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Der DAX hatte zuvor Rekordhöhe erreicht, doch steigende Ölpreise aufgrund von Konflikten im Nahen Osten und erneute Zinsängste führen zu einem Rückgang. Der Anleihemarkt spiegelt ähnliche Sorgen wider, während Unternehmensnachrichten wie bei Dell und Commerzbank gemischte Signale liefern.
Zunehmende Inflations- und Zinssorgen lasteten auch heute wieder auf dem deutschen Aktienmarkt. Der Leitindex DAX markierte zwischenzeitlich bei 25.727 Punkten den tiefsten Stand seit Ende Juli. Damit ist er von seinem Rekordhoch bei 26.618 Punkten bislang schon um fast drei Prozent zurückgefallen. Vorgestern hatte der DAX bereits 1,2 Prozent verloren, am Dienstag 1,1 Prozent auf 25.970 Punkte.
Allerdings scheint sich der Ausverkauf etwas abzuschwächen, vom Tagestief am Mittag hat sich der Index im Verlauf zumindest etwas erholt. Am Ende lag das DAX-Minus bei bei 0,5 Prozent auf 25.839 Zähler.
Die Anleger agieren dennoch weiter verhalten, denn gleich eine Vielzahl von Belastungsfaktoren drückt derzeit deren Risikolaune. Der Markt sei in einem Zangengriff aus Ölpreisschock und Zinsangst, fasste Frank Sohlleder, Analyst bei ActivTrades, die Stimmung zusammen.
Auch der Anleihenmarkt stand wegen anhaltender Zinsängste weiter unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg in der Spitze bis auf etwas über 3,39 Prozent. Zuletzt lag sie bei 3,377 Prozent.
Ein Hauptgrund zur Sorge sind die wieder anziehenden Ölpreise - was die Inflation antreibt und die Notenbanken auf den Plan ruft. "Die Gefahr weiterer Störungen an der Straße von Hormus hat neue Inflationsängste ausgelöst und einen Ausverkauf bei Aktien an den meisten großen Märkten sowie einen Einbruch an den globalen Anleihemärkten verursacht", schrieben die Analysten von Westpac.
Zuletzt hatten neue gegenseitige Angriffe im Nahen Osten die Notierungen weiter nach oben getrieben. Während das US-Militär mehrere iranische Stellungen angriff, reagierte Teheran mit neuen Raketenangriffen auf verschiedene US-Stützpunkte in der Region.
Rohöl der Nordseesorte Brent kletterte über Nacht weiter auf fast weiter auf fast 97 Dollar pro Barrel. Das war der höchste Preis seit Mitte Juni. Zuletzt lag die Notierung wieder etwas niedriger bei etwas über 95 Dollar. Die ungewisse Lage im Iran-Krieg lasse die Preise extrem schwanken, sagte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank.
"Die Ankündigung einer Einigung oder von Fortschritten könnte die Preise einbrechen lassen, während jede Eskalation die Aussicht auf ein Friedensabkommen weiter schmälern würde." Neue Entwicklungen könnten die Preise um bis zu fünf Dollar in beide Richtungen bewegen, ergänzte er.
Etwas Rückenwind für die europäischen Märkte kam heute von der Wall Street. Die großen Indizes liegen gegen Mittag Ortszeit in einer Gegenbewegung allesamt rund ein halbes Prozent im Plus. Der Dow Jones, der am Dienstag 0,8 Prozent verloren hatte, holt die Verluste damit zum Teil wieder auf. Die Technologiebörse Nasdaq hatte gestern 1,0 Prozent eingebüßt.
Inflationssorgen hatten auch die Verluste am Anleihemarkt beschleunigt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte mit 4,81 Prozent den höchsten Stand seit fast drei Jahren.
Dell überzeugte die Investoren derweil mit einem optimistischeren Ausblick auf das Geschäftsjahr. Die Papiere verteuern sich um mehr als acht Prozent. Der Computerhersteller hat wegen der boomenden Nachfrage nach Servern für Künstliche Intelligenz (KI) zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Umsatz- und Gewinnprognosen angehoben.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat direkte Gespräche mit der italienischen Großbank UniCredit über eine mögliche Übernahme bestätigt und ihre eigene Zukunft an eine gemeinsame strategische Ausrichtung geknüpft.
Orlopp sagte am Mittwoch auf dem "Handelsblatt"-Bankengipfel in Frankfurt, es gebe Kontakte und Gespräche zwischen den Instituten. Dies sei im Interesse beider Parteien. Nun gelte es, die richtige Strategie zu wählen und aufzupassen, dass "keine Wertvernichtung" passiere. Orlopp warnte zugleich vor einer übereilten Integration. Commerzbank-Aktien gehörten gegen den Trend zu den größeren Gewinnern im DAX.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Ölpreise könnten bei weiterer Eskalation im Nahen Osten über 100 Dollar pro Barrel steigen.
Possible · Within weeks
Commerzbank könnte eine Übernahme durch UniCredit verfolgen, wenn strategische Synergien bestätigt werden.
Possible · Within months

