Kanada prüft assoziierte EU-Mitgliedschaft
Angesichts eskalierender Handelsspannungen mit den USA sondiert die kanadische Regierung unter Mark Carney eine engere politische und wirtschaftliche Anbindung an die Europäische Union.
Quick Look
- Kanadas Ministerpräsident Mark Carney prüft laut Medienberichten eine assoziierte EU-Mitgliedschaft.
- Ziel ist eine engere Kooperation in Bereichen wie Energie, KI und Verteidigung, um auf Handelskonflikte mit den USA und politische Differenzen zu reagieren.
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Why It Matters
Kanada reagiert mit der Suche nach engeren EU-Bindungen auf den eskalierenden Handelsstreit mit den USA und politische Differenzen seit dem Amtsantritt von Donald Trump 2025.
Wie das »Wall Street Journal« unter Berufung auf Vertreter der EU und Kanadas berichtet, prüft Kanadas Ministerpräsident Mark Carney die Möglichkeit einer »assoziierten EU-Mitgliedschaft«. Demnach soll die EU offen dafür sein.
Von der kanadischen Botschaft in Brüssel und der EU-Kommission lag zunächst keine Stellungnahme vor. Assoziierungsabkommen für eine engere politische und wirtschaftliche Kooperation ohne Mitgliedschaft hat die EU bereits mit einigen Ländern wie der Ukraine, Georgien und Israel.
Hintergrund des strategischen Kurswechsels Kanadas ist der eskalierende Handelsstreit mit den USA. Im Zuge dessen haben die USA Zölle auf kanadische Waren im Volumen von mehreren Milliarden Dollar verhängt, worauf Kanada mit entsprechenden Gegenzöllen reagierte. Kanadas Beziehungen zu Washington haben sich seit der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus Anfang 2025 aber auch wegen Differenzen in anderen Bereichen deutlich verschlechtert.
Seither wird über eine Annäherung an die EU diskutiert. In einem Interview mit dem SPIEGEL sprach sich Anfang des Monats etwa der frühere Außenminister Sigmar Gabriel für eine Annäherung aus: »Ich gehöre zu denen, die eine Aufnahme Kanadas in die Europäische Union schon seit Längerem vorgeschlagen haben. Kanada ist europäischer als mancher europäischer Mitgliedstaat, ein starker und verlässlicher Verbündeter in der Nato und steht uns kulturell und politisch sehr nahe.«
Dem »Wall Street Journal« zufolge sprechen Kanada und die EU über Wege, den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften in Bereichen wie Energie, Künstliche Intelligenz (KI), Verteidigung und kritischen Rohstoffen zu ermöglichen. Zudem gebe es Gespräche über die Verlegung von Unterseekabeln, den gemeinsamen Bau von Rechenzentren, Cloud-Speichern und Satellitennetzwerken sowie über den Aufbau von Infrastruktur für kanadische Energielieferungen in die EU.
Carney habe zudem regelmäßig mit mehreren EU-Regierungschefs über die Möglichkeit gesprochen, Kanadiern ein visumfreies Leben und Arbeiten in der EU zu ermöglichen, berichtete das Blatt unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Besonders intensiv sei der Austausch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gewesen. Carney und Macron sollen sich demnach Ende des Monats treffen. Macrons Büro äußerte sich zunächst nicht dazu.
Das Vorhaben einer engeren Partnerschaft gilt jedoch als schwierig. Dies zeigt der Widerstand gegen ein bestehendes, weniger weitreichendes Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada: Mehr als zehn Jahre nach dessen Abschluss und neun Jahre nach dem vorläufigen Inkrafttreten haben mehrere EU-Mitgliedstaaten den Vertrag noch immer nicht ratifiziert.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Treffen zwischen Mark Carney und Emmanuel Macron Ende des Monats.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie reagieren die EU-Mitgliedstaaten auf eine mögliche Assoziierung?
- Welche rechtlichen Hürden bestehen für eine visumfreie Arbeitserlaubnis?



