Generaldebatte im Bundestag unter dem Eindruck der Sachsen-Anhalt-Wahl und des AfD-Erfolgs
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Der Bundestag berät über den Haushaltsentwurf für 2027. Die Debatte findet unter dem Eindruck des AfD-Wahlerfolgs in Sachsen-Anhalt statt.
Der Bundestag befasst sich in der Haushaltswoche bis 11. September mit dem Entwurf der Bundesregierung für den Haushalt 2027.
An diesem Mittwoch findet die dreieinhalbstündige Generaldebatte zur Politik der Bundesregierung statt. Bei der sogenannten Elefantenrunde wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einer Rede seine Politik darlegen.
Im Mittelpunkt der Debatte steht eigentlich der Entwurf für den Etat des Kanzleramts für 2027. Er soll laut Plan auf rund 5,16 Milliarden Euro steigen. Traditionell wird in der Generaldebatte jedoch die Politik der Bundesregierung grundsätzlich diskutiert.
Die Generaldebatte steht in diesem unter dem Eindruck des deutlichen Siegs der AfD bei der Sachsen-Anhalt-Wahl.
Neben eigenen Recherchen nutzen wir Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters, epd und KNA.
Isabelle Daniel
Frei verteidigt Investitionen in Rüstung und Russlandpolitik
Die Vorwürfe aus AfD und Linkspartei mit Blick auf die Ukraine- und Verteidigungspolitik weist Frei mit Nachdruck zurück. »Wir gehören nicht zu den Appeasern«, sagt der Unionsfraktionschef zur Haltung gegenüber Russland, und zitiert den damaligen britischen Premierminister, der mit Blick auf die Besänftigungspolitik seines Vorgängers Neville Chamberlain gegenüber Adolf Hitler gesagt haben soll: »Ein Appeaser ist jemand, der ein Krokodil füttert, in der Hoffnung, dass es ihn als Letzten frisst.«
Den Kritikern der Russlandpolitik entgegnete Frei: »Wir schützen unser Land, bei Ihnen ist es in Gefahr.« Die Bundesregierung gebe den Geheimdiensten »echte Befugnisse, damit sie in der Lage sind, uns zu schützen«. Er fügte hinzu: »Nicht weil ich den Krieg will, sondern den Frieden.«
Für Frei war es die erste Rede als Unionsfraktionschef seit seinem Wechsel aus dem Kanzleramt auf dem Posten. Sein Vorgänger Jens Spahn nimmt als einfacher Abgeordneter ebenfalls an der Bundestagssitzung teil.
Isabelle Daniel
»Wir kennen die Herausforderungen«
Auch Unionsfraktionschef Thorsten Frei wendet sich zu Beginn seines Beitrags gegen die AfD. Diese rede Deutschland schlecht und jede positive Entwicklung klein, sagt der CDU-Politiker. »Das politische Geschäftsmodell der AfD heißt nicht Hoffnung, das politische Geschäftsmodell heißt Empörung.« Der Empörung stelle die Union Verantwortung entgegen, und der »Verzweiflung stellen wir Mut entgegen«.
Im Bundestag gehe es heute nicht nur um einen Haushaltsentwurf, sagt Frei. Es gehe um eine »Richtungsentscheidung« für das Land, die bestimme, »ob Deutschland investiert oder abwartet«. Über die Bundesregierung sagt Frei: »Wir kennen die Herausforderungen.«
Jona Spreter
Linkenfraktionschef wirft Bundesregierung Abbau des Sozialstaats vor
Sören Pellmann kritisiert die steigenden Rüstungsinvestitionen. Überall werde gekürzt, nur bei der Aufrüstung, da solle »perspektivisch jeder dritte Euro hinfließen«. Diese Politik folge dem Leitsatz »Kanonen statt Butter«. Beim Sozialstaat werde nach wie vor »der Rotstift« angesetzt. »Wer beim Sozialstaat kürzt, kürzt auch bei der Kaufkraft«, sagt Pellmann. Der Staat ziehe sich aus immer mehr Lebensbereichen zurück – und das gefährde die Demokratie.
