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Henkel: Geschichte, Umsatz und aktuelle Herausforderungen des Düsseldorfer Konzerns
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Henkel: Geschichte, Umsatz und aktuelle Herausforderungen des Düsseldorfer Konzerns

Quick Look

  • Der Düsseldorfer Konsumgüter- und Klebstoffkonzern Henkel wurde 1876 gegründet, erzielte 2025 einen Umsatz von 20,5 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 50.000 Menschen.
  • Das Unternehmen steht vor Herausforderungen durch steigende Eigenmarkenanteile im Handel, konjunkturabhängige Industriebereiche und kritische Betrachtung seiner NS-Zeit sowie Russland-Geschäfte nach dem Ukraine-Kriegsbeginn.

AI-generated summary

Why It Matters

Henkel wurde 1876 in Aachen gegründet und entwickelte sich zu einem globalen Konsumgüter- und Klebstoffkonzern mit Marken wie Persil, Schwarzkopf und Loctite. Das Unternehmen war an der Dax-Gründung beteiligt und hat eine komplexe Geschichte einschließlich der NS-Zeit und jüngerer geopolitischer Herausforderungen.

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Der 28-jährige Kaufmann Fritz Henkel gründete am 26. September 1876 mit zwei Partnern in Aachen das Unternehmen Henkel & Cie. Erstes Produkt war ein Universalwaschmittel auf Silikatbasis, 1878 folgte „Henkel's Bleich-Soda“. Weil der Platz nicht ausreichte, zog die Firma nach Düsseldorf. 1900 bezog Henkel die neue Zentrale im heutigen Stadtteil Holthausen. Dort befindet sich der Konzernsitz bis heute.

Anfang der 1920er Jahre wurde das Klebstoffgeschäft gegründet. 1985 ging Henkel an die Börse und war eines der Gründungsunternehmen des Dax. 2008 kaufte man den US-Klebstoffproduzenten National Starch von Akzo Nobel für damals umgerechnet rund 3,7 Milliarden Euro – bis heute die größte Übernahme der Firmengeschichte. 2023 wurde das Markenartikelgeschäft, also Wäsche und Haushalt sowie Kosmetik- und Körperpflege, zum neuen Unternehmensbereich Consumer Brands zusammengeführt. Im Zuge dessen wurden weltweit etwa 3.500 Stellen gestrichen.

1907 kam das bekannte Waschmittel Persil auf den Markt. Im darauffolgenden Jahr produzierte Henkel nach eigenen Angaben 4.700 Tonnen Persil, 1915 bereits die siebenfache Menge. Seit 1922 bewirbt Henkel das Produkt mit der Werbefigur der Weißen Dame.

In den 1920er Jahren entwickelte das Unternehmen unter dem Namen P3 Reiniger für Industrie und Landwirtschaft. 1969 kam – inspiriert vom Drehmechanismus eines Lippenstifts – der Pritt-Stift auf den Markt. Seit 1995 gehört Henkel die Marke Schwarzkopf, die auch für das Haarspray Taft bekannt ist. 1997 übernahm das Unternehmen die US-amerikanische Marke Loctite. Weitere bekannte Marken sind Spee, Pril, Somat, Schauma, got2be und Pattex.

Henkel verzeichnete 2025 einen Jahresumsatz von 20,5 Milliarden Euro. Die Erlöse entfallen etwa zur Hälfte auf den Konsumgüterbereich, mit Körper- und Haarpflegeprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln, und auf die Klebstoffsparte. Henkel beschäftigt in 53 Staaten und an 165 Produktionsstätten rund 50.000 Menschen, etwa 8.000 davon in Deutschland. Seit 2020 ist Carsten Knobel Vorstandsvorsitzender. Simone Bagel-Trah, Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel, steht dem Aufsichtsrat und dem Gesellschafterausschuss vor.

Größte Wettbewerber von Henkel sind bei Konsumgütern unter anderem Procter & Gamble, Unilever und L’Oréal, im Bereich Klebstoffe H.B. Fuller, Sika und 3M. Im Bereich Kleb- und Dichtstoffe sowie Beschichtungen ist Henkel nach eigenen Angaben globaler Marktführer und wichtiger Lieferant, unter anderem für die Auto- und Elektronikindustrie.

