VW-Aufsichtsrat tagt am Freitag – Eskalation zwischen Familien, Land und Gewerkschaft droht
Quick Look
- Der Volkswagen-Aufsichtsrat tagt am Freitag in Wolfsburg, während die Spannungen zwischen den Aktionärsfamilien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen und der IG Metall zunehmen.
- Sollte es keine Einigung über einen tiefgreifenden Umbau geben, droht eine außerordentliche Hauptversammlung, bei der die Familien versuchen könnten, ihren Sparkurs gegen Widerstand durchzusetzen.
- Dabei stehen Werksschließungen, finanzielle Risiken und eine mögliche Ratingabstufung im Raum.
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Why It Matters
Seit dem Dieselskandal vor etwa zehn Jahren versucht Volkswagen, die Kosten zu senken. Ein Sparprogramm vor anderthalb Jahren reichte nicht aus, um den Konzern vor amerikanischen Schutzzöllen, chinesischer Konkurrenz und Preisdruck zu schützen.
Es sind nur noch wenige Tage, bis in Wolfsburg die ganz große Eskalation beginnen könnte. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns, und vorher stehen noch etliche Gesprächsrunden an. Von eisigem Schweigen zwischen den Mächtigen im Konzern kann also noch nicht die Rede sein, doch die Positionen wirken verhärtet.
Die Arbeitnehmervertreter stemmen sich gegen einen Kahlschlag, das Land Niedersachsen will seine Produktionsstandorte retten. Und in den Aktionärsfamilien Porsche und Piëch wächst offenbar die Bereitschaft zur Konfrontation, um die von ihnen geforderten harten Einsparungen durchzusetzen. Ein Insider beschreibt die Stimmung in den Familien so: „Es gibt eine harte Front derer, die sagen: Wir müssen das jetzt eskalieren lassen. Auch um zu zeigen: So geht es nicht weiter.“
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Land und Gewerkschaft brauchen eine Einigung
Schon kurz nach dem Dieselskandal vor gut zehn Jahren hatte Europas größter Autokonzern versucht, die Kosten drastisch zu senken. Vor anderthalb Jahren setzte das Management dann ein Sparprogramm durch, doch wurde bald schon klar, dass die geplanten Einschnitte nicht reichen würden, um VW im Sturm aus Amerikas Schutzzöllen, chinesischer Konkurrenz und hartem Preisdruck zu sanieren.
Nun also die Aufsichtsratssitzung am Freitag. Sollte es dort keine Einigung auf einen tiefgreifenden Umbau geben, könnten die Familien Porsche und Piëch gemeinsam mit dem Großaktionär Qatar versuchen, ihren Kurs auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gegen das am Konzern beteiligte Bundesland Niedersachsen und die IG Metall durchzusetzen.
Seit Tagen wird über so ein Szenario spekuliert, und aufseiten des Landes und der Gewerkschaft sind die Nerven schon zum Zerreißen gespannt. „Wir beschäftigen uns im Moment mehr mit Juristen als mit Inhalten, weil wir wirklich sehr vorsichtig sein müssen“, heißt es dort von Beteiligten. In der IG Metall stellt man sich schon die Frage, wie die Familienvertreter nach einer solchen Kraftprobe jemals wieder mit den Arbeitnehmervertretern und dem Land bei VW zusammenarbeiten wollen.
Angst vor einem schlechteren Rating
Im Management und in den Familien wird dagegen auf die sich zuspitzende Lage im Konzern verwiesen. Schon übernächstes Jahr könnten die finanziellen Schwierigkeiten immer deutlicher zutage treten, die aus hohen Produktionskosten in Deutschland und Europa bei gleichzeitig wachsendem Wettbewerb entstehen, wie Verantwortliche gegenüber der F.A.Z. berichten. VW könnte dann einen negativen Mittelzufluss verzeichnen, also – vereinfacht gesagt – mehr Geld ausgeben als einnehmen, heißt es in informierten Kreisen. Ohne entschlossenes Gegensteuern, so die Warnung, könnte das auch die Finanzierung des Konzerns erheblich verteuern. Befürchtet wird, dass die Ratingagenturen dann die Kreditwürdigkeit herabstufen.
Eine mögliche Folge: VW muss höhere Zinsen zahlen, wenn sich das Management neues Geld am Kapitalmarkt besorgt oder alte Kredite ersetzt. Vom Jahr 2030 an könnte VW dann auch bilanziell in die roten Zahlen rutschen und einen Verlust ausweisen.