Sören Pellmann . Christoph Soeder/dpa
Isabelle Daniel
Miersch will »keine Veränderungen um der Veränderung« willen
Matthias Miersch äußert sich zu den geplanten Kürzungen bei staatlichen Leistungen wie Elterngeld und Unterhaltsvorschuss und öffnet ein Fenster für das erneute Aufschnüren der geplanten Reformen. Wenn im Zusammenhang mit diesen Vorhaben die »Sorgen größer« würden, dann »müssen wir das hier besprechen«, sagt Miersch. »Wir müssen uns verändern«, sagt Miersch und verweist auf Rahmenbedingungen wie den demografischen Wandel. Es dürfe aber »keine Veränderungen um der Veränderung« willen geben.
Michael Schlieben
Die Verfassung in der Sakkotasche
Es geht weiter um die AfD und um Sachsen-Anhalt. Der Fraktionschef der SPD, Matthias Miersch, greift in sein Sakko und holt ein schmales Büchlein aus der Tasche, auf dem die schwarz-rot-goldenen Farben zu sehen sind. »Das beste Rezept gegen ihre Politik, ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland«, sagt er. Und weiter: »Ich sage Menschen, die jetzt Sorge haben, auch hier hilft die Verfassung. Wenn ein Bundesland gegen die Verfassung verstößt, haben wir noch viele, viele Möglichkeiten.«
Es ist eine Art Taschenspielertrick von Miersch – und er zeigt durchaus Wirkung. Beatrix von Storch (AfD) in der ersten Reihe der AfD ist empört. Sie wedelt ebenfalls mit einer Ausgabe des Grundgesetzes und ruft etwas, vermutlich eine andere Interpretation des Verfassungstextes.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch zeigt das Grundgesetz im Bundestag. Christoph Soeder/DPA
Isabelle Daniel
Matthias Miersch warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt
Der SPD-Fraktionsvorsitzende beginnt seine Rede mit einem Rundumschlag gegen die AfD. Einzeln geht er auf die Punkte aus der Rede von Alice Weidel ein. Dann blickt er nach Magdeburg: »Noch haben wir keine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt«, sagt er. »Mein Appell an alle Demokratinnen und Demokraten ist, das auch zu verhindern.«
Damit wendet sich Miersch gegen Teile der CDU, die den Regierungsbildungsauftrag in Sachsen-Anhalt bei der AfD sehen. So geäußert hatte sich zuletzt unter anderem der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Sepp Müller, der sich kategorisch gegen eine Zusammenarbeit der CDU mit der Linkspartei aussprach.
Jona Spreter
Grünen-Fraktionschefin kritisiert Kürzungen beim Elterngeld
Über den Bundeshaushalt spricht Dröge nur zu einem kleinen Teil. Sie wirft Schwarz-Rot unter anderem Kürzungen beim Elterngeld vor. »Warum subventionieren Sie Dienstwagen und kürzen bei den Kindern?«, fragt Dröge. Die Bundesregierung müsse gegen Steuerbetrug vorgehen und Reiche mehr besteuern.
Isabelle Daniel
Dröge spricht von »Klimakrisenverschärfungsgesetzen« der Bundeswirtschaftsministerin
Es sei gut gewesen, dass Merz ins Waldbrandgebiet in Hürtgenwald gefahren sei, sagt Katharina Dröge. Dort habe er jedoch ein Versprechen abgegeben, an dem er gemessen werden müsse, sagt die Grünenfraktionschefin. Der Kanzler habe dort gesagt, dass er »alles tun« werde, um die Klimakrise zu bewältigen. Merz hört nickend zu. Dröge wirft ihm und der Bundesregierung jedoch erhebliche Versäumnisse beim Klimaschutz vor. Gestoppt werden müssten insbesondere die Gesetze aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche – und zwar »alle«. Bei Reiches Gesetzen handele es sich um »Klimakrisenverschärfungsgesetze«.
