AfD gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 44,4 Prozent
Quick Look
- Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6.
- September erzielte die AfD laut Hochrechnungen 44,4 Prozent der Stimmen und könnte erstmals an der Regierungsbildung beteiligt sein.
- Die CDU erhielt 18,4 Prozent, die Linke 9,3 Prozent, SPD und Grüne jeweils 8,7 Prozent, das BSW 5,0 Prozent und die FDP 2,2 Prozent.
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Why It Matters
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fand am 6. September statt. Die AfD erzielte laut Hochrechnungen 44,4 Prozent der Stimmen und könnte erstmals an der Regierungsbeteiligung beteiligt sein. Die Verfassungsschutz stuft die AfD als gesichert rechtsextrem ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,0 Prozent.
1.788.930 Sachsen-Anhalter sind am 6. September aufgerufen, über die künftige Zusammensetzung des Landtags abzustimmen.
Die Wahl wird mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet, weil mit der AfD erstmals eine Partei an der Regierungsbildung beteiligt sein könnte, die vom Verfassungsschutz als »gesichert rechtsextrem« eingestuft wird. Sie könnte sogar die absolute Mehrheit holen.
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Neben eigenen Recherchen verwenden wir auch Material der Nachrichtenagenturen AP, AFP, epd, dpa, KNA und Reuters.
Landtagswahl 2026 : Ergebnisse der Wahl in Sachsen-Anhalt
Stimmenverteilung : Hochrechnung
78,0 % Wahlbeteiligung • Stand: 19.00 Uhr •
Quelle:
AfD
44,3 % +23,5
’21 2026
CDU
18,3 % −18,8
Linke
9,2 % −1,8
SPD
8,7 % +0,3
Grüne
8,7 % +2,8
BSW
4,8 % –
FDP
2,4 % −4,0
Mögliche Koalitionen
Mehrheit mit 42 Sitzen
CDU +SPD +Grüne +Linke ( Duldung)
42 Sitze
AfD allein
41 Sitze
CDU +SPD +Grüne
33 Sitze
Wahlkreise
0 / 41 ausgezählt
Sarah Kohler
Brandtner sieht Berlin in der Verantwortung
Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner hat eine Mitverantwortung der Bundespolitik für das Wahlergebnis eingeräumt. »Wir brauchen nicht mehr diese ewiggestrigen Debatten, sondern dass wir aufzeigen, wir können hier wieder was aufbauen«, sagte sie mit Blick auf die bundespolitischen Debatten der vergangenen Wochen. »Wir sehen eine bundesweite Unzufriedenheit mit dieser Regierung, insgesamt dem Zustand Deutschlands. Und daran müssen wir ansetzen, zu sagen: Leute, lasst uns jetzt gemeinsam anpacken, zusammenführen, schauen, wie wir wieder aus diesem Land das rausholen, was drinsteckt«, sagte sie.
Das Wahlergebnis sieht Brantner zwiegespalten. »Einerseits freue ich mich natürlich sehr, dass wir stark geworden sind, dass es sich gelohnt hat, zu kämpfen, dass viele mit uns zusammen gekämpft haben. Und wenn ich aber das Ergebnis der AfD sehe, dann ist einem ja nur zum Heulen zumute«, sagte sie.
Luis Kumpfmüller
Reichinnek sieht Verantwortung für Wahlergebnis bei Bundesregierung
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, hat das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt als »katastrophal« bezeichnet. Die Hauptverantwortung dafür trage die Bundesregierung. Die AfD sei nicht deswegen so stark, »weil sie so gute Konzepte hätte«, sondern weil die Bundesregierung alles dafür tue, »den Nährboden für sie zu bereiten«, sagte Reichinnek bei phoenix.
Mit Blick auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der CDU in Sachsen-Anhalt sagte Reichinnek: »Die Union wird immer einen Grund finden, nicht mit uns zusammenzuarbeiten für soziale Gerechtigkeit.« Sie sollte sich aber »langsam mal überlegen, auf welcher Seite der Geschichte sie eigentlich stehen will.« Die Linkspartei habe immer ganz klar gesagt, »dass wir bereit sind, mit allen demokratischen Kräften zusammenzuarbeiten, ergänzte Reichinnek in der ARD. Natürlich wolle man »alles dafür tun, um die AfD von der Macht fernzuhalten.« Dabei müssten aber »noch ein paar mehr mitmachen«. Man wolle keine »AfD-light-Politik« mittragen und sich nicht »irgendwie billig verkaufen.«
Pia Schreiber
»Als der CDU-Balken bei 18,5 Prozent stehen blieb, wusste ich: das war‘s!«
Niklas, Tom, Leonard und Igor stehen unschlüssig am Rande der Versammlung am Steintor in Halle. »Als der CDU-Balken bei 18,5 Prozent stehen blieb, wusste ich: das war‘s«, sagt Niklas. »Der blaue Balken stößt gleich oben an.«
Die fünf Freunde sind erschüttert, aber auch verwundert über ihre Erschütterung. »Ich wusste, das kann passieren. Aber irgendwie dachte ich es nicht«, sagt Niklas. »Ich war mir sicher, felsenfest«, widerspricht Igor. Sein Magen habe sich umgedreht, und auch sein Kopf. Niklas hat Sorge, dass die AfD nun an ein Exempel statuieren könnte. »An Menschen mit Behunderungen, an Migranten – dass sie beweisen wollen, wie hart sie durchgreifen.« Tom seufzt. »Vielleicht muss ich doch zurück nach Schleswig-Holstein.«
Alena Kammer
Kubicki spricht von einem bitteren Tag für FDP
Die FDP, die bisher der Landesregierung angehörte, liegt in den Hochrechnungen von ARD und ZDF unter der Fünfprozenthürde. Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki zeigte sich enttäuscht über das Ausscheiden seiner Partei. »Das ist ein bitterer Tag für die gesamte Partei und es ist interessanterweise auch ein bitterer Tag für mich«, sagte er. »Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber Wünsche erfüllen sich nicht regelmäßig.« Es handele sich um eine weitere Wahlniederlage in diesem Jahr.
