind am Freitagabend mindestens drei Menschen getötet worden. 23 weitere Menschen wurden bei den Angriffen auf insgesamt fünf Orte in den südlichen Regionen Tyros und Nabatije sowie im östlich gelegenen Bekaa verletzt, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Angriffe fanden trotz einer derzeit zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz geltendne Waffenruhe statt.
Nach Berichten der libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden zwei junge Männer in der Stadt Nabatije auf ihrem Motorrad getroffen. Ihre Leichen wurden demnach von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht.
Israel verstärkte am Freitag seine Angriffe in der Region Nabatije und griff auch das Dorf Rmadijeh im Raum Tyros an, das mehr als zehn Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt.
Das libanesische Gesundheitsministerium erklärte, dass es dort ein drittes Todesopfer gegeben habe. Zudem seien 15 Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder, drei Frauen und sechs Rettungskräfte.
Der Libanon war im März in den Iran-Krieg hineingezogen worden, als die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon Israel angriff. Israel reagierte mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Libanesischen Angaben zufolge wurden dabei mehr als 4300 Menschen getötet.
Vor dem Hintergrund fehlender Erfolge im Konflikt mit Iran versucht US-Präsident Donald Trump den Krieg gegen die Islamische Republik kleinzureden. „Ich nenne es einen militärischen Konflikt, weil es für uns eine Kleinigkeit ist. Es ist keine große Sache“, sagte er bei einer Pressekonferenz im Oval Office, bevor er sich mit seinen vermeintlichen Erfolgen rühmte.
Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob 18 tote Angehörige des US-Militärs „kleine Fische“ seien, ging Trump zunächst nicht ein. Stattdessen rühmte er sich damit, dass die USA „mit großem Abstand“ führend im Weltall seien. Später ruderte er etwas zurück: „Wir haben 18 Menschen verloren, 18 großartige Menschen (...) und einer ist schon einer zu viel.“
Seit längerem versucht die US-Regierung, den Irankrieg zu relativieren. In rund zwei Monaten stehen die wichtigen Parlamentswahlen an. Aufgrund der Energiekrise durch die faktisch weiterhin blockierte Straße von Hormus – die vor dem Konflikt noch für den weltweiten Ölhandel offen war – haben viele US-Amerikaner mit hohen Preisen zu hadern. Das sorgt für wenig Begeisterung für die Politik von Trump und seinen Republikanern.
Erst am Donnerstag hatte Vize-Präsident JD Vance bei einem ersten offiziellen Pressebriefing des Weißen Hauses seit Wochen den Konflikt mit Iran heruntergespielt. „Ich würde es nicht als Krieg bezeichnen“, sagte er vor Journalisten und argumentierte, dass es derzeit keine Kampfhandlungen gebe. In den Monaten davor und zuletzt Anfang der Woche hatte das US-Militär immer wieder Ziele Irans ins Visier genommen. Die USA hatten Ende Februar gemeinsam mit Israel ihren jüngsten Krieg gegen Iran begonnen.
Israel hat am Donnerstag die Freilassung von fünf Zivilisten bekanntgegeben, die in Südlibanon im Zuge des jüngsten Krieges zwischen Israel und der von Iran unterstützten Hizbullah festgenommen worden waren. Nach dem Abschluss der Vernehmungen habe sich herausgestellt, „dass es sich um Zivilisten handelt, die keiner Terrororganisation angehören und nicht in terroristische Aktivitäten verwickelt waren“, teilte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit. Es gebe „keinen Grund, sie weiterhin in Israel festzuhalten“.
Die Entscheidung sei auf „umfassende Bemühungen“ Israels und Libanons erfolgt, die sterblichen Überreste von führenden Vertretern der libanesischen jüdischen Gemeinde ausfindig zu machen und zurückzuführen, die in den 80er Jahren während des libanesischen Bürgerkrieges entführt und getötet worden waren.
Libanon teilte seinerseits mit, seine Armee habe über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) einen Mann in Empfang genommen. Das IKRK teilte mit, dass derzeit eine humanitäre Operation im Gange sei.
Die USA untersuchen nach Angaben von Vizepräsident JD Vance Berichte über einen tödlichen Raketeneinschlag auf eine Hochzeitsfeier in Iran. Staatsmedien des Landes hätten bislang nicht besonders zuverlässig über den Konflikt berichtet, sagte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Daher sei er äußerst skeptisch.
Anders als die iranischen Revolutionsgarden würden die USA im Kampf niemals Zivilisten ins Visier nehmen, betonte er. Ähnlich hatte sich zuvor bereits das US-Militär geäußert. „Das werden wir niemals tun. Das haben wir noch nie getan. Und leider passieren natürlich manchmal Dinge“, sagte Vance. In diesem speziellen Fall glaube er aber nicht, dass Informationen in die eine oder andere Richtung vorlägen.
„Wir untersuchen das, weil uns das natürlich wichtig ist“, sagte er. „Wir wollen es wissen.“ Und wenn das US-Militär „Fehler“ mache — auch das sei ein Unterschied zu Iran —, dann lerne es daraus, um sich zu verbessern.
