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In der Nacht, die auf den Nachmittag folgte, an dem die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kirsty Coventry, verkündete, dass ihre Organisation den Sportlerinnen und Sportlern Wladimir Putins wieder Tür und Tor öffnet, schlugen die russischen Raketen wieder in der Ukraine ein: in Kiew, in Cherson und Odessa. Und so lässt sich die Frage beantworten, was sich wohl geändert haben mag, dass man Putins Sportlern wieder den Hof macht; und zwar mit einem Wort: nichts.
Doch Russlands Rückkehr war zu erwarten. Coventry, bis ins vergangene Jahr hinein Sportministerin im Kabinett des mit Putin verbrüderten zimbabwischen Gewaltherrschers, hat seit Monaten keinen Zweifel gelassen, dass der Moment vorbereitet wird. Das Nationale Olympische Komitee Russlands hat den notwendigen juristischen Taschenspielertrick geliefert und seine Zuständigkeit für den Sport in den okkupierten ukrainischen Gebieten aus den Statuten gestrichen.
Ein Taschenspielertrick genügt
Ein bisschen legalistischer Hokuspokus genügt in einer Welt, in der die einen kaum erwarten können, Russland wieder mitspielen zu lassen, andere sich gegen die Allgegenwärtigkeit des russischen Kriegsterrors immunisiert haben und wieder andere plötzlich den Kairos erkennen: Mehr Opportunismus wagen!
Zu Letzteren gehört der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Es war so abstoßend wie erwartbar, mit welcher Eilfertigkeit der DOSB dem IOC noch am selben Abend signalisierte, dass mit Widerspruch, mit substantieller Opposition gar, nicht zu rechnen ist. „Sport soll als Brückenbauer fungieren können“, heißt es in einer Stellungnahme, und: „Einen Weg zurück hatte der DOSB bereits in seiner ersten Stellungnahme nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 18. März 2022 skizziert.“
Kein Rückgrat
Das kennt man vom DOSB: Immer dafür oder auch mal dagegen, je nachdem, was bei der IOC-Spitze besser ankommt. Bloß nicht die avisierte Bewerbung um Olympische Sommerspiele in Gefahr bringen mit zu viel Rückgrat. Denn den Weg zurück etwa nach Deutschland als Gastgeber kennt nur Lausanne, da muss man aufs Navi hören. Und das klingt nach Frau Coventry.
Die Muster in den Sportverbänden ändern sich nicht. Despoten, Diktatoren, Kriegsherren und Autokraten sollen im Spiel gehalten werden. Die jüngsten Änderungen der Olympischen Charta, mit der Russlands Rückkehr vorbereitet wurde, haben noch einmal verdeutlicht, dass diese alte Verbindung, für die Mussolini und Hitler, Stalin und Breschnew, Putin und Xi Jinping und viele andere stehen, kein bedauerliches Versehen ist, keine merkwürdige Häufung von Einzelfällen.
Sie ist Teil des Systems: So soll der internationale Sport sein. Lasst Putins Raketen auf Spielplätzen und in Wohnblocks einschlagen, lasst ihn ukrainische Sportlerinnen und Sportler töten und ukrainische Sportanlagen dem Erdboden gleich machen – wir machen weiter wie immer. Dieses zynische Spiel mitzuspielen, nicht in Opposition zu treten, ist eine bewusste Entscheidung. Wer sie trifft, sollte sich klar sein, dass er die Opfer von Putins Krieg im Stich lässt. Opportunismus ist das Gegenteil von Solidarität.

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