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Der Vorfall in Leipzig bezieht sich auf einen vereitelten Sprengstoffanschlag, den die Bundesregierung einem russischen Geheimdienst zuschreibt. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine angespannt. Beim G20-Treffen in Asheville kam es zu einem Eklat, als der russische Finanzminister Siluanow eingeladen wurde, was zu Protesten führte. In Sachsen-Anhalt steht eine Landtagswahl bevor, bei der die AfD laut Umfragen stärkste Kraft werden könnte.
Heute nun hat die Bundesregierung den versuchten Sprengstoffanschlag in Leipzig offiziell einem russischen Geheimdienst zugeschrieben. Die Ermittlungen gegen eine oder mehrere mutmaßlich beteiligte Personen seien so weit fortgeschritten, dass Berlin sich aus der Deckung wagt und Russland direkt für die Attacke verantwortlich macht. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) lavierte zuletzt immer um diese Frage herum und sprach lediglich von »fremden Mächten«.
Welcher Geheimdienst dahinterstecken soll und welche Konsequenzen die Bundesregierung zieht, ist offen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte eine »ausgewogene und überlegte Reaktion« an. Mutmaßlich beteiligte russische Stellen könnten sanktioniert werden, weitere Diplomaten ausgewiesen werden. Als erste Maßnahme wurde der russische Botschafter ins Außenministerium einbestellt. Ihm wurde offenbar mitgeteilt, dass die Bundesregierung das letzte russische Generalkonsulat in Bonn sowie das Russische Haus in Berlin schließen will (hier mehr). Beratungen der Nato nach Artikel 4 seien vorerst nicht angedacht.
2. Das verhinderte Photobombing
Stellen Sie sich vor, Sie kommen zum alljährlichen Familientreffen – und plötzlich taucht da wieder dieser Großonkel auf, den man doch verstoßen hatte, weil er größenwahnsinnig und übergriffig geworden war. So erging es Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) beim G20-Treffen der Finanzminister in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina. Die Amerikaner hatten überraschend den russischen Finanzminister Anton Siluanow eingeladen. Siluanow war zuletzt im April 2022 per Video zugeschaltet. Danach war man sich einig, die Russen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht länger teilnehmen zu lassen.
Doch US-Präsident Donald Trump will da nicht mehr ganz so streng sein. Beim nächsten G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs könnte auch Russlands Machthaber Putin teilnehmen, ginge es allein nach dem Mann im Weißen Haus. Die Einladung Siluanows sollte wohl ein Test sein, wie der Rest der Industriestaaten reagieren würde. So viel sei gesagt: Er missglückte. Auf Initiative Klingbeils wurde Siluanow vom Termin zum gemeinsamen Gruppenfoto wieder ausgeladen, berichtet mein Kollege Gerald Traufetter, der Klingbeil in die USA begleitet.
Der Umgang mit Russland war aber nicht der einzige Eklat in Asheville. Die Spannungen zwischen den USA und europäischen Teilnehmern dominierten das Treffen. US-Finanzminister Scott Bessent nutzte die Konferenz als Bühne für die Wirtschafts- und Deregulierungspolitik Trumps. Seinen Auftritt crashte der neue US-Notenbankchef, der den USA nur 1,8 Prozent Wachstum voraussagte, deutlich weniger als der Finanzminister selbst. Schließlich kachelte auch noch Klingbeil seinen Amtskollegen an – zumindest indirekt: Um die globale Unsicherheit zu verringern, müssten alle Staaten ihren Teil beitragen – einschließlich der USA durch ein Ende ihres Kriegs gegen Iran.
Es muss also eines dieser Familientreffen gewesen sein, von denen man sagt: Nächstes Jahr setzen wir mal aus. Und dann fährt man doch wieder hin. Weil man muss.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Plötzlich sitzt da der russische Finanzminister am G20-Tisch
3. Merz fährt auf der linken und rechten Spur gleichzeitig
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Bundeskanzler Friedrich Merz eine Zusammenarbeit der CDU mit Linken und AfD ausgeschlossen. Nach der Lektüre eines Interviews der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme« fragte man sich: Wie soll es denn dann gehen? Eine Regierung bilden gegen die AfD, die Umfragen zufolge stärkste Kraft werden dürfte?
Merz präzisierte dann auf Nachfrage, was er damit meinte: »eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms«. Er schließt also Koalitionen aus, nicht jede Form der Zusammenarbeit, »das wird womöglich noch wichtig werden«, sagt unser Sachsen-Anhalt-Korrespondent Peter Maxwill.
Denn sollte die AfD keine absolute Mehrheit bekommen, wird sie kaum regieren können, da niemand mit ihr koalieren will. Die mutmaßlich zweitplatzierte CDU müsste ein Bündnis schließen, bei dem die Linken zwar nicht Teil der Regierung wären, sie aber tolerieren könnten. Der CDU-Vorsitzende ließ nun erstmals durchblicken, dass er sich dieses Modell vorstellen kann, sollten CDU, SPD und Grüne zusammen keine Mehrheit bekommen.
Allerdings lässt Merz auch Luft für Interpretationen. Damit tut er das, was auch Spitzenkandidat Sven Schulze seit Monaten tut: »Er versucht, in zwei Richtungen gleichzeitig zu blinken«, sagt Peter. »Er will klarmachen, dass die Linken kein natürlicher Partner sind – und gleichzeitig informelle Absprachen mit ihnen offenhalten, ohne später als wortbrüchig dazustehen.«
Lesen Sie hier mehr in unserem News-Update zur Sachsen-Anhalt-Wahl
Selten hätte diese Überschrift besser zu einem Text gepasst als zu diesem: Die »Theodor Heuss«, Schwesterflugzeug und Nummer zwei der Flugbereitschaft der Bundeswehr hinter der einst auch als »Merkel One« bezeichneten »Konrad Adenauer«, steht zum Verkauf – samt Badezimmer mit Dusche. Die Bilder des Verkaufsprospekts sehen eindrucksvoll aus. Und so mancher Missgünstige dürfte meckern: Was für ein Luxus. Aber solche Leute haben gewöhnlich auch keine 18-Stunden-Tage.
Meine Kollegen Matthias Gebauer und Felix Keßler berichten, was mit dem Flieger seit seiner Ausmusterung durch die Flugbereitschaft im September 2023 und mehreren Eigentümerwechseln passiert ist. Jetzt wartet die rund 64 Meter lange »Heuss« offenbar auf einem Flugzeugparkplatz in einer US-Wüste auf einen neuen Eigentümer. Der veranschlagte Verkaufspreis bleibt Geheimsache.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: So haben Sie den VIP-Bereich einer deutschen Regierungsmaschine noch nie gesehen
Könnten Sie das neue Buch von Sven Regener lesen. Darin geht es um Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen, die in West-Berlin im Jahr 1980 ihr Glück suchen. Mein Kollege Wolfgang Höbel hat ein Interview mit dem Autor geführt, das genauso launig ist wie das Buch selbst. Die frühen Achtzigerjahre seien deshalb für ihn so interessant, »weil ich selber damals in diesem Alter war. Es ist eine Zeit im Leben, in der alles noch offen scheint, aber man doch merkt, dass bestimmte Türen sich schließen«, sagt Regener. Lesen Sie hier das ganze Interview.
Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Abend. Herzlich
Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung wird das Russische Haus in Berlin und das Generalkonsulat in Bonn schließen.
Likely · Within weeks
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird die CDU eine Koalition mit SPD und Grünen eingehen, die von der Linken toleriert wird.
Possible · Within weeks