„Sie sind das Coca-Cola und Pepsi der Klebstoffwelt“, sagte im Juli eine Anwältin der Federal Trade Commission. Die US-Kartellrechtsbehörde klagte gegen die Übernahme eines US-Klebstoffherstellers durch Henkel. Argumentiert wird, die Transaktion würde den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen.

Nach Beginn des Ukraine-Krieges stiegen die Energiekosten erheblich. Das Geschäft mit Industrieklebstoffen ist konjunkturanfällig. Die Konsumgütersparte steht ebenfalls unter Druck. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger haben Marken an Einfluss verloren. Für 71 Prozent der Konsumenten ist der Preis einer der drei wichtigsten Kaufgründe, die Markenreputation nur für 21 Prozent. „Der Wert eines Produkts ist viel wichtiger als das Logo“, heißt es.

Wegen der gestiegenen Preise greifen Verbraucher häufiger zu günstigeren Eigenmarken des Handels statt zu Herstellermarken wie denen von Henkel. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens YouGov stieg der Anteil der Eigenmarken bei Waschmitteln innerhalb der vergangenen vier Jahre um 2,3 Prozentpunkte, bei Putz- und Reinigungsmitteln um 4 Prozentpunkte und bei Haarpflegeprodukten um 3 Prozentpunkte. Aus dem Handel heißt es, Marken gerieten unter Druck, bei Waschmitteln blieben sie jedoch erstaunlich stabil. Die Markenaffinität sei weiterhin hoch. Laut YouGov punktet Henkel mit Persil längst nicht nur bei älteren, sondern zunehmend auch bei jüngeren Konsumenten.

Traditionsmarken wie Persil besäßen nach wie vor enorme Kraft, sagt Marketing-Experte Andreas Baetzgen. „Der Slogan 'Da weiß man, was man hat' bringt dieses Credo bis heute auf den Punkt.“ Doch Kontinuität allein reiche nicht aus. Henkel müsse neue Wachstumsgeschichten schreiben. „Viele der erfolgreichsten Marken von morgen werden nicht mehr im eigenen Haus aufgebaut, sondern als junge, wachsende Marken zugekauft.“

Die 1930er-Jahre zählen laut dem Bonner Historiker Joachim Scholtyseck zu den schwierigsten und kritischsten Phasen der Henkel-Geschichte. 1930 scheiterte ein Übernahmeversuch des Konkurrenten Unilever. Einige Jahre später versuchte Werner Lüps, Enkel des Firmengründers, Henkel auf einen nationalsozialistischen Kurs zu bringen. Wie andere Unternehmen passte sich der Konzern dem NS-Regime an. 1940 wurde Henkel zum nationalsozialistischen Musterbetrieb ernannt und war anschließend Teil der Kriegswirtschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die Aufarbeitung laut Scholtyseck zunächst eher schleppend. „Bei Henkel wurde Anfragen zur NS-Zeit jahrzehntelang eine Absage erteilt.“ Erst später ließ der Konzern seine Rolle im Nationalsozialismus und die Beschäftigung von Zwangsarbeitern untersuchen. Das Kapitel sei 2001 in einer wissenschaftlichen Studie sauber aufgearbeitet worden, sagt der Historiker. Dies sei damals bei Unternehmen noch keineswegs üblich gewesen.

Wie viele Konsumgüterhersteller geriet Henkel nach Beginn des Ukraine-Krieges wegen seiner Russland-Geschäfte in die Kritik. Das Unternehmen stoppte zunächst geplante Investitionen sowie Werbung und Sponsoring, ließ die Produktion jedoch weiterlaufen. Im April 2022 beschloss Henkel dann, sich aus Russland zurückzuziehen, ein Jahr später erfolgte der Verkauf.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Henkel wird zukünftig stärker auf die Akquisition junger, wachsender Marken setzen statt diese intern zu entwickeln.

    Likely · Within months

  • Der Anteil der Handels-Eigenmarken bei Wasch- und Reinigungsmitteln wird weiter steigen, obwohl Henkel bei Produkten wie Persil eine hohe Markenaffinität behält.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie wird Henkel die zunehmende Macht der Handels-Eigenmarken langfristig bekämpfen?
  • Welche finanziellen Auswirkungen hatte der Rückzug aus Russland auf das Unternehmen?
  • Wie plant Henkel, Wachstum durch externe Akquisitionen statt interner Markenentwicklung zu erzielen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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