Wolfgang Kubicki, FDP-Bundesvorsitzender. Fabian Sommer/dpa
Jona Spreter
AfD mobilisiert mehr als 150.000 Nichtwähler
Die AfD profitiert von der außergewöhnlich hohen Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt. Laut einer Analyse der ARD entschieden sich Wahlberechtigte, die bei der Landtagswahl 2021 nicht zur Abstimmung gegangen waren, jetzt vor allem für die AfD. Rund 157.000 Stimmen gewann die Partei so hinzu. Weitere 83.000 Stimmen wanderten von der CDU zur AfD.
Marlena Wessollek
BSW in zweiter ZDF-Hochrechnung weiter unter fünf Prozent
Nach der ZDF-Hochrechnung von 19 Uhr liegt die AfD weiterhin deutlich vorn. Die SPD liegt im Gegensatz zur ersten Hochrechnung hinter der Linken. Dem BSW fehlen 0,2 Prozent für den Landtag.
CDU: 18,3 Prozent
AfD: 44,3 Prozent
Die Linke: 9,2 Prozent
SPD: 8,7 Prozent
FDP: 2,4 Prozent
Grüne: 8,7 Prozent
BSW: 4,8 Prozent
Sonstige: 3,6 Prozent
Sarah Kohler
Bas schließt Gespräche mit der AfD aus
SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas wollte in der ARD angesichts des SPD-Ergebnisses nicht von einer Niederlage sprechen. »Vor ein paar Wochen hat man uns schon komplett abgeschrieben und das war wirklich ein harter Kampf, in dem auch die SPD bundesweit mobilisiert hat, um eben genau die AfD-Regierung zu verhindern«, sagte sie.
Gespräche mit der AfD Sachsen-Anhalt schloss Bas aus. »Die SPD wird auf keinen Fall eine Einladung annehmen, weil das ein gesichert rechtsextremer Landesverband ist. Und mit dem wird die SPD keine Gespräche führen«, sagte sie. »Vielen Menschen macht das Ergebnis Angst. Nicht nur in Sachsen-Anhalt, auch in ganz Deutschland«, sagte sie. »Hier geht es in der Tat auch darum, ob wir eine demokratische Mehrheit in diesem Bundesland, aber auch bundesweit in Zukunft bilden können. Und das ist die Aufgabe der SPD.«
Mariya Martiyenko
Magdeburg
Hoffnung auf die Briefwahlstimmen
Die Menschen am Domplatz in Magdeburg aktualisieren die Nachrichtenseiten auf ihren Handys. Einige weinen. Eine Frau, die mit ihrer kleinen Tochter da ist, hat die Hand an ihrem Mund und schüttelt den Kopf. Tränen laufen über ihre Wangen. »Das macht unheimlich Angst«, sagt sie. Trotzdem sagt sie: »Ich bin immer noch optimistisch.« Das seien ja nur die ersten Prognosen. Sie atmet tief durch. »Die Briefwahlunterlagen sind noch nicht ausgezählt.«
»Wir bleiben bunt«, haben Menschen in Magdeburg auf dem Boden ausgelegt. Mariya Martiyenko/ZEIT
Wahlbeteiligung in Tangermünde deutlich höher als in anderen Jahren
Auch in dem Wahllokal, in dem AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund heute Morgen seine Stimme abgegeben hat, ist die Wahlbeteiligung sehr hoch. Während in den letzten Jahren die Beteiligung zwischen 40 und 50 Prozent lag, liegt sie heute bei 73,4 Prozent.
Ein Wahllokal in Tangermünde. Michael Kappeler/dpa
Alena Kammer
Zweite ARD-Hochrechnung sieht BSW bei fünf Prozent
Die zweite ARD-Hochrechnung sieht für die AfD weiter einen klaren Wahlsieg, aber keine absolute Mehrheit. Auch BSW und Grüne schaffen es demnach in den Landtag.