Die Bundesregierung macht Russland für einen versuchten Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und reagiert mit der Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn, verschärften Einreisebestimmungen und der Kündigung des Vertrags für das Russische Haus in Berlin. Finnlands Präsident Stubb äußert Solidarität, während die Grünen die Reaktion als unzureichend kritisieren und stärkere Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte sowie koordinierte Sanktionen mit EU und NATO fordern.
Nach Angaben der Bundesregierung wurde der misslungene Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle in russischem Auftrag verübt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, polizeiliche Ermittlungen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse deuteten klar auf russische Involvierung hin. Bundesaußenminister Johann Wadephul kündigte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn zum 18. September sowie die Kündigung des Vertrags mit dem Russischen Haus in Berlin an. Russland drohte mit spiegelbildlichen Gegenmaßnahmen.

Finanzminister Lars Klingbeil und Kanzler Friedrich Merz versprechen Familien mit zwei Kindern und mittlerem Einkommen ab 2028 über 600 Euro weniger Steuern. Das CDU-geführte Wirtschaftsministerium kritisiert in einem Brief die fehlende Ausgleichung der kalten Progression und fordert Anpassungen im Steuersystem. Innenkoalitionsspannungen wachsen, während Ökonomen warnen, dass die Reform für die meisten Steuerzahler eine Belastung bedeutet.

Im Zuge des Iran-Kriegs häufen sich im Pentagon die Personalabgänge, darunter der Rücktritt des Heeresstaatssekretärs Daniel Driscoll und die Entlassung von General Christopher Donahue. Verteidigungsminister Pete Hegseth steht zunehmend in der Kritik, da er eine Reduzierung der Vier-Sterne-Offiziere um 20 Prozent anstrebt und angeblich loyale Anhänger in Schlüsselpositionen installieren möchte.

Deutschland schlägt vor, den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) in die EU-Kommission zu integrieren, um die Außenpolitik besser zu koordinieren. Der Schritt ist Teil eines Machtkampfs zwischen Kaja Kallas und Ursula von der Leyen. Die Reform würde Kallas zwar den Dienst entziehen, ihr aber mehr Einfluss in der Kommission verschaffen. Die Debatte beginnt im Wicklow-Format mit irischer Ratspräsidentschaft.
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben mehrere Bauhaus-Institutionen eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie die AfD kritisieren, die Kunstfreiheit betonen und das Bauhaus als nationales Kulturgut verteidigen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer warnte vor finanziellen Einschnitten bei der Stiftung Bauhaus Dessau im Falle einer AfD-Regierungsbeteiligung.