Jona Spreter
Dröge fordert Prüfantrag für ein AfD-Verbot
Wenn die diskursive Auseinandersetzung mit der AfD an ihre Grenzen komme, sehe das Grundgesetz aber noch ein letztes Mittel vor: ein Parteienverbot. Es müsse nun einen Prüfantrag dafür geben, sagt Dröge.
Katharina Dröge. Christoph Soeder/dpa
Jona Spreter
»Da, wo kein Bus kommt und die letzte Kneipe geschlossen worden ist«
Der Rechtsextremismus in Deutschland ist für Dröge aber »kein Ostproblem«. Es seien die Strukturwandelregionen und strukturschwachen Regionen, in denen die AfD besonders starke Ergebnisse verzeichne. »Da, wo kein Bus kommt und die letzte Kneipe geschlossen worden ist«, sagt Dröge. Orte, wo Menschen sich zurückgelassen fühlten – »genau dort, geht die AfD rein«. Viele Menschen wählten aber auch Rechtsextreme, »weil sie eine rechtsextreme Partei wählen wollen«, sagt Dröge.
Fabian Reinbold
Merz bat um Vergebung – aber da fehlte etwas
Interessant war das Ende der Rede des Bundeskanzlers: Er zitierte aus einem Brief, den er vom Rektor der Theologischen Hochschule Gießen erhalten habe. Der habe ihm berichtet, wie viele Chancen sich Deutschland noch böten, und ihm ein Motto mitgegeben: »Fehler zugeben, vergeben, wieder aufstehen«, nur dann habe man eine Zukunft. Merz macht sich das zu eigen: »Fehler zugeben, vergeben, wieder aufstehen, Zukunft gestalten«– unter dieser Überschrift will er die Kanzlerschaft weiterführen. Der Bundeskanzler bittet also selbst um Vergebung, das ist zumindest ungewöhnlich und verdeutlicht seine gefährdete Position. Allerdings: Fehler zugegeben hat er in dieser Rede nicht.
Jona Spreter
Katharina Dröge fordert Antworten vom Bundeskanzler – »nachdem 44 Prozent Rechtsextreme in einen ostdeutschen Landtag gewählt wurden«
Die Fraktionschefin der Grünen kritisiert den Bundeskanzler dafür, dass er den Menschen nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht mehr Sicherheit gebe. Sie wisse, wie »furchtbar und gefährlich« Merz die AfD finde. Das allein reiche aber nicht. Viele Menschen erwarteten Antworten, »nachdem 44 Prozent Rechtsextreme in einen ostdeutschen Landtag gewählt wurden«, sagt Dröge.
Antworten bräuchten Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich nun fragten, ob sie ihre Kinder noch draußen spielen lassen könnten; oder queere Menschen, die sich fragten, ob sie noch Hand in Hand spazieren gehen könnten.
Katharina Dröge. Tobias Schwarz/AFP/Getty Images
Denn wie gefährlich die AfD sei, das habe man heute noch einmal an der Rede von Alice Weidel merken können. Die Rede sei ein »geskriptetes Drehbuch der Wut« gewesen. Weidel habe sich selbst Zwischenrufe ausgedacht, die es gar nicht gegeben habe, nur um sich empören zu können.
Isabelle Daniel
Klöckner ermahnt AfD-Abgeordnete
Bereits zum wiederholten Mal unterbricht die Bundestagspräsidentin den Kanzler wegen lauter Zwischenrufe aus der AfD-Fraktion. »Man muss auch aushalten, dass es andere Meinungen gibt«, sagt Julia Klöckner an die größte Oppositionsfraktion gerichtet. Was man für sich beanspruche, müsse man auch anderen zugestehen.