Im August kauften Unternehmensinsider besonders viele Aktien in den Bereichen Mode, Chemie, Motoren und Automobilzulieferung, wobei Deutz, Zalando und Alzchem aufgrund von Rüstungsboom und positiven Analystenempfehlungen auffielen. Trotz kurzfristiger Kursrückgänge erwarten Analysten für diese Aktien mittelfristige Aufwärtspotenziale, während Insiderverkäufe bei Elmos Semiconductor und allgemein vorsichtigeres Verhalten von Topmanagern bei Dax-Hochs beobachtet wurden.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes, um Mitbestimmungsverfahren zu beschleunigen und bürokratische Hürden abzubauen, insbesondere bei der Einführung von KI und Softwareupdates, während die schwarz-rote Koalition und Juristen ähnliche Reformen diskutieren.

Eine US-Bezirksrichterin in New York hat den Antrag des Justizministeriums auf Zwangsverkauf von Googles Anzeigenbörse AdX abgelehnt. Stattdessen muss Google seine Werbetechnologie mit Wettbewerbern kompatibel machen. Die Entscheidung wurde zunächst unter Verschluss veröffentlicht.

Die Wall Street erholte sich am Mittwoch nach dreitägigen Verlusten, wobei der Dow-Jones-Index um 0,6 % auf 53.062 Punkte stieg. Trotz Sorgen über die Eskalation im Nahen Osten und steigende Ölpreise kauften Anleger aufgrund günstiger Bewertungen, starker Quartalsberichte und Optimismus hinsichtlich KI-Investitionen. Technologie- und Halbleiteraktien führten den Aufschwung an, während schwächere Arbeitsmarktdaten die Konjunkturaussichten eintrübten.

Mehrere Technologie- und Industrieunternehmen wie Broadcom, HPE, Snowflake, Dell und andere melden Umsatzsteigerungen und höhere Prognosen dank KI-Nachfrage, während Swiss Life Stellen streicht und Huawei Gewinnrückgang verzeichnet.

Die Zukunft der Volkswagen-Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm ist unklar, da die Produktion ab den 2030er-Jahren auslaufen soll. Der Vorstand sieht derzeit keine gesicherte Perspektive, aber der Aufsichtsrat muss zustimmen. Bei der bevorstehenden Sitzung liegen drei konkurrierende Beschlussvorlagen vor, was auf verhärtete Fronten hindeutet. Eine Einigung gilt als ausgeschlossen, wodurch eine Eskalation oder eine außerordentliche Hauptversammlung möglich ist, bei der die Ausgliederung der Marke VW diskutiert werden könnte. Für die Beschäftigten bleibt die Situation kompliziert, und Klarheit könnte sechs bis zwölf Monate auf sich warten lassen.