Auf einer Betriebsversammlung im Nutzfahrzeugwerk in Hannover warnte Finanzvorstand Arno Antlitz am Montag davor, im Ringen um mehr Effizienz nachzulassen. Der VW-Konzern habe zwar im ersten Halbjahr eine operative Rendite von vier Prozent erreicht, doch das sei alles andere als eine „komfortable Position“, sagte der Manager in einer Rede vor den Beschäftigten, die anschließend in Auszügen veröffentlicht wurde.
„Im Gegenteil. Wenn der Wettbewerb die Preise um vier Prozent senkt und wir nachziehen müssen, rutschen wir in die Verlustzone“, sagte Antlitz in Hannover weiter. Die dortige Fabrik gehört zu den vier Standorten, denen die Schließung droht, weil sie aus Sicht des Vorstands zu teuer produzieren und die Auslastung nicht reicht, um alle Werke dauerhaft zu erhalten. Auch der Standort Emden, das Werk im sächsischen Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm fürchten deswegen um ihre Zukunft.
Das Land Niedersachsen und der Betriebsrat wollen dagegen Werksschließungen verhindern. Man liege in der Analyse der Schwierigkeiten gar nicht so weit auseinander, heißt es etwa im Umfeld der rot-grünen Regierungskoalition in Niedersachsen. Diese ist mit Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und der grünen Kultusministerin Julia Willie Hamburg im Aufsichtsrat des VW-Konzerns vertreten – und will nach eigener Aussage bis zur letzten Minute versuchen, einen Kompromiss auszuloten.
Dem Vernehmen nach sperrt sich das Land nicht grundsätzlich dagegen, die Autoproduktion an einzelnen Standorten auslaufen zu lassen, sofern ein klarer Weg festgelegt wird, um sicherzustellen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden. Als mögliche Alternative zu den Fahrzeugen wird immer wieder die Rüstungsproduktion genannt. Diese könnte schon bald an dem kleinen Standort Osnabrück einen Teil der wegfallenden Stellen retten, und auch für Hannover soll die Produktion von Rüstungsgütern eine Option sein.
Wenig kompromissbereit gibt sich das Land dagegen mit Blick auf eine neue Organisationsstruktur, von der sich Management und Aktionärsfamilien mehr Effizienz versprechen. Im Kern geht es um die Marke VW. Diese ist bisher unmittelbar in den organisatorischen Überbau des Konzerns, die Volkswagen AG, eingebunden. Künftig könnte sie – wie auch die Marken Audi oder Škoda – von der Wolfsburger Holding separiert und als eigenständige Tochtergesellschaft geführt werden. Das Land, so fürchtet man in der Niedersächsischen Staatskanzlei, verlöre dadurch womöglich seinen unmittelbaren Einfluss auf die VW-Standorte.
Zusammen mit den Vorschlägen der Arbeitnehmerseite liegen nun in Summe drei Beschlussvorlagen vor, mit denen sich der Aufsichtsrat am Freitag beschäftigen soll. Bleibt die Situation so verfahren wie bisher, behält sich das Management vor, die außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Damit würde der schwelende Konflikt öffentlich ausgetragen, ein beispielloser Vorgang im Konzern, der aber aus Sicht der Familien und der Führung nötig sein kann, um das Sparpaket auf den Weg zu bringen.
Die in einem eigenen VW-Gesetz festgelegte Vetoposition des Landes Niedersachsen mit seinen 20 Prozent der Stimmrechte würde sich mithilfe eines solchen Treffens zumindest in Teilen aushebeln lassen, lautet ganz offensichtlich die Kalkulation, von der allerdings offen ist, ob sie tatsächlich in vollem Umfang greift und einer möglichen juristischen Auseinandersetzung standhält. Frühestens Ende Oktober, Anfang November, so heißt es, fände die außerordentliche Hauptversammlung statt. VW stünde dann vor einem Machtkampf wie noch nie in seiner Geschichte.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Aufsichtsrat wird am Freitag keine Einigung über einen tiefgreifenden Umbau erzielen.
Likely · Within days
Eine außerordentliche Hauptversammlung wird Ende Oktober oder Anfang November stattfinden.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wird der Aufsichtsrat am Freitag eine Einigung erzielen?
- Welche konkreten Standorte sind von Schließungen bedroht?
- Wie wahrscheinlich ist eine außerordentliche Hauptversammlung?
- Welche Rolle wird der Katar-Investor spielen?







