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Hamburg veranstaltet seine erste Art Week, ein langes Wochenende der Kunst, an dem viele Museen, Off-Spaces und Galerien beteiligen. Gleichzeitig laufen politische Debatten über ein mögliches AfD-Verbot, die Klimaziele der Stadt und die Kostenexplosion beim Bau der neuen Müllverbrennungsanlage ZRE.
Liebe Leserin, lieber Leser,
an einem der letzten heißen Tage des Sommers stand Simon Hehemann in den abgedunkelten Räumen der Galerie Feinkunst Krüger in der Neustadt, als plötzlich ein Fremder durch die Ladentür hereinplatzte. »Na, was macht der Krüger jetzt schon wieder?«, rief der Mann fröhlich in den Raum. »Krüger macht Urlaub«, sagte Hehemann. Er musterte den Fremden, der nicht viel mehr trug als Schuhe, Shorts und einen Rucksack über dem nackten Oberkörper. Nach einem Moment der Stille fragte Hehemann: »Es ist wohl warm draußen?"
Heute Abend um 20 Uhr eröffnet die Raum-Installation Wie die Teile fallen. Simon Hehemann hat den August damit verbracht, sie aufzubauen. Das ist ein eingespielter Deal zwischen dem Künstler und seinem Galeristen Ralf Krüger: Ehe Krüger in den Urlaub fährt, händigt er Hehemann seinen Schlüssel aus. Der Künstler hat Carte blanche. Er darf in den Galerieräumen machen, was er will, solange Krüger nach seiner Rückkehr etwas auszustellen hat.
Als ich die Galerie in der vergangenen Woche besuchte, surrten und klackerten alte Diaprojektoren, Mobiles tanzten unter der Decke und es knirschte bei jedem meiner Schritte. Hehemann hatte 12 Tonnen Schlacke in die Räume gekippt, die nun wie schwarzer Kies auf dem Fußboden lag. Nur vereinzelt gab es Aussparungen, die Hehemann mit Teichfolie ausgelegt hatte. Dort wollte er noch 4.000 Liter schwarze Tinte einlaufen lassen.
Simon Hehemann veranstaltet immer solche Materialschlachten, um die Wirkung von Räumen zu verändern. Zugleich schafft er Miniaturen, die so fein und zerbrechlich sind, dass man den Atem anhält. Etwa eine Skulptur aus getrockneten Pusteblumen, deren Samen jeden Moment in alle Richtungen zu zerstäuben drohen. Wer heute Abend einen falschen Schritt macht, wer womöglich bloß zu laut lacht, der riskiert, die Kunst zu zerstören, die Hehemann in der dunklen Galerie wochenlang zusammenbastelte und darüber ganz vergessen hat, dass es im Sommer draußen warm ist.
Wie die Teile fallen ist eine von etwa zwanzig Ausstellungen, die heute Abend eröffnen. Denn Hamburg feiert die erste Art Week, ein langes Wochenende der Kunst, an dem sich viele Museen, Off-Spaces und Galerien beteiligen. Das ganze Programm gibt es hier.
Und falls Sie sich das Gedränge heute ersparen wollen: Die Installation von Simon Hehemann ist noch bis 20. September zu sehen. Der Eintritt ist frei, Adresse und Öffnungszeiten finden Sie hier.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Oskar Piegsa
Was heute wichtig ist
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank unterstützt den Vorstoß für ein AfD-Verbot. »Wir sollten das Verbotsverfahren jetzt in einer Bund-Länder-Gruppe vorbereiten und auf den Weg bringen«, sagte die Grünen-Politikerin. Genau wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) sieht sie die Demokratie als bedroht.
Jeannine Koch wird zum 1. März 2027 Geschäftsführerin der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Das teilte die Hamburger Kulturbehörde mit. Die 45-Jährige folgt auf Egbert Rühl, der die städtische Kreativwirtschaftsförderung seit ihrer Gründung 2010 leitet und in den Ruhestand geht. Koch ist derzeit Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des Vereins medianet berlinbrandenburg sowie Gesellschafterin des MediaTech Hub Potsdam. Zuvor leitete die diplomierte Medienberaterin die Digitalkonferenz re:publica.
Im ersten Halbjahr 2026 haben in Hamburg 441 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Laut Statistikamt Nord waren das 32 Verfahren mehr als im ersten Halbjahr 2025. Von den Insolvenzen betroffen waren mindestens 2.680 Beschäftigte; die voraussichtlichen Forderungen beliefen sich auf fast 702 Millionen Euro. Im Schnitt schuldeten die Unternehmen ihren Gläubigern 1,6 Millionen Euro.