Merz Replik darauf wird sich als korrekte Prognose herausstellen: Diese Ermahnung werde »verhallen«, sagt der Kanzler. »Zuhören ist nicht Ihre Stärke«, bescheinigt er der AfD. »Ihre ganze Missachtung vor dem Deutschen Bundestag tritt auch in diesem Verhalten hier zum Ausdruck.«
Julia Klöckner sitzt hinter dem Redner Friedrich Merz. Christoph Soeder/dpa
Tatsächlich kommt es daraufhin erneut zum Tumult, der Klöckner zu einer drastischeren Zurechtweisung animiert: »Wir sind hier nicht auf dem Fußballplatz. Wenn es noch mal passiert, schmeiße ich Sie hier raus.«
Jona Spreter
Merz bezeichnet Migrationspolitik der AfD als »ethnische Säuberung«
Der Bundeskanzler kontert Weidels Vorwürfe in der Migrationspolitik: Es sei Konsens in der Koalition, »dass wir mehr abschieben müssen«. Allerdings differenziere man bei den Betroffenen – anders als die AfD. Die von der Partei geforderte »Remigration« sei nichts anderes als »ethnische Säuberung«, sagt Merz. Gerade dem Handwerk, wo jeder sechste Beschäftigte einen ausländischen Pass habe, drohe der Zusammenbruch, wenn die AfD diese Politik umsetze. Auch kein Pflegeheim, kein Krankenhaus, keine Gaststätte sei dann mehr zu betreiben, sagt Merz.
Isabelle Daniel
»Wir korrigieren Fehlentwicklungen in der Energiepolitik«
In einem Punkt zeigen sich Gemeinsamkeiten zwischen Merz und Weidel: Energiepolitisch seien in der Vergangenheit in Deutschland »schwere Fehler gemacht worden«, räumt Merz ein. Die Abschaltung der Kernkraftwerke sei zu früh erfolgt. »Aber Sie sehen doch vollkommen, dass wir das Richtige tun«, sagt Merz mit Blick auf die Politik seiner eigenen Regierung. »Wir korrigieren Fehlentwicklungen in der Energiepolitik.« Die Bundesregierung sorge dafür, dass »wir Gaskraftwerke in Deutschland bauen können«. Anders als von der AfD dargestellt, habe die Bundesregierung »selbstverständlich den Füllstand« der Gasspeicher im Blick. »Wir werden dafür sorgen, dass Deutschland eine sichere Energieversorgung hat«, sagte der Kanzler.
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Beratungen über den Haushaltsentwurf 2027 im Bundestag bis zum 11. September.
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During the general debate in the Bundestag, Heidi Reichinnek had a sharp argument with Friedrich Merz. Thorsten Frei and Matthias Miersch set further accents at the lectern.

SPIEGEL reporter Christian Teevs criticizes the Chancellor's appearance in the general budget debate as unusually defensive and strongly focused on the AfD. There was a particularly aggressive atmosphere in the plenary session.
During the budget week, the German Bundestag will discuss the 2027 budget. The focus of the three-and-a-half-hour general debate is the AfD election success in Saxony-Anhalt, planned social cuts, arms spending and sharp verbal battles between the factions.
The AfD won the state elections in Saxony-Anhalt with almost 44 percent of the vote. The ruling CDU halved its result. A coalition without the AfD is hardly imaginable.

In the general debate in the Bundestag, Thorsten Frei gives his first speech as Union parliamentary group leader. He emphasizes the efforts of the federal government, while Matthias Miersch pulls out a basic law and Katharina Dröge tries to balance support and criticism for the Chancellor.
After the state elections in Saxony-Anhalt, Sven Schulze suggests an examination of the upcoming MPK chairmanship. Critics suspect intentions to exclude the AfD, which Gordon Schnieder rejects. Schnieder is also skeptical about an AfD ban.