
Über firmeneigene Spendenkomitees unterstützen Beschäftigte US-Abgeordnete, um Einfluss auf Regulierung und Zölle zu nehmen.
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US-Töchter deutscher Konzerne nutzen Political Action Committees (PACs), um über freiwillige Mitarbeiterbeiträge politische Beziehungen zu pflegen. Dies ist eine gängige Praxis zur Einflussnahme auf Regulierung und Zölle.
New York, San Francisco, Düsseldorf, München. Richard Hudson und Doris Matsui sind sich in der US-Telekommunikationspolitik nicht immer einig. Der Republikaner Hudson leitet den zuständigen Unterausschuss im US-Kongress, die Demokratin Matsui ist dort die ranghöchste Vertreterin der Opposition. Beide haben dennoch etwas gemeinsam: Sie bekommen Geld aus demselben Haus.
Das Spendenkomitee (Pac) der US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile, überwies im Vorfeld der Zwischenwahlen am 3. November bislang 7000 Dollar an Hudson und 9500 Dollar an Matsui. Für T-Mobile ist das kein Widerspruch. Wer in Washington auf politische Entscheidungen angewiesen ist, pflegt seine Kontakte zu beiden Parteien – und besonders zu den Abgeordneten, die über die eigene Branche wachen. Dieses Muster zeigt sich auch bei anderen deutschen Konzernen in den USA.
Vor den Zwischenwahlen haben deren US-Beschäftigte über firmeneigene Komitees bislang knapp zwei Millionen Dollar an mehr als 300 Kandidaten für den US-Kongress überwiesen. Das geht aus einer Auswertung von Daten der US-Wahlbehörde FEC durch die Transparenzorganisation Open Secrets für das Handelsblatt hervor.
Damit dürften die US-Beschäftigten deutscher Konzerne vor den anstehenden Wahlen in ähnlicher Größenordnung spenden wie schon im Wahlkampf vor zwei Jahren. Damals überwiesen die Spendenkomitees ihrer Mitarbeiter laut Open Secrets bis wenige Tage vor der Wahl rund 2,5 Millionen Dollar an Kongresskandidaten.
Für die Auswertung hat die Transparenzorganisation alle Spenden an Wahlkampfkomitees der Kongresskandidaten zwischen Januar 2025 und Juni 2026 ausgewertet – dem Ende der jüngsten vollständig gemeldeten Periode. Die vollständigen Angaben für das dritte Quartal liegen noch nicht vor. Die tatsächlichen Summen dürften inzwischen also höher sein.
Direkt aus der Firmenkasse dürfen die Tochterfirmen deutscher Konzerne das Geld nicht überweisen. Deshalb sammeln US-Beschäftigte sowie Anteilseigner in firmeneigenen Spendenkomitees, sogenannten Political Action Committees (Pac), freiwillige Beiträge. Die Mutterkonzerne betonen deshalb, auf die Entscheidungen der Mitarbeiter keinen Einfluss zu nehmen.
Dennoch zeigt sich in den Geldströmen ein Muster. Die größten Summen gehen an Amtsinhaber, die über das entscheiden, was deutsche Konzerne derzeit besonders betrifft: Zölle und Regulierung.
Angeführt wird die Geberliste von T-Mobile: Die Beschäftigten der US-Tochter der Deutschen Telekom spendeten über den Firmen-Pac bislang 557.000 Dollar an Kandidaten und damit mehr als doppelt so viel wie die des zweitgrößten Geldgebers BASF.
Der größte Block hinter den Spenden bildet ohnehin die Gesundheits- und Pharmabranche: Auf die Mitarbeiter-Pacs von Fresenius Medical Care, Boehringer, Bayer und Merck entfällt zusammen gut ein Drittel des Geldes. Es folgen die Komitees von Chemiekonzernen wie BASF und Covestro sowie von Industrie- und Finanzhäusern von Siemens über SAP bis Allianz.
„Die Spenden von Unternehmens-Pacs fallen sehr stark zugunsten der Amtsinhaber und insbesondere der Ausschussvorsitzenden aus“, fasst Open-Secrets-Analyst Andrew Mayersohn die Zahlen zusammen. Das erkläre auch die moderate Tendenz zugunsten der Republikaner. Rund 59 Prozent der Spenden entfallen demnach auf Kandidaten der Republikaner, rund 41 Prozent auf die der Demokraten.
„Die Republikaner kontrollieren sowohl beide Kammern des Kongresses als auch das Präsidentenamt“, sagt Mayersohn. Dieses Spendenmuster zeige sich nicht nur bei den Mitarbeiter-Pacs der Töchter deutscher Konzerne, sondern über alle Geldgeber hinweg.
