Dax aktuell: Dax steht vor neuem Rekord – Drei wichtige Treiber für den deutschen Leitindex
Der deutsche Aktienmarkt nähert sich dank sinkender Energiepreise, fallender Anleiherenditen und politischer Entwicklungen in den USA einem neuen Rekordhoch.
Quick Look
- Der Dax steigt im Vormittagshandel um 0,6 Prozent auf 26.600 Punkte und nähert sich seinem Rekordhoch.
- Treiber sind sinkende Öl- und Gaspreise infolge diplomatischer Hoffnungen im Irankrieg, fallende Anleiherenditen sowie der Ausgang der US-Midterms.
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Why It Matters
Der deutsche Aktienmarkt bewegte sich im frühen Herbst in einer Seitwärtsspanne, während Energiepreise stark angestiegen waren.
Düsseldorf. Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Irankrieg, sinkende Energiepreise und Anleiherenditen, außerdem der Ausgang der US-Midterms und eine Reihe wichtiger Firmenbilanzen: Eine Reihe von Faktoren treibt den deutschen Aktienmarkt plötzlich in Richtung eines neuen Rekordhochs.
Am Vormittagshandel am Donnerstag liegt der Dax 0,6 Prozent im Plus bei 26.600 Punkten. Die aktuelle Bestmarke liegt mit 26.618,74 Punkten in unmittelbarer Reichweite.
Im frühen Herbst hatte der deutsche Aktienmarkt über mehrere Wochen lang mehrheitlich in einer Seitwärtsspanne zwischen 25.000 und 25.600 Punkten notiert. Aus dieser ist er in der vergangenen Woche erstmals nachhaltig ausgebrochen. In der Folge hat sich der Dax weiter nach oben gearbeitet.
In den vergangenen beiden Handelswochen hat er um mehr als fünf Prozent oder 1400 Punkte zugelegt. Das ist ein sehr schneller Anstieg in kurzer Zeit. Nun wird sich zeigen, ob es auf dem hohen Niveau ausreichend Anschlusskäufer gibt oder Gewinnmitnahmen erfolgen.
Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent (159 Liter) lag bis Ende Oktober über der Marke von 115 Dollar. In dieser Woche ist er in der Spitze um etwa 20 Prozent gefallen. Am Donnerstagmorgen liegt der Preis zur Lieferung im Januar bei etwa 95 Dollar. Auch Öl der Sorte WTI hat sich erheblich vergünstigt.
Ähnlich sieht es bei Gas aus. In der Vorwoche war der TTF-Kontrakt für Gas in Europa, der an der Amsterdamer Börse gehandelt wird, erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 über 100 Euro pro Megawattstunde geklettert. Am Donnerstag liegt der Preis zur Lieferung im Dezember bei 85 Euro.
Der Preisrückgang bei Energie ist in der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Irankriegs begründet. Die diplomatischen Bemühungen haben sich intensiviert. Im Hintergrund führen entstandene Vermittler diverse Gespräche. Nach Darstellung des iranischen Außenministeriums wurde den USA in Aussicht gestellt, binnen zwei Tagen die Meerenge von Hormus zu öffnen, sollte Washington die Bedingungen Teherans akzeptieren.
Die Demokraten haben in den USA im Senat sowie im Repräsentantenhaus die Mehrheit geholt. Das galt im Vorfeld als das wahrscheinlichste Szenario. US-Präsident Donald Trump hat bislang durchblicken lassen, die Ergebnisse nicht anzufechten, was an den Märkten mit Erleichterung registriert wurde. Die wichtigsten Indizes in den USA haben deutlich an Wert gewonnen.
Die Niederlage der Republikaner hängt eng mit den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten zusammen, mehrheitlich ausgelöst durch den Irankrieg. Experten verweisen darauf, dass der Druck auf Trump wächst, eine zeitnahe Lösung zu präsentieren.
Gleichzeitig könnte der Sieg der Demokraten mit deutlich strengeren Auflagen für Künstliche Intelligenz (KI) einhergehen. Marktbeobachter halten es für möglich, dass der schnelle Ausbau von KI‑Rechenzentren gebremst werden könnte.
KI-Aktien zählten zur Wochenmitte daher zu den großen Verlierern. Die negative Stimmung übertrug sich auch auf KI-Titel an den asiatischen Märkten. Die Umschichtung in eher zyklische Werte kommt dem Dax zugute. Vom „Hexensabbat“ im September und Juni abgesehen lag das Handelsvolumen am Mittwoch so hoch wie zuletzt im Mai.
Steigen die Preise für Öl und Gas, wirkt dies unmittelbar inflationstreibend. Die Teuerungsraten im Euro-Raum und den USA haben das Ziel der Notenbanken weit überschritten, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Fed haben bereits mit Zinserhöhungen reagiert.
An den Terminmärkten wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet, dass die Notenbanken vor dem Jahresende die Zinsen noch einmal erhöhen. Die weiteren Aussichten sind jedoch ungewiss. Viele Ökonomen rechnen etwa damit, dass die EZB in der Folge stillhält. Der Rückgang der Energiepreise stärkt diese Position.
Damit einher geht ein Rückgang der Bondrenditen, die sich in der Regel gleichgerichtet zu Zinserwartungen bewegen. Die Verzinsung zehnjähriger deutscher Bundesanleihen liegt am Donnerstag bei 3,27 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Ende August. Im September war die Rendite auf 3,65 Prozent gestiegen.
In Frankreich liegt the Rendite für zehnjährige Anleihen bei 4,76 Prozent. Hier war die Verzinsung im Oktober erstmals seit 2002 über fünf Prozent gestiegen, was an den Märkten zu starker Verunsicherung geführt hatte. Folglich hat sich auch der Renditeabstand zu Deutschland, der sogenannte „Spread“, wieder verringert. Im Zuge des Renditeanstiegs hatte er den höchsten Stand seit der Euro-Krise markiert.
Ähnlich ist es in den USA. Dort ist die richtungsweisende zehnjährige Rendite von 5,37 Prozent auf 4,87 Prozent gefallen. Sinkende Anleiherenditen sind tendenziell gut für Aktien, weil sichere Staatsanleihen im Vergleich zu Aktien wieder weniger attraktive Renditen bieten und gleichzeitig die Kreditkosten für Unternehmen sinken.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Notenbanken erhöhen vor Jahresende die Zinsen noch einmal
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wird die Meerenge von Hormus tatsächlich geöffnet?
- Wie stark werden KI-Rechenzentren reguliert?







