Breaking
BRTSE confirms integrity of electronic voting machines and prepares country for 2026 electionsINTLDodgers vs. Braves NLDS Game 1 Played in Record-Breaking Heat at Dodger StadiumBRLula and Flávio Bolsonaro technically tie in the first round, with PL candidate on the riseCNHong Kong team sailor Wong Tsz-ho won the gold medal and stopped school for a year to prepare for competition, saying it was all worth itJPUkraine organization and ICC are strong candidates for Nobel Peace Prize, Trump's reaction is inevitableUKLeicester Tigers secure first win of season with hard-fought victory over Newcastle FalconsRUThe Ukrainian Armed Forces launched more than 400 attack drones towards Russian regionsKRSouth Korea beats Japan 1-0 to win fourth straight Asian Games men's football goldBRPresident of the TSE warns about repression of threats and guides voters for the first round of electionsBRLisbon is the largest Brazilian electoral college abroad with 78,833 votersBRTSE confirms integrity of electronic voting machines and prepares country for 2026 electionsINTLDodgers vs. Braves NLDS Game 1 Played in Record-Breaking Heat at Dodger StadiumBRLula and Flávio Bolsonaro technically tie in the first round, with PL candidate on the riseCNHong Kong team sailor Wong Tsz-ho won the gold medal and stopped school for a year to prepare for competition, saying it was all worth itJPUkraine organization and ICC are strong candidates for Nobel Peace Prize, Trump's reaction is inevitableUKLeicester Tigers secure first win of season with hard-fought victory over Newcastle FalconsRUThe Ukrainian Armed Forces launched more than 400 attack drones towards Russian regionsKRSouth Korea beats Japan 1-0 to win fourth straight Asian Games men's football goldBRPresident of the TSE warns about repression of threats and guides voters for the first round of electionsBRLisbon is the largest Brazilian electoral college abroad with 78,833 voters
BackWim Wenders und die Zensur: Streit um die Löschung einer Filmszene
Wim Wenders und die Zensur: Streit um die Löschung einer Filmszene
NEWS
FAZyesterdayMedia3 min readGermanyView translation

Wim Wenders und die Zensur: Streit um die Löschung einer Filmszene

Die Entfernung einer Nacktszene aus dem Film „Falsche Bewegung“ löst eine Debatte über Filmgeschichte, Archivierung und moralische Ansprüche aus.

Quick Look

Nachdem Wim Wenders eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski aus seinem Film „Falsche Bewegung“ entfernte, entbrannte eine Debatte über Filmzensur, künstlerische Freiheit und den Umgang mit dem filmischen Erbe.

AI-generated summary

Why It Matters

Wim Wenders löschte auf Wunsch von Nastassja Kinski eine Nacktszene aus seinem Film 'Falsche Bewegung'. Dies löste eine Debatte über die nachträgliche Veränderung von Kunstwerken aus.

Font size

Er würde die Szene heute so nicht mehr drehen. Sie sei ihm nur „damals künstlerisch zwingend“ erschienen. Das hat Wim Wenders mehrfach erklärt, nachdem im Mai bekannt geworden war, dass ihn die Schauspielerin Nastassja Kinski aufgefordert hatte, eine Szene aus seinem Film „Falsche Bewegung“ zu entfernen, die sie als Dreizehnjährige mit nacktem Oberkörper zeigte. Der Schauspielerin wie den öffentlichen Kritikern der Filmszene genügte diese Erklärung nicht. Ende Juli gab Wenders schließlich bekannt, er habe die Szene „als Ausdruck meiner veränderten Sichtweise und aus Respekt gegenüber Nastassja Kinski“ gelöscht.

Das war ein Fehler, findet die Regisseurin Jutta Brückner. Denn durch das Wegschneiden der Bilder, in denen Kinskis Figur Mignon vom Hauptdarsteller des Films erst geohrfeigt und dann gestreichelt wird, fehle der Geschichte „eine entscheidende Dimension: die von Wilhelms problematischer Sexualität“. In der Darstellung dieser von Unreife und Unsicherheit geprägten Sexualität steckt für Brückner, die 1941 geboren ist und somit zur gleichen Generation wie Wenders gehört, der zeitgeschichtliche Wert von „Falsche Bewegung“. Der Film erzähle neben seinen Anspielungen auf den Nationalsozialismus auch eine Schlüsselgeschichte über Geschlechterverhältnisse in der Nachkriegszeit aus männlicher Perspektive. Durch die Entfernung der Mignon-Nacktszene werde er nun „auf die alte Geschichte von Vätern und Söhnen“ reduziert.

Jutta Brückner sprach auf einer Veranstaltung, die Wenders selbst bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises angeregt hatte. Falls er seinen Film kürze, drohte er bei seinem Auftritt zum Empfang des Ehrenpreises der Filmakademie für sein Lebenswerk, sei das „ein Präzedenzfall, der euch alle betrifft“. „Euch alle“ – also die Filmbranche, das gesamte deutsche Filmerbe und all jene, die es hüten und verwalten.

