VW-Werk Osnabrück vor Umbau zum Rüstungsstandort
Niedersachsen und Finanzinvestor Aurelius übernehmen VW-Standort für Verteidigungsprojekte
Quick Look
- Das VW-Werk in Osnabrück soll aus dem Konzernverbund gelöst und durch das Land Niedersachsen sowie den Investor Aurelius übernommen werden.
- Ziel ist die Transformation zum Kompetenzzentrum für Verteidigungstechnik, unter anderem für Luftabwehrsysteme.
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Why It Matters
Das Werk Osnabrück verliert durch das VW-Effizienzprogramm seine bisherige Auslastung. Die Transformation in ein Rüstungszentrum soll Arbeitsplätze sichern.
Am Volkswagen-Standort Osnabrück bahnt sich ein Schritt an, der sinnbildlich für den Umbruch in der Autoindustrie steht. Schon lange ist klar, dass das vergleichsweise kleine Werk im südwestlichen Niedersachsen bald keine Autos mehr herstellen wird. Stattdessen hat VW lange darum gerungen, ob und wie ein Einstieg ins Rüstungsgeschäft gelingen kann.
Jetzt wird ein erster, entscheidender Schritt gemacht: Wie die Beschäftigten in Osnabrück am Montagmorgen erfuhren, wird ihr Werk wohl bald aus dem bisherigen Konzernverbund herausgelöst. Das Land Niedersachsen und ein Finanzinvestor – Aurelius mit Hauptsitz in Tel Aviv – wollen den Standort übernehmen. Das soll die Basis schaffen, um künftig gemeinsam mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael Komponenten für Luftabwehrsysteme zu bauen.
Man wolle nicht nur Arbeitsplätze retten, sondern mit dem Ausbau des Militärgeschäfts auch dazu beitragen, dass sich Deutschland und Europa besser verteidigen könnten, verkündigte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) am Montagvormittag im Werk. „Osnabrück kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen.“ Auch die IG Metall gab sich zufrieden und sprach von einem „wichtigen Meilenstein“ für den Standort. „Darauf hat die Belegschaft vor Ort in den vergangenen zwei Jahren mit Hochdruck hingearbeitet.“
Über eine Produktion von Systemen des Unternehmens Rafael in Osnabrück war seit Monaten spekuliert worden. Nun ist die Rede davon, die Fabrik zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen umzubauen. Die Zusammenarbeit mit Rafael soll dafür nur ein erster Baustein sein, auf den nach Informationen der F.A.Z. schon bald die nächste Partnerschaft folgen soll.
So ist unter anderem geplant, eine ganze Flotte des Pick-up-Modells „Amarok“ für das polnische Rüstungsunternehmen WB Group umzubauen. Die Kooperation sieht vor, dass die Fahrzeuge flexibel eingesetzt werden können, um zum Beispiel Abschussrampen für Drohnen oder Steuer- und Überwachungseinheiten für Kanonensysteme zu transportieren. Wie in der Branche zu hören ist, will das Unternehmen WB die Fahrzeugkonzepte auf der Rüstungsmesse MSPO vorstellen, die an diesem Dienstag im polnischen Kielce beginnt.
VW baut den fast fünfeinhalb Meter langen Pritschenwagen Amarok mit Ford in einem Werk in Südafrika. Den Plänen zufolge sollen die Autos in Osnabrück für den militärischen Gebrauch umgerüstet werden. Für so eine Aufgabe sieht sich der Standort gut gerüstet, denn das Werk hat nicht nur Produktionshallen, sondern auch eine eigene Forschung und Entwicklung. Zu den genauen Mengen sind die Angaben noch vage: Die Rede ist von etwa 4000 Pritschenwagen, die an dem Standort umgerüstet werden könnten. Zudem plant WB eine Kooperation mit dem Lastwagenhersteller MAN, der ebenfalls zu VW gehört. Offiziell äußerten sich die Unternehmen am Montag nicht dazu.
Das Werk in Osnabrück war vor einigen Jahren nach der Insolvenz des Auftragsfertigers Karmann zu VW gekommen. Heute arbeiten dort noch 1800 Menschen. Wie die F.A.Z. schon berichtet hatte, dürfte für die Kooperation mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael ein Personalstamm von rund 600 bis 700 Mitarbeitern übernommen werden. Weitere Projekte wie die Zusammenarbeit mit WB aus Polen sollen zusätzliche Jobs erhalten. Außerdem könnte VW noch eine Zeit lang in dem Presswerk Komponenten für andere Autofabriken des Konzerns produzieren.
Alles in allem, so rechnet die IG Metall vor, werden im ersten Schritt knapp 1400 Arbeitsplätze erhalten. Über die Jahre könnte diese Zahl dann noch ein Stück weit abschmelzen. Die Rede ist von einer „Sollgröße“ für das neue Kompetenzzentrum von rund 1200 Stellen, abgesichert durch verbindliche Zusagen bis zum Jahr 2029. Das sei „die erste Beschäftigungssicherung am Standort seit der Karmann-Insolvenz und der Übernahme durch Volkswagen vor rund 16 Jahren“, teilt der Betriebsrat mit.
Besonders lange wurde um die konkrete Struktur der Gesellschaft gerungen. Qatar, ein VW-Großaktionär, hatte schon vor Monaten seinen Widerstand gegen eine direkte Zusammenarbeit mit Israel angekündigt. Verschiedene Optionen, um den Standort aus dem Konzern zu lösen, wurden abgewogen, unter anderem eine gemeinsame Trägerschaft des Werks durch Land und Bund. Der Bund bleibt nun außen vor. Stattdessen wurden Eckpunkte vereinbart, um die Fabrik an das Land Niedersachsen – seit jeher ein Großaktionär von VW – und Aurelius zu verkaufen.
Wie viel Geld dafür fließt, wurde am Montag zunächst nicht bekannt. Zuvor war die Rede davon gewesen, dass der Einstieg Niedersachsens an dem Standort rund 200 Millionen Euro an Steuermitteln kosten könnte.
In der Pressemeldung von VW ist die Rede davon, dass vor der Transaktion noch weitere Details geklärt werden müssen, etwa Zuständigkeiten, die genaue Organisationsform und die Finanzierung. Weiter heißt es, der Vollzug stehe außerdem noch unter dem Vorbehalt weiterer Vereinbarungen, Gremienbeschlüsse und behördlicher Prüfungen. Details zu Zeitplan und Beschäftigungsperspektive sollen später folgen. VW steckt im Moment in einem tiefgreifenden Umbau und reduziert seine Kapazität an etlichen Standorten. In Osnabrück wird derzeit noch das Cabrio T-Roc gebaut, das bald im Zuge des großen Effizienzprogramms eingestellt wird.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Umrüstung von 4000 Amarok-Pick-ups für die WB Group.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie hoch ist das genaue Investitionsvolumen des Landes Niedersachsen?
- Wann erfolgt der offizielle Abschluss der Transaktion?