Nach einem Einbruch in eine Grundschule in Altona ist der Unterricht gestern ausgefallen. Unbekannte hatten laut Polizei in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche Klassenräume gewaltsam geöffnet und elektronische Geräte gestohlen. Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben der Finanzbehörde mehr als 40 Einbruchsversuche an Schulen registriert – zuletzt in Lokstedt und Bergedorf.
CDU-Oppositionsführer Dennis Thering will Hamburgs geplante Klimaneutralität von 2040 wieder auf 2045 verschieben. Würde er bei der nächsten Bürgerschaftswahl 2030 Bürgermeister, wäre das eine seiner ersten Amtshandlungen, sagte er. Im Oktober 2025 hatten die Hamburger mehrheitlich für den sogenannten Zukunftsentscheid und damit für deutlich strengere Klimaziele gestimmt.
Nachricht des Tages
Nach den tödlichen Schüssen auf einem Gewerbegelände im Schanzenviertel ist das Motiv noch immer unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass Täter und Opfer sich gekannt haben könnten, wie die Polizei mitteilte.
Am Dienstagabend gegen 21.35 Uhr meldeten Zeuginnen und Zeugen Schüsse von einem Gewerbehof nahe den Messehallen und der S-Bahn-Station Sternschanze. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Auf einem Parkplatz und in einem Gebäude fanden die Einsatzkräfte zwei Männer mit tödlichen Schussverletzungen. Ein 47-Jähriger starb trotz Reanimationsversuchen. Die Identität des zweiten Toten war zunächst nicht abschließend geklärt. Offenbar gab es zudem ein drittes Opfer: Ein 48-jähriger Mann wurde ebenfalls durch Schüsse verletzt. Er entfernte sich vom Tatort und suchte selbstständig das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf. Nach bisherigen Angaben besteht keine Lebensgefahr. In der Nacht zu Mittwoch fahndeten die Einsatzkräfte nach dem oder den mutmaßlichen Tätern. Bis Mittwochvormittag sicherten Kriminaltechniker Spuren am Tatort. Die Ermittlungen führen die Mordkommission, die für Organisierte Kriminalität zuständige Abteilung des Landeskriminalamts und die Staatsanwaltschaft gemeinsam.
Ob die Tat mit einem früheren Anschlag auf das Gelände zusammenhängt, ist offen. Ende Juni war dort eine Handgranate detoniert. Dabei wurden ein Gebäude und mehrere Fahrzeuge beschädigt. Verletzt wurde niemand.
Von Tom Kroll
Aus Hamburg
Das Beste vom Besten
Warum Hamburgs neue Müllverbrennungsanlage eine halbe Milliarde Euro teurer wird als gedacht. Eine Analyse unseres Redakteurs Frank Drieschner
Die Dimension des Desasters lässt an die Errichtung der Elbphilharmonie vor knapp 20 Jahren denken: Die im Bau befindliche Abfallverwertungsanlage der Hamburger Stadtreinigung, das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) im Stellinger Moor am Rand der Autobahn 7, sollte einmal 234 Millionen Euro kosten. 780 Millionen könnten es nach einer sachkundigen Schätzung nun werden – und noch erheblich mehr, wenn die Zinskosten der Baukredite mitgerechnet werden. Außerdem sollte die Anlage längst in Betrieb sein. Stattdessen prüft die Stadtreinigung, wie der Bau beschleunigt und wenigstens bis zum Ende dieses Jahrzehnts abgeschlossen werden könnte. Wie kann das sein? Ausgerechnet in einem Stadtstaat, der als Lehre aus der Kostenexplosion beim Bau seines Konzerthauses das öffentliche Bauwesen neu aufgestellt und geregelt hat, damit so etwas nie wieder geschieht?
Das ZRE soll eine der modernsten Abfallverwertungsanlagen Europas werden. Es soll Müll automatisch sortieren, wiederverwertbare Rohstoffe entnehmen und den Rest verbrennen, um daraus Strom und Heizenergie für das Fernwärmenetz zu gewinnen. Mehr als 300.000 Tonnen Müll pro Jahr sollen im ZRE in Flammen aufgehen, wobei Strom für rechnerisch 40.000 Haushalte entstehen und ein Zehntel des Hamburger Fernwärmebedarfs gedeckt werden soll. Ursprünglich sollten geeignete Müllanteile auch vergoren werden, um daraus Biogas zu gewinnen, das man ins Gasnetz hätte einspeisen können. Dieser Teil der Anlage wäre nach Angaben der zuständigen Hamburger Umweltbehörde europaweit einzigartig gewesen.