CDU: 18,4
AfD: 44,4
Linke: 9,3
SPD: 8,4
FDP: 2,2
Grüne: 8,7
BSW: 5,0
Sonstige 3,6
Luis Kumpfmüller
AfD-Landeschef Reichardt zeigt sich offen für Gespräche
Der AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, hat Offenheit für Gespräche mit anderen Parteien signalisiert. »Wir werden mit denen reden, die mit uns das eine oder andere gemeinsam haben«, sagte Reichardt bei phoenix. Die AfD habe den Auftrag erhalten, »gegebenenfalls die Regierung zu stellen«. Nun wolle man mit denen Politik machen, »die im Zweifelsfall mit uns bereit sind, für Sachsen-Anhalt und auch für Deutschland das Beste zu tun«, sagte Reichardt. In diesem Sinne gebe es vonseiten der AfD »Gesprächsangebote«.
Marlena Wessollek
Frage nach SPD-Vorsitz stellt sich laut Klüssendorf aktuell nicht
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf keine Debatte über die SPD-Spitze führen. Ob Lars Klingbeil und Bärbel Bas die Parteiführung abgeben sollten, »das ist wirklich gar keine Frage, die ich mir jetzt gerade stelle«, sagte Klüssendorf. Angesichts des Wahlergebnisses der AfD sprach er von einer Zäsur. Das Ergebnis der SPD sei ein »wichtiges Zeichen der Stabilität«.
Sarah Kohler
Schulze bekennt sich nicht eindeutig zu Brandmauer
Der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze hat das Wahlergebnis als einen »herben Schlag« für die CDU bezeichnet. Er sprach jedoch auch davon, dass das »Demokratie« sei. Es hätten so viele Menschen in Sachsen-Anhalt gewählt wie noch nie.
Schulze beantwortete die Frage nach der Brandmauer ausweichend. Ob die CDU in Sachsen-Anhalt zur Abgrenzung zur AfD stehe, bejahte er nicht eindeutig. Er kündigte an, dass die CDU in der kommenden Woche das Ergebnis analysieren wolle.
Sven Schulze (CDU), amtierender Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Jens Schlueter/Getty Images
Auch die mögliche Sorge, CDU-Abgeordnete könnten zur AfD wechseln, räumte er nur zögerlich ab. Seine Bereitschaft, eine breite Regierung zu bilden, sollte die AfD nicht die absolute Mehrheit bekommen, beantwortete er ebenfalls nicht.
Alena Kammer
Chrupalla sieht Siegmund klar als neuen Ministerpräsidenten
AfD-Co-Chef Tino Chrupalla sieht einen Regierungsauftrag für seine Partei. »Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt«, sagte Chrupalla. Chrupalla sprach von einem »sensationellen Ergebnis«. Auf die Frage, ob nur eine Alleinregierung infrage komme, sagte er: »Wir haben immer auch gesagt, dass wir jedem die Hand reichen, der es gut mit Sachsen-Anhalt meint.«
„Von hier aus werden wir Deutschland verändern.“
AfD-Co-Chef Tino Chrupalla
Chrupalla sprach zudem von einer klaren Richtungsentscheidung nach Berlin, dass es so mit der Bundesregierung nicht weitergehen könne. Ministerpräsident Schulze sei klar abgewählt. »Die Politik der Brandmauer ist gescheitert. Wir sind klarer Sieger. Es ist ein klares Votum der Bürger.«
Die AfD‑Bundesvorsitzenden Alice Weidel (links) und Tino Chrupalla (rechts) feiern mit Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt. Michael Kappeler/dpa
Magdalena Inou
Dessau-Roßlau
Zuschauer lachen antifaschistische Demonstranten aus
Der antifaschistische Demozug in Dessau zieht weiter in die Karlstraße. Dort schauen von links und rechts Personen aus den Fenstern und von den Balkonen. Viele von ihnen lachen laut, manche spöttisch, die meisten filmen mit dem Handy. Aber auch das erzeugt keine besondere Reaktion bei den Demonstrierenden, man ist eben einiges gewohnt.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD wird versuchen, eine Regierung zu bilden, entweder allein oder mit Unterstützung anderer Parteien.
Likely · Within weeks
Die SPD wird keine Gespräche mit der AfD führen, da sie diese als gesichert rechtsextrem ansieht.
Very likely · Within days
Die CDU wird das Wahlergebnis analysieren und über mögliche Koalitionsoptionen nachdenken.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wird die AfD tatsächlich an der Regierungsbildung beteiligt sein?
- Welche Koalitionen sind nach dem Wahlergebnis möglich?
- Wie wird die Bundesregierung auf das Wahlergebnis reagieren?
- Wird es zu politischen Konsequenzen für die CDU kommen?