Einer dieser Hüter ist die Deutsche Kinemathek, und an ihrem Sitz im Berliner E-Werk fand am Donnerstag der Diskussionsabend statt, bei dem Brückner ihr Plädoyer für die Urfassung von „Falsche Bewegung“ hielt. Auf dem Podium saßen neben ihr und dem Moderator Chris Wahl der Publizist Ronen Steinke, die Filmwissenschaftlerin Lisa Gotto und die Kinematheks-Direktorin Heleen Gerritsen. Sie bildeten zwei Parteien, die konsequent aneinander vorbeiredeten. Denn während Steinke allein die Strafbarkeit von Wenders' sexualisierter Darstellung einer Dreizehnjährigen nach heutigen juristischen Maßstäben herausstrich („wir haben eine eherne Grenze bei 14“) und sein moralisches Urteil („das war damals scheiße“) durch schiefe Vergleiche aus der Verlagswelt (das N-Wort in „Pippi Langstrumpf“), dem städtischen Raum (Umbenennung von Straßen) und den Kirchen (die Abnahme oder warnende Beschriftung von „Judensau“-Reliefs) zu untermauern suchte, setzten sich die drei Diskutantinnen aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Präzedenzfall-These auseinander.

Das „Schwierige, Verstörende, kaum zu Ertragende“ gehöre dazu

Dabei markierte Gerritsen die rechtlichen Hürden für nachträgliche Eingriffe an Filmnegativen: „Wer keine Filmrechte hat, darf gar nichts.“ Doch auch wer diese Rechte besitzt, darf zumindest an jener Filmkopie nichts ändern, die alle staatlich geförderten Produktionen im Bundesarchiv hinterlegen müssen – was auch für „Falsche Bewegung“ gilt, denn der Film entstand zwar als Koproduktion mit dem WDR, aber seine Restaurierung im Jahr 2016 wurde von der Filmförderungsanstalt unterstützt. Daneben gibt es die kommerziell nicht verwertbaren „Vorbehaltsfilme“ aus der Nazizeit; und es gibt jene Märchenfilme der Defa, aus deren Youtube-Versionen nach irritierenden Erfahrungen mit bestimmten Nutzergruppen die Nacktszenen mit Kinderdarstellern herausgeschnitten wurden.

Zensur aber kennen die Archive nicht. Und eine solche möchte sich die Filmprofessorin Gotto auch verbitten, denn „das Schwierige, Verstörende, kaum zu Ertragende“ gehöre zum Filmerbe, weil man an ihm „die Verwerfungen der Vergangenheit“ studieren könne. Das passte zu Brückners Analyse, dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen im Kino oft an Körpern ausgetragen würden – und das waren in früheren Zeiten „fast immer Frauenkörper“.

Ebendiese Körper aber, sofern wenn sie Minderjährigen gehören, möchte Ronen Steinke aus den Filmarchiven gänzlich entfernen, wie er in der anschließenden Diskussion bekanntgab: „Wenn das bisher nicht gemacht wurde, muss das gemacht werden.“ Liegt darin die Konsequenz aus dem Fall „Falsche Bewegung“? Gesprächsweise war zu hören, dass Steinke den Film selbst nicht gesehen hat – so wie vermutlich die Mehrzahl derjenigen, die sich in der öffentlichen Debatte über ihn geäußert haben. Dass er ihn in der von Nastassja Kinski beanstandeten Fassung nun auch nicht mehr sehen wird, kann man als ein Stück moralische Wiedergutmachung betrachten. Ein Fortschritt im Prozess filmhistorischer Wahrheitsfindung ist es sicher nicht. Die Wahrheit liegt jetzt in den Archiven. Dort muss sie bleiben dürfen.

Open Questions

  • Wie gehen Archive künftig mit der Forderung nach Löschung von Inhalten um?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen Jugendschutz und historischer Dokumentation?

Related Topics

This article was originally published by FAZ.

Related Stories

Mohamed vs. ICE – an American nightmare: Podcast series about a family in an immigration conflict
Developing·

Mohamed vs. ICE – an American nightmare: Podcast series about a family in an immigration conflict

Rabbiatu Kuyateh fled Sierra Leone to the United States over 30 years ago and works as a nurse with two jobs. She and her son Mohamed Al Ghali bought a house in Maryland, where they live with their parents in need of care. At ICE's annual appointment on July 1, 2025, Mohamed is left alone and begins a months-long battle against the immigration system that is tearing hundreds of thousands of families apart. The podcast series “Mohamed vs. ICE – An American Nightmare” by What Now? and the investigative department of ZEIT documents this conflict.

Die Zeit
1 min read
Podcast series “Mohamed against ICE – an American nightmare” sheds light on the fate of migrants
Developing·

Podcast series “Mohamed against ICE – an American nightmare” sheds light on the fate of migrants

The podcast series “Mohamed vs. ICE – an American nightmare” from “What Now?” and the ZEIT investigative department tells the story of Rabbiatu, who fled from Sierra Leone and now lives in West Africa, and Mohamed, who alone cares for his sick grandparents in Maryland and fights against deportations. The series is hosted and produced by Mounia Meiborg.

Die Zeit
1 min read
More on this topicwim wenders