Die Auftraggeber wollten das Beste vom Besten – auch darin ähnelt das ZRE der Elbphilharmonie.
Die Planung für die neue Abfallverwertungsanlage begann vor etwa zehn Jahren, seit 2022 wird gebaut. Inzwischen türmen sich mehr als 28.000 Kubikmeter Beton und rund 4.700 Tonnen Stahl am Rand der A7 zu einem Komplex aus zukünftigen Bunkern, Hallen, Bürotrakten und Schächten. Rund 480 Millionen Euro sind bereits ausgegeben oder werden für vertraglich vereinbarte Arbeiten fällig. Zugleich steht die Stadtreinigung als Bauherrin so ratlos vor der Aufgabe, daraus zu halbwegs akzeptablen Kosten eine funktionsfähige Müllverwertungsanlage zu machen, dass sie im Frühjahr sogar prüfen ließ, ob es nicht besser wäre, das Vorhaben aufzugeben und den Rohbau wieder abzureißen. Ergebnis: Es wäre auch nicht besser.
Die ungekürzte Fassung des Artikels finden Sie hier. → Zum Artikel (Z+)
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»Kickern ist wie dauerndes Elfmeterschießen«
Die Hamburgerin Linh Tran ist fünffache Weltmeisterin im Tischfußball. Sie erzählt, was Kickern und Schach verbindet und warum sie lieber gegen Männer gewinnt. Laura Sophie Jung hat mit ihr gesprochen. → Zum Artikel
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Das Bürgerhaus Wilhelmsburg lädt am kommenden Wochenende zum Hastam Festival ein: mit Musik, Filmen, Bühnenstücken und Bildender Kunst. Unter dem Motto »The Art of Resistance« richtet das Festival den Fokus auf Afghanistan. Mehr als 20 Acts junger politischer Kunst aus Afghanistan und dem Iran kommen auf die Bühne. Ihre Arbeiten setzen Zeichen gegen Patriarchat und Unterdrückung und verstehen sich zugleich als Einladung zum interkulturellen Austausch.
Hastam Festival, 4.9. ab 18 Uhr, 5.9. ab 13 Uhr, 6.9. ab 14 Uhr; Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20; das Programm finden Sie hier
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Mein Mann reserviert telefonisch einen Tisch draußen und im Schatten.
Am anderen Ende heißt es: »Auch noch Sonderwünsche! Ich notiere: Zwei Personen, draußen, Schatten. Sollen wir auch Sonnenmilch bereitstellen?«
Gehört von Iris Kaiser
AI outlook — possibilities, not facts
Die Installation "Wie die Teile fallen" von Simon Hehemann wird bis zum 20. September täglich besucht werden.
Likely · Within weeks
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft wird unter Jeannine Koch ab März 2027 ihre Ausrichtung ändern.
Possible · Within months
Die Kosten der ZRE-Anlage werden die ursprünglich geplanten 234 Millionen Euro deutlich überschreiten.
Very likely · Within months
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George Clooney erhielt den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk bei den Filmfestspielen in Venedig. In seiner Laudatio betonte Laura Dern seine Bodenständigkeit und Teamfähigkeit. Auf der Pressekonferenz äußerte sich Clooney optimistisch zu Politik, Klima und Familie, warnte jedoch vor Medienbesitz und Journalismus in den USA. Der Eröffnungsfilm „Ink“ von Danny Boyle thematisiert den Aufstieg Rupert Murdochs und die Boulevardisierung von „The Sun“. Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal sprach strukturelle Probleme der Filmbranche an, kritisierte die geringe Zahl von Regisseurinnen und verteidigte das Kino als Ort der Empathie.
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Die zweifache Grammy-Preisträgerin Cassandra Wilson wurde 1955 in Jackson, Mississippi geboren und begann ihre Karriere in den 1980er Jahren in New York. Sie war bekannt für ihre tiefe Stimme und die Verbindung von Jazz mit Blues, Folk und anderen Musiktraditionen. Neben Jazz interpretierte sie auch Songs von U2, Bob Dylan und Sting. Laut US-Medienberichten vom Mittwoch gab es zunächst keine Informationen zur Todesursache.