Das meiste Geld – rund 55.000 Dollar – floss bislang an Brett Guthrie, den republikanischen Vorsitzenden des Energie- und Wirtschaftsausschusses. Dessen Zuständigkeit reicht von der Telekommunikation über die Energie- bis zur Chemiebranche.
Auch dort, wo über Handelsschranken entschieden wird, engagieren sich die Mitarbeiter-Pacs der deutschen Töchter besonders stark. Mit knapp 40.000 Dollar folgt der Republikaner Jason Smith, Vorsitzender des Ways-and-Means-Ausschusses, der für Steuern und Zölle zuständig ist. Zu den größten Empfängern zählen auch die Demokraten Suzan DelBene und Brad Schneider – beide Mitglieder des Handels-Unterausschusses.
In die Mitarbeiter-Pacs dürfen nur bestimmte Beschäftigte einzahlen, insbesondere US-Bürger oder Personen mit einem dauerhaften Aufenthaltsrecht. Das Unternehmen richtet das Komitee zwar ein und trägt dessen Verwaltung – das Geld selbst stammt aber aus den Taschen der Mitarbeiter. Entsprechend betonen die Unternehmen auf Nachfrage, dass sie selbst keine direkten politischen Spenden in den USA tätigten und auf die Verteilung durch die Mitarbeiter-Pacs keinen Einfluss nähmen.
Bei BASF entscheidet über die Verteilung etwa ein Pac-Lenkungsausschuss, der sich aus den US-Mitarbeitern zusammensetzt. Das Unternehmen verweist darauf, dass sich das Pac konkrete Regeln gegeben habe: Die Empfänger „vertreten Gebiete, in denen BASF-Mitarbeiter tätig sind. Sie sind in relevanten Ausschüssen tätig, oder sie teilen in anderer Weise unsere Vision einer nachhaltigen Zukunft“, heißt es von BASF.
Ähnlich äußert sich Merck. Das Mitarbeiter-Pac der US-Tochter EMD Serono fördere „Kandidaten, die medizinische Innovationen, Patientenzugang und klinischen Fortschritt unterstützen“, heißt es vom Konzern. „Das steht in Übereinstimmung mit unseren Unternehmenswerten.“
Ein Sprecher von Siemens betont wiederum, das Pac agiere „überparteilich und unterstützt den Aufbau sowie die Pflege von Beziehungen zu gewählten Amtsträgern beider Parteien, die jene Gemeinden vertreten, in denen wir leben und arbeiten“.
Der US-Dachverband der Unternehmens-Pacs, Nabpac, hält solche Komitees für den transparentesten und am strengsten regulierten Teil des amerikanischen Wahlkampffinanzierungssystems. Die Mitarbeiter-Komitees, betont Verbandschefin Micaela Isler, „werden aus freiwilligen Beiträgen der Beschäftigten gespeist, nicht aus unbegrenztem Konzerngeld“.
Das große Geld im US-Wahlkampf fließt stattdessen über sogenannte Super-Pacs, die unbegrenzt Spenden sammeln und zugunsten von Kandidaten unabhängig von deren Kampagnen ausgeben. Amerikanische Konzerne dürfen diese aus der Firmenkasse speisen. Wegen ihres Auslandsbezugs ist dieser Weg für US-Töchter deutscher Konzerne aber kaum gangbar. Ihnen bleibt meist nur der kleine, streng gedeckelte Kanal: Spenden ihrer US-Beschäftigten an einzelne Kandidaten, höchstens 5000 Dollar je Wahl. Parteiinterne Vorwahlen gelten dabei als eigenständige Wahl.
T-Mobile, dessen Mitarbeiter-Pac am meisten spendete, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Für den Mutterkonzern Deutsche Telekom steht in den USA derzeit viel auf dem Spiel: Die Telekom ist mit Abstand größter Anteilseigner von T-Mobile und erwägt Berichten zufolge, die US-Tochter ganz zu übernehmen. Beide könnten dann in einer neuen Holding zu einem transatlantischen Konzern verschmelzen.
Ein solcher Zusammenschluss bräuchte die Zustimmung der Regulierer, allen voran der Telekomaufsicht FCC. Über die FCC wiederum wacht im Kongress der Energie- und Wirtschaftsausschuss. Zu den Geldgebern seines Vorsitzenden Brett Guthrie zählt auch der Mitarbeiter-Pac von T-Mobile – mit bislang 9000 Dollar.
Auffällig sei laut Open-Secrets-Analyst Mayersohn zudem, dass sich die Autokonzerne in diesem Wahlkampf stark zurückhielten. Das Komitee von Mercedes-Benz brachte sich demnach nur mit wenigen Transaktionen und geringen Summen ein, von BMW findet sich in der Auswertung keine Spende. Ein ähnliches Bild zeige sich sogar bei den heimischen Herstellern: Das Spendenkomitee von Ford gehöre in diesem Wahlzyklus nicht zu den 500 größten Geldgebern.

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