F.A.Z.-Korrespondentin Friederike Böge hat zu dem Vorfall bereits berichtet:
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat einen Sturz der iranischen Führung als „die wichtigste Aufgabe, die noch vor uns liegt“ bezeichnet. Er sei fest überzeugt, dass dies möglich sei, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros bei einem Treffen im Militärhauptquartier in Tel Aviv. Diese Aufgabe sei „nah“, sagte er demnach. „Sie ist nicht unmöglich. Sie liegt in unserer Reichweite.“
Der israelische Regierungschef sprach von „historischen Errungenschaften“ in den Kriegen gegen Iran in diesem und im vorigen Jahr. „Wir standen der Gefahr unserer Vernichtung durch ein Regime gegenüber, das danach strebt, uns auszulöschen und sich mit Atomwaffen ausrüsten will, um uns zu vernichten“, sagte Netanjahu. „Wir haben diese Bedrohung und auch andere Bedrohungen zurückgedrängt.“
Die Führung in Teheran sei derzeit angeschlagen und „schwach wie noch nie“, sagte Netanjahu ferner. Deshalb greife Iran Israel auch nicht an. Gleichzeitig drohte der Premier: „Ich sage unseren Feinden: Legt euch nicht mit uns an.“ Israel habe „die Kraft, die Entschlossenheit und die innere Geschlossenheit, euch zu besiegen“.
Die USA hatten Ende Februar gemeinsam mit Israel ihren jüngsten Krieg gegen Iran begonnen und das Land fast 40 Tage lang aus der Luft angegriffen. Zahlreiche einflussreiche Generäle und Spitzenpolitiker wurden gezielt getötet, darunter bereits am ersten Kriegstag Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. Die Tötungen haben — anders als von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt — keinen „Regime Change“ herbeigeführt. Vielmehr hat der Krieg die Macht radikaler Kräfte und des einflussreichen Militärapparats in Iran gefestigt.
Der Golfstaat Kuwait ist am frühen Morgen abermals Ziel iranischer Angriffe geworden. Die Luftabwehr wehre „feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab“, teilte das Militär des mit den USA verbündeten Landes auf der Plattform X mit. Explosionsgeräusche seien auf das Abfangen der Drohnen zurückzuführen.
Irans staatlicher Rundfunk Irib berichtete auf X, die Angriffe seien eine Antwort auf „Amerikas Verbrechen“ und richteten sich gegen US-Militärstützpunkte in Kuwait.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth verlängert unterdessen nach Informationen des „Wall Street Journals“ die Truppenstationierungen in der Region. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sich der vor gut sechs Monaten begonnene Konflikt bis weit ins nächste Jahr hineinziehen könnte, zitierte die US-Zeitung mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Nach der Wiederaufnahme gegenseitiger Angriffe hat US-Präsident Donald Trump Iran mit weiteren Attacken gedroht. „Wir haben letzte Nacht weit mehr als nur ihren Radar in die Luft gejagt“, sagte Trump am Mittwoch im Weißen Haus. „Es war ein sehr heftiger Angriff letzte Nacht, und wir sind bereit, jederzeit einen weiteren zu starten.“
US-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social eine Umbenennung der Straße von Hormus nach sich selbst ins Spiel gebracht. „Jetzt, da wir sie unter US-amerikanischer Kontrolle haben, sollten wir den Namen Hormus-Straße in TRUMP-STRASSE ändern???“, fragte er provozierend. „Genau wie Amerika selbst wäre sie dann ‚heißer‘ als je zuvor!“, fügte Trump hinzu.
Trump hat wiederholt die Umbenennung geografischer Orte angekündigt oder verfügt – zuletzt den US-kanadischen Grenzsee Lake Ontario in „Lake America“. Kanada lehnt die Umbenennung ab.
Im Fall der Straße von Hormus blieb unklar, wie sich Trump eine Umbenennung der Meerenge vorstellt. Iran hat Hoheitsgewässer an ihrer Nordseite, der Oman an ihrer Südseite.
Schon zuvor hatte der US-Präsident halb im Scherz von der „Straße von Trump“ gesprochen. Vergangenen Monat gab er zudem an, die Meerenge nach dem Ende des Irankrieges zu US-Territorium erklären zu wollen. Nähere Angaben zur Umsetzung machte er auch damals nicht.
Ungeachtet bestehender Einschränkungen für die Handelsschiffsfahrt in der Meerenge behauptet die US-Regierung immer wieder, dass sich die Straße von Hormus unter US-Kontrolle befände.
Im Zuge neuer Militärschläge fällt die iranische Währung auf ein Rekordtief von mehr als 2,2 Millionen Rial pro Dollar. Das geht aus Daten von zwei Internetseiten hervor, die den freien Wechselkurs abbilden. Damit gibt der Rial binnen einer Woche um rund zehn Prozent nach. Innerhalb eines Jahres büßt die Währung etwa die Hälfte ihres Wertes ein.
Das US-Militär hat Berichte über einen tödlichen Raketeneinschlag auf eine Hochzeitsfeier in
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Iran wird versuchen, seine Ölexporte über alternative Routen zu sichern oder seine Schattenflotte auszubauen.
Likely · Within months
Die USA werden ihre militärische Präsenz in der Region weiter erhöhen, um die Straße von Hormus unter Kontrolle zu halten.
Very likely · Within weeks
Die internationale Gemeinschaft wird Druck auf den Iran ausüben, um eine Eskalation zu verhindern, insbesondere aufgrund humanitärer Bedenken in Gaza und Libanon.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie hoch sind die wirtschaftlichen Schäden für den Iran durch die Zerstörung der Öltanker genau?
- Wird der Iran militärisch auf den Verlust seiner Ölexportinfrastruktur reagieren?
- Wie wird die internationale Gemeinschaft, insbesondere die UN und die EU, auf die Angriffe auf zivile Infrastruktur im Gazastreifen reagieren?
- Gibt es Beweise dafür, dass die zerstörten Öltanker tatsächlich Teil eines militärisch relevanten Schattennetzwerks waren?




