
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erreicht die AfD laut Hochrechnungen zwischen 44,2 und 44,4 Prozent der Stimmen und könnte erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei an die Regierung bringen, während die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990 fällt und eine Alleinregierung der AfD knapp verfehlt wird.
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Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet im Kontext eines bundesweiten Rechtsrucks statt, bei dem die AfD in mehreren Ostdeutschen Ländern starke Zugewinne verzeichnet. Die CDU verliert traditionell starke Wählergruppen an die AfD, während kleinere Parteien wie das BSW und die Grünen von der Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien profitieren.
Magdeburg. Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt nach ihrem starken Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – wenn sie Unterstützer findet. Für eine Alleinregierung reicht es laut Hochrechnungen von ARD und ZDF nicht. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fuhr immense Verluste ein.
Die Linke büßt Stimmen ein. Die Grünen gewinnen deutlich hinzu, die SPD hält etwa ihren Stimmenanteil. Damit deutet sich eine komplizierte Regierungsbildung an. Der Einzug des BSW in den Landtag steht auf der Kippe.
Den Hochrechnungen zufolge kann die AfD ihren Stimmenanteil auf 44,2 bis 44,4 Prozent (2021: 20,8 Prozent) mehr als verdoppeln. Es wäre das beste Ergebnis, das eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat.
Die CDU halbiert etwa ihren Stimmenanteil und steuert mit 18 bis 18,3 (37,1 Prozent) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 9 bis 9,2 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,4 bis 8,6 Prozent (5,9 Prozent), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD kommt auf 8,6 bis 9 Prozent (8,4 Prozent). Die FDP fliegt mit 2,3 bis 2,4 Prozent (6,4 Prozent) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 4,8 bis 5,1 Prozent.
Den Hochrechnungen zufolge erhält die AfD 39 bis 41 Sitze im Landtag (2021: 23), die CDU 16 bis 17 (40). Die Linke kommt auf 8 bis 9 Mandate (12), die SPD auf 8 (9) und die Grünen auf 8 (6). Das BSW erhält laut ARD-Hochrechnung 4 Sitze.
Eine Neuauflage der bisher in Sachsen-Anhalt regierenden Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit ausgeschlossen. Es war das einzige derartige Bündnis auf Landesebene. Die AfD hatte eine Alleinregierung angestrebt – dafür reichen die Stimmen laut Hochrechnungen aber knapp nicht. Gleichwohl wäre es das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl. Stärkste Kraft war sie bei einer Landtagswahl schon einmal: 2024 in Thüringen. Von den übrigen Parteien will in Sachsen-Anhalt keine mit der AfD koalieren.
Um weiterregieren zu können, wäre Spitzenkandidat Schulze von der CDU unter anderem auf Stimmen der Linken angewiesen – ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. In seiner Partei gibt es auch Mitglieder, die sich für wechselnde Mehrheiten aussprechen – also auch unter Einbeziehung der AfD. Das dürfte die Linke aber nicht akzeptieren.
Eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit lehnt die CDU laut Bundesparteitagsbeschluss sowohl mit der Linken als auch der AfD für sich ab. Die Linie wird auch als „Brandmauer“ bezeichnet.
AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ „Selbstverständlich“ werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren. Seine Regierungsmannschaft stehe schon, und zwar seit Monaten.
Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit“.“ Da könne noch viel passieren.
CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. „Ich habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten“, sagte er im MDR. Zuvor hatte Schulze in der ARD eine klare Antwort auf den Fortbestand der „Brandmauer“ vermieden. „Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen.“
Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner forderte Schulzes Rücktritt als Landesparteichef. „Wenn ihm dieses Land am Herzen liegt, muss Sven Schulze Konsequenzen ziehen und vom Parteivorsitz zurücktreten. Das geht gar nicht anders“, sagte sie dem „Stern“.
Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), wertete die Wahl als einschneidendes Ereignis. „Das ist eine Zäsur für unser Land“, sagte er. „Wir haben diese Situation noch nie gehabt, dass eine Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist, eine Mehrheit erreicht hat.“
SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Zahlen seiner Partei als „stabiles Ergebnis“. Er betonte, die SPD setze sich mit der AfD „nicht an einen Tisch“. Die SPD habe immer für demokratische Mehrheiten in dem Land gekämpft. „Wir werden hier der AfD nicht die Hand ausstrecken.“
Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. „Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz.“
Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte als Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. „Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung“, sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken. Die AfD dürfe nicht an die Schalthebel kommen.
Die AfD hatte zehn Punkte benannt, die sie sofort angehen will, sollte sie in die Regierung kommen. Dazu gehört die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, mehr Abschiebungen, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern sowie weniger Geld für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme.
An Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold wehen, Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Auch plant die AfD freiwillige Bürgerwehren für mehr Sicherheit vor Ort sowie eine „Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht“. Grundsätzlich begrenzt allerdings das Bundesrecht die Spielräume in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik.
In zwei Wochen – am 20. September – folgen zwei weitere Landtagswahlen in Ostdeutschland: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin. Die drei Abstimmungen könnten die schwarz-rote Koalition im Bund kräftig durchschütteln. Haben Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil noch genug Rückhalt in den eigenen Reihen? Reicht der Koalitions-Kitt, um im Herbst wie geplant schwierige Reformen zu Rente, Einkommensteuer und Krankschreibungen zu beschließen?
Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss - aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge.
AI outlook — possibilities, not facts
Die CDU wird versuchen, eine Koalition ohne AfD zu bilden, möglicherweise mit Unterstützung der Linken oder des BSW.
Likely · Within weeks
Die AfD wird versuchen, einzelne Abgeordnete anderer Parteien für eine Unterstützung ihrer Regierung zu gewinnen.
Possible · Within days
Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden das politische Ostdeutschland weiter verändern und möglicherweise zu weiteren Rechtsrucken führen.
Likely · Within weeks

The AfD clearly won the state elections in Saxony-Anhalt, while the CDU halved its votes. The result leads to the threat of ungovernability in the country. The BSW also fears negative consequences from the election.

According to projections, the AfD achieved around 44 percent of the votes in Saxony-Anhalt in the state elections, which represents almost half of the votes for the first time in a state or federal election in Germany and marks the end of the assumption that right-wing extremism has been permanently defeated in Germany.
The Association of Business Associations in Mecklenburg-Western Pomerania sees the AfD victory in the state elections in Saxony-Anhalt as a serious setback for the business location and social cohesion. Deputy Managing Director Sven Müller warns of similar risks for Mecklenburg-Western Pomerania in the upcoming state elections in two weeks.

The CDU suffered a historic disaster in the state elections in Saxony-Anhalt with the result halved, sparking internal turmoil and forcing election loser Sven Schulze to resign.
The Central Council of Jews, Holocaust survivors and church representatives have expressed their shock at the AfD's strong electoral success in the state elections in Saxony-Anhalt. They warn of the consequences for democracy, education and social cohesion and see parallels to the rise of National Socialism.

Chancellor Friedrich Merz intervened in the Saxony-Anhalt election campaign with two meetings held behind closed doors and declared that the country should not become an “experimental ground for angry citizens” in order to deter AfD voters. He emphasized that he had built a hermetic firewall between himself and right-wing activities and reiterated the Union's goal of not only excluding the AfD from government participation, but also halving it.