Volks- und Raiffeisenbanken planen billigere Depots und neue Jugend-App
Um im Wettbewerb mit Neobrokern und Sparkassen aufzuholen, reformieren die Genossenschaftsbanken ihr Wertpapiergeschäft und planen eine eigenständige Marke.
Quick Look
- Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen ihr Wertpapiergeschäft ab Oktober mit günstigeren Depots in der Banking-App ankurbeln.
- Zudem ist bis Ende 2027 eine eigenständige App für junge Neukunden unter neuer Marke geplant.
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Why It Matters
Volks- und Raiffeisenbanken haben im Wertpapiergeschäft seit Jahren Marktanteile an Neobroker und Onlinebanken verloren.
Frankfurt. Die Volks- und Raiffeisenbanken erhöhen den Druck im Wettbewerb um Wertpapierkunden. Ab Oktober soll es ein günstigeres Depot in der Banking-App geben. Auch der ETF-, Aktien- und Kryptohandel ist vorgesehen. Das geht aus einem Schreiben an die Vorstände der mehr als 600 deutschen Genossenschaftsbanken hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.
Beschlossen wurde der Schritt Ende vergangener Woche durch den BVR-Verbandsrat. Das 50-köpfige Entscheidungsgremium des Branchenverbands BVR sprach sich dafür aus, das Depotmodell „Mein Depot neo“ zeitnah weiterzuentwickeln. Das schließe „wettbewerbsfähige Preise“ ein.
Der BVR wollte sich dazu nicht äußern. Das Schreiben stammt vom genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank und der Fondsgesellschaft Union Investment. Entsprechende Überlegungen sind seit mehreren Monaten bekannt – jetzt aber ist die Entscheidung gefallen.
Der Ausbau des Wertpapiergeschäfts ist eine Reaktion der Genossenschaftsbanken auf die zunehmende Konkurrenz durch Neobroker wie Trade Republic und Scalable sowie Neobanken wie Revolut. Auch Onlinebanken setzen verstärkt auf das Wertpapiergeschäft. „Die genossenschaftliche Finanzgruppe verliert hier an Relevanz“, heißt es in dem Schreiben an die Bankvorstände.
Die Sparkassen haben ihr Angebot bereits verbessert und im Sommer ihre App um den einfachen ETF- und Aktienhandel erweitert. Sie verlangen in ihrem „S-No-Angebot“ meist 95 Cent oder ein Euro pro Transaktion. Depotführung und Ausführung von Sparplänen sind in der Regel kostenlos.
Ähnliche Preise berechnen die Neobroker. Bei den Genossenschaftsbanken werden Insidern zufolge ebenfalls Gebühren zwischen 90 Cent und einem Euro je Transaktion diskutiert.
Trotz der hohen Zahl an privaten Kundinnen und Kunden haben Sparkassen wie Volksbanken – sie führen zusammen mehr als 60 Millionen Girokonten – im Wertpapiergeschäft erheblich an Marktanteilen eingebüßt. Bei den Volksbanken ist der Marktanteil, gemessen an der Zahl der Depots, von 2004 bis Ende 2024 von 36 Prozent auf knapp 20 Prozent gesunken, wie Bundesbank-Zahlen zeigen. Im selben Zeitraum legten die privaten Banken, getrieben durch Onlinebanken und besonders Neobroker, deutlich zu.
Zudem stimmte der BVR-Verbandsrat dafür, mit dem Projekt „Zuwachs“ bis Ende 2027 eine separate Wertpapier-App für junge Neukunden zu entwickeln. Dafür soll eine „neue, eigenständige Marke“ geschaffen werden, wie es in dem Vorstandsschreiben heißt. Die rechtliche Einheit soll der Genobroker, eine Tochter des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bilden.
Unter den Volks- und Raiffeisenbanken war dieser Schritt nach Handelsblatt-Informationen umstritten. So gab es Befürchtungen, dass Einlagen abfließen könnten, bestehende Kunden zur neuen App wechseln könnten und das Produkt „Zentralisierungstendenzen“ hin zur DZ Bank befördern könne.
Die genossenschaftliche Finanzgruppe ist dezentral organisiert, was Kern ihres Selbstverständnisses ist. Die Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und genossenschaftlichen Spezialinstitute sind rechtlich selbstständige Geldhäuser. Sie sind zusammen Eigentümer der DZ Bank sowie unter anderem von Union Investment, der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der R+V-Versicherung. Deren Produkte vermitteln die Volks- und Raiffeisenbanken wiederum an ihre Kunden.
Angesichts der Bedenken soll das Zuwachs-Projekt bestimmten Regeln folgen. So sei das Ziel, dass die Kunden der neue App letztlich zu den Volks- und Raiffeisenbanken weitergeleitet würden – und das solle genau gemessen werden. „Kannibalisierung im Bestandsgeschäft gilt es zu vermeiden“, heißt es in dem Schreiben an die Vorstände. Es solle durch Zuwachs „keinen schleichenden Ausbau“ hin zu einer Direktbank geben.
Jede wesentliche Produkterweiterung oder strategische Änderung benötige einen neuen Beschluss des BVR-Verbandsrats. Auch vor dem Start von Zuwachs wolle das Gremium noch einmal entscheiden.
Angepeilt ist laut dem Schreiben, dass die neue App bis 2030 rund 400.000 Kunden gewinnt. Sie soll demnach frühestens im Jahr 2034 die Gewinnschwelle erreichen. Die Investitionen solle die DZ Bank stemmen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Einführung des günstigeren Depots 'Mein Depot neo' im Oktober
Very likely · Within months
Entwicklung einer separaten Wertpapier-App 'Zuwachs' bis Ende 2027
Likely · Within months
Open Questions
- Welche exakten Gebühren werden für das Depot verlangt?
- Wie genau soll die Weiterleitung der App-Kunden an die Regionalbanken funktionieren?





