
Tschechien kämpft mit niedrigstem Pegel seit 50 Jahren
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Der Orlik-Stausee ist Teil der Moldau-Kaskade, neun Staubecken vom Böhmerwald bis kurz vor Prag, die dem Hochwasserschutz dienen und bei Dürre Wasser abgeben, um den Pegel der Moldau stabil zu halten.
Pavel Patera steigt hinab – erst die Stufen des neuen Bootsanlegers, dann muss er klettern, um in sein Kontrollboot zu gelangen. Er ist der Leiter des Orlik-Stauwerks, des wasserreichsten Stausees in Tschechien. Patera erzählt, dass man erst vor zwei Jahren die Treppe neu gebaut habe. Keiner habe damals vermutet, dass der Pegel einmal so tief fallen würde. Bei dem Anblick des Sees blute ihm das Herz.
Ganze 15 Meter ist der Pegel des Stausees schon gefallen – und hat damit die Hälfte seines Wassers verloren. Hier, kurz hinter der Staumauer, wirkt der Wasserverlust auf den ersten Blick minimal, doch an den Rändern zeichnet sich der alte Wasserstand ab.
Zu wenig Regen, zu wenig Schnee
So niedrig war der Pegel zuletzt vor 50 Jahren. Vor allem die Seitenarme des Stausees laufen trocken. An der Podolsky Most, rund 25 Kilometer Luftlinie von der Staumauer entfernt, tauchen die Reste eines alten Gasthofes wieder auf.
Daneben kommen die Pfeiler der alten Seilbrücke aus dem 19. Jahrhundert wieder zum Vorschein. Der Pegel an der neuen Brücke zeigt schon seit Wochen keinen Wasserstand mehr an. Selbst in der Nähe der Staumauer wurden Gebäuderuinen im See mit kleinen selbstgemachten Bojen markiert – wie etwa der alte Kirchturm, der noch unter Wasser liegt.
Patera hofft, dass das auch so bleibt, denn seit zwei Jahren gab es in Tschechien zu wenig Schnee und Regen. Der vergangene Sommer war nach Angaben von Hydrologen der trockenste seit 80 Jahren.
Sorge um die Moldau
Doch davon merkt man in der Landeshauptstadt Prag nichts; zumindest noch nicht. Denn der Orlik-Stausee gehört zur sogenannten Moldau-Kaskade. Das sind neun Staubecken vom Böhmerwald bis kurz vor Prag.
Sie dienen dem Hochwasserschutz, doch bei Dürre geben sie Wasser ab und halten den Pegel der Moldau auf einem Mindestmaß. Noch können andere Teile der Kaskade genügend Wasser bereitstellen, so dass die Pegel in Prag stabil bleiben.
Das Stausystem diene aber nicht nur der Hauptstadt, es versorge viele Regionen Tschechiens, erklärt Petr Kubala, Direktor der Flussgebietsverwaltung Moldau. Mit dem Wasser der Seen würde das gesamte Ökosystem rings um den Fluss am Leben gehalten. Es sorge dafür, dass die Wasserentnahme, beispielsweise für die Landwirtschaft, funktioniere, dass eingeleitete Abwässer verdünnt würden, und dass der Grundwasserspiegel in der folgenden Elbe-Region stabil bleibe.
Auch Kubala blicke sorgenvoll auf den Fluss. Noch ein weiterer Dürrewinter würde nicht nur die Moldau-Kaskade sondern die gesamte Wasserwirtschaft in Tschechien in Gefahr bringen.
20 neue Stauseen oder Rekultivierung?
Die Regierung Babis verspricht deshalb 20 neue Stauwerke – sie sollen noch mehr Wasser für Dürren bereithalten. Doch deren Finanzierung ist völlig unklar. Im tschechischen Haushalt klaffe ein Milliardenloch, und ob die EU dafür Fördermittel bereitstellt, ist offen. Außerdem dauere der Bau von Staumauern Jahre; am Orlik-See wurde sieben Jahre gearbeitet.
Auch deshalb schlage Direktor Petr Kubala, der auch die Regierung berät, kurzfristigere Maßnahmen vor. So müsse die Landwirtschaft mehr Versickerungsflächen schaffen, alte Bach- und Flussläufe sollten rekultiviert werden. Das Ziel müsse sein, das Wasser besser zu speichern statt es abzuleiten.
Das sehe auch Pavel Patera am Orlik-Stausee so. Auch er ist überzeugt, dass Tschechien in seine Wasserversorgung investieren muss. Vielleicht könne er irgendwann die neuen 20 Stausee-Chefs begrüßen, sagt er. Doch bis dahin sei es ein weiter Weg.
Jetzt hoffe Patera erstmal auf Regen: Viel Regen – denn ein richtig nasser Herbst und Winter würden seinen See wieder auffüllen.
Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Europamagazin – am Sonntag um 12:45 Uhr im Ersten.
AI outlook — possibilities, not facts
Bei einem weiteren Dürrewinter wird die gesamte Wasserwirtschaft Tschechiens gefährdet sein.
Possible · Within months
Ein nasser Herbst und Winter würden den Orlik-Stausee wieder auffüllen.
Possible